Krimischmiede-Archiv 2009/2010

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"KRIMISCHMIEDE" (ARCHIV DER BEITRÄGE IM TITELMAGAZIN 19.09.2009 - 19.06.2010)

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19.06.2010


Urlaubszeit - die Krimischmiede verreist

Der Sommer hat auch in der Krimischmiede Einzug gehalten. Es wird unerträglich heiß, man muss mal raus, Pause, Insel oder so … Eine Checkliste fürs Kofferpacken …

Was packen wir denn ein?

Natürlich unseren Waschbeutel, den wir mit zusätzlichen Kotztüten so vollstopfen, dass er nicht mehr zugeht, falls uns noch mal eine Rede von zu Guttenberg über gefallene deutsche Soldaten und den Stolz seiner Töchter auf diese unterkommt.

Unterwäsche, Bettwäsche, Tischtücher, sogar Vorhänge, alles mit Jogi Löw-Poträt.

Vier Hosen: Eine zum Tragen, eine zum Wechseln, eine zum Liebhaben und eine, falls der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass uns ein Unbekannter für diese einen guten Batzen Geld anbietet, weil er so eine schon immer wollte.

Ein Latexkostüm, denn wir möchten kostenlos den Vatikan besichtigen.

Wenn er Zeit hat, Siegmar Gabriel zum Spielen oder einen Ball.

Ein trendiges Grillrezept für unser Barbecue: Halber südafrikanischer Springbock mit Fuchsfüllung:

Springbock mit einer Vuvuzelafanfare betäuben, erdrosseln, halbieren, eine Hälfte zur Fuchsanlockung in einem Wald auslegen, andere Hälfte kalt stellen.

Beim Springbockkadaver im Wald ausharren, bis dessen Verwesung so madig und wüst ist, dass sich ein gemeiner Fuchs schier zwangsläufig einfindet. Diesen köpfen, häuten, salzen, pfeffern, mit Feigensenf durchmassieren, mit Süßkartoffeln bewerfen und mit nach Hause (also natürlich ins Ferienhaus) nehmen. Dort Fuchs in Springbock legen, ein gewaltiges Feuer anfachen, Bock/Fuchsgemisch hineinwerfen und durch 24-stündige Drosselung des Feuers vermittels eines eingetröpfelten Honig/Buttermilchgemischs (200 Liter) sanft garen.

Dazu passen: Kartoffeln.

Wenn etwas übrig bleibt, aber es bleibt nichts übrig.

Eine weiße, spitze Mütze mit Augenschlitzen, um in migrationsdominierten Stadtteilen einen Witz zu machen.

Hemden, Socken.

Ein Buch zum Übers-Leben-Nachdenken, am besten zwei davon, falls die Partnerin auch übers Leben nachdenken will. Oder eine DVD.

Wenn man gelegentlich gerne ein Huhn wäre, den fahrbaren Hühnerstall von Manufactum, so man dieses harmlose erotische Vexierspiel ein wenig satt hat, kann ein hölzernes Stopfei die Sache wieder etwas spannender machen.

Ein Rätsel: Wer ist fünfzig und wird nicht gewählt?

Einwegbadehosen.

Und schließlich zum Entspannen einen Kurzkrimi, diesen:

Guido Westerwelle fährt mit Partner und dem gemeinsamen Retrohund Himmler spontan nach Südafrika, weil ihm die Vuvuzelas zum ersten Mal im Leben das Gefühl gegeben haben, dass Musik genau so schön sein kann wie die liberale Politik.

Vor Ort merken die Herren und der Hund, das „Township“ kein Kreuzfahrtschiff ist. Während eines betrübten Abendspaziergangs finden sie einen blauen Müllsack.

Neugierig öffnen die Männer den Sack.

„Das ist Pfarrer Fliege!“, ruft Guido entsetzt.

Aber bei näherem Hinsehen stellt sich dann doch heraus, dass es nur Müll ist.

Und ab geht’s!


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12.06.2010


Wo ist Horst Köhler?

Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Heute beantwortet er eine Frage, die uns allen auf den Nägeln brennt: Wo ist Horst Köhler?

Lassen wir’s doch heute mal recht assoziativ laufen – ungeordnet, grad der Nase nach, bei allem, was man so über die Welt, die Politik, die WM, das Titelmagazin und mein EEG mitkriegt, ist das noch das Angemessenste. („Es ist dieses Wort irgendwie, das Schule noch am ehesten beschreibt.“ (TOM BLECH im Lexikon des schulischen Elends (wird derzeit bei Rowohlt verramscht.))) Und ist Schule etwas anderes als ein Spiegel der Welt? Eben. Und:

Klammern macht Spaß! ((( ))) Ich kann sogar den oberen Teil der Frisur von Bundeskanzlerin Merkel mit Klammern: ((( ))).

Die ist ja scheiße dran im Moment. Und Guido, was macht der? Schabt mit einer Harpunenspitze Zahnputzspritzer vom schwarzen Hauskimono, dieweil sein Retrohund Himmler über scholastische Rätsel verzweifelt – passen nun alle Engel oder keiner auf eine Nadelspitze?

Und wo ist Horst Köhler?

Basler hingegen ruft Ballack an, gemeinsam gehen sie mit Babbel auf einen Ball mit Bankett und anschließender Ballerinaversteigerung, da Ballack seine Krücken vergessen hat, nimmt er einfach zwei Stabreime. Wohingegen Klose leise das Klofenster des südafrikanischen Quartiers mit einem mitgebrachten polnischen Geheimhammer pulverisiert, dies Pülverchen wird er Cacao in den – nein eben dann doch nicht Kakao – sondern Erdbeerkaba mischen und dann wollen wir mal sehen, wen Jogi spielen lässt. Dieser hat längst Horst Köhler nachnominiert, als Geheimwaffe, Wehrwolf, Wiedergänger, Wunderbar, doch der ist nicht da.

Er ist nicht in Berlin, nicht in Hamburg, München, Stuttgart, Pforzheim schon gar nicht, Mappus hat extra unters Bett geschaut, hat wer weiß was gefunden, eine suzidierte Eidechse, sein liebstes Fix und Foxi, jenen Gummislip von diesem Preisausschreiben, aber nicht Köhler.

Wo ist Horst Köhler?

Das fragen sich an sich auch, aber derzeit nicht Gauck und Käßmann, die miteinander Eierlikör schütten, versteckt in einem Brandenburger Wald, wo es eine Hexe geben soll, die kann alles. Bei der ist Kevin Kuranyi und bittet um einen neuen Vornamen, den Vorschlag der Hexe in Zukunft Knuddelkurt Kuranyi zu heißen, will er mit seinem Berater besprechen, was aber dauern könne, denn dieser Arme warte derzeit unter Quarantäne auf einen geeigneten Nabelspender.

Dies nicht wissend faltet Bundestorwarttrainer Köpke aus beim Spaziergang gesammelten Palmblättern gar nicht ungeschickt playmobilähnliche Männchen, mit denen er die Schlacht um Stalingrad nachspielt, sonst kann er nicht schlafen.

Er hat schon das Licht ausgemacht, da fragt er noch seinen Zimmergenossen, seinen überraschend zu Besuch gekommenen und im Hotel kein Bett mehr bekommen habenden Freund aus gemeinsamen Fernsehsendungen, Beleuchter Fred Fickeisen, ob dieser wisse, wo Horst Köhler sei.

Er weiß es nicht, wiederholt nur die Frage:

Wo ist Horst Köhler?

Christian Wulff beendet seine Darmspülung mit einem lauten Schrei.

Eynar streichelt den toten Wal ein letztes Mal.

Günther Netzer liest Lusie Rinser in Blindenschrift.

Blinde Nordkoreaner danken Kim Kuranyi.
Pfarrer Jürgen Fliege ist:
ein Schaumschläger, Damenfriseur, Schlichtschwätzer, Gotteshilfsknecht, Hohlbrocken und Oberdumpfbatz.

Begründung 4 (1–3 s. KW 16) seine neueste Onlinepredigt:

Wie ist das eigentlich mit dem Pech? Da hat man oft das Gefühl, dass alles, was um einen herum an Misslichem passiert, mit einem selbst zu tun hat. Deshalb sagt man auch: „Das Pech klebt unter meinen Füßen.“ Überall, wo man hinkommt, gehen Gläser kaputt, fällt jemand hin und geht etwas schief. (AAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!! (C.S.(also ich (also meine Anmerkung)))) Als wenn etwas in einem drinnen ist, das pechschwarz und voller Angst ist. Als ob dadurch das Unglück erst entstehen würde. Und als ob die Seele nicht nur einen Menschen unglücklich machen könnte, sondern die Umgebung gleich mit. Aber in diesen Gedanken ist die Lösung auch gleich mit drin: Um dem Pech zu entgehen, müssen Sie sich fragen: „Wovor ängstige ich mich eigentlich? Was ist in mir so schwarz, dass ich das Pech geradezu mitzubringen scheine?“ Und wenn Sie schon dabei sind, dann fragen Sie sich doch auch gleich noch, was in Ihnen segnen sein kann, was Heil und Glück bringt. Und Sie werden sehen, beides ist da. Also fürchten Sie sich nicht.

Tim Wiese fürchtet sich nicht.

Jörg Butt heißt wie ein Fisch.

Lehmann heißt in Wirklichkeit Lommel.

Kahn tötet ein Stubenküken und gleich geht es ihm besser.

Neuer ist neuer Adler.

Und wo ist Horst Köhler?

Wally Scheel nimmt eine anlagebedingt große Nase durch den Hundert-Euroschein, Richy Weizäcker nippt lachend am Danziger Machandel. „Wasz ihr au fir ein Zaigs verkonsumiern dut!“, schilt sie Rooney Herzog. Hotte Köhler räkelt sich im Liegstuhl. Und denkt: „Nicht schlecht, so eine Südseeinsel für Ex-Präsidenten!“ – Und während allem diesem haben Priester rein statistisch 1,7 Ministranten betört, die Beneluxstaaten mitgerechnet: 2,3.


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29.05.2010


Der Fall des Ezechiel Rammsauter, Teil 2

Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede … Heute erfreuen wir uns an Teil 2 eines Großprojektes, das wir schon am 20. März kennenlernen durften. Das ist raffiniert, weil Sie den 1. Teil der Kolumne noch einmal lesen dürfen …

In den nächsten Tagen überprüfen wir die STUDENTEN. Nichts. Überhaupt nichts. Langweiliges frommes Volk.

Rammsauter kontert, dass das der Beweis sei, denn Satanisten, die sich als solche zu erkennen gäben, seien minderschlimmer Art und mit denen würde er notfalls alleine fertig. Wir sollen weitermachen. Also gut, wir machen weiter, wir brauchen das Geld. Nur: Was sollen wir tun?

„Eule?“, wimmert es hinter meinem Rücken.

„Was?“

„Hunger.“

„Iss.“

Schmoll beginnt etwas zu kauen. Später sollten wir feststellen, dass es alle bisherigen Notizen zum Fall waren.

Anderer Tag: Stalin jagt einen Korken. Die dazugehörige Flasche ist weg. Ich halte es nicht mehr aus. „Hier ist der automatische Anrufbeantworter von Tobias Schmoll. Ich möchte eine Familypizza mit doppelter Portion Nizzasalat … PIEP!“

„Schmoll!“, schreie ich fassungslos. „Muss es denn immer ums Essen gehen?!“

Er nimmt ab. „Um was denn sonst? Ich bin doch kein Alkoholiker …“

„Bist du glücklich Schmoll?“

„Wenn ich satt bin …“, kommt es müde, „wenn ich satt bin, Eule, wenn ich satt, pappsatt bin, dann, Eule, dann bin ich glücklich … sehr glücklich. Aber ich bin niemals satt.“

„Haben wir noch einen anderen Fall, Schmoll? Irgendwas, um einen Monat lang trockene Tütensuppe bunkern zu können? Können wir vielleicht für irgendeinen geschmackvollen Russen Schutzgeld eintreiben? Ich habe kein gutes Gefühl …“

„Nichts – mampf, mampf – Eule, aber was sind gute Gefühle? Sind sie bitter, salzig, sauer oder herb?“

„Du hast süß vergessen.“

„Sind sie süß?“

„Ja“, sage ich erschöpft. „Sie sind sehr süß.“

Wir treffen uns auf Rammsauters Wunsch im Wald. Warum nicht? Aber ich muss ihm die Wahrheit sagen, auch wenn es unseren Ruin bedeutet. Es regnet. Schmoll schützt sich mit einem Sonnenschirm.

„Wir haben nichts herausgefunden“, höre ich mich sagen. „Ich bezweifle sowieso, dass es etwas herauszufinden gibt. Jemand ist tot. Die anderen haben nichts mit der Sache zu tun.“

Rammsauter schweigt. Man hört nur den Regen. „Ein Mensch ist tot. Nichts weiter. Die Herren wollen nichts tun.“

„Wir können, KÖNNEN nichts tun …“

„Dann hat er gewonnen“, Rammsauters Stimme grollt wie Donner. „Der ohne Namen.“

„Ich habe Angst“, wimmert Schmoll. „Und Hunger.“

„PLAN B!“, schreit der Pfarrer.

Ein schmerbäuchiger Mann tritt aus dem Unterholz.

Schmoll zieht eine Spielzeugwaffe.

„Hände in den Himmel!“, schreit er.

„Ich bin Arzt“, versetzt der Bedrohte würdig. „Sie sind zu dick. Treiben Sie Sport. Trinken Sie ein SALZARMES Mineralwasser. Viel Rohkost. Suchen Sie Freunde, die Rohkost essen …“

„Aber dann essen die mir ja die Rohkost weg …“, staunt Schmoll.

„Suchen Sie Freunde, die SALZARMES Mineralwasser trinken und nicht so dick sind wie Sie.“

„Ja, ich suche Freunde“, beginnt Schmoll zu weinen. „Schon immer.“

„Dr. Bassmeier, wahrer Sohn des Hippokrates. Der Herr ist mein Arzt …“, strahlt Rammsauter. „Da ihr nicht weiterkommt, ziehe ich einen zusätzlichen MANN hinzu.“

Ich fühle mich in meiner Ehre gekränkt. „Wir kommen weiter“, höre ich mich sagen. „Wir werden die Schweine kriegen.“

Der Arzt ergreift das Wort: „Ich glaube an die Vernunft. Normalerweise. Aber letztes Jahr kam ein Knabe in meine Praxis, dessen Herz kaum noch schlug. Und Rammsauter hat ihn durch Gebete …“

„Er lebt?“

„Nicht mehr“, räumt Bassmeier ein, „schon lange nicht mehr, fast ein Jahr ist er tot, aber dennoch …“

„Dieser Mann“, brüllt Rammsauter, „hatte eine SINNKRISE. Meine Arbeit mit dem Knaben hat ihn zum Glauben geführt.“

„Ich bin mir sicher“, wispert Bassmeier, „dass Satan nach uns greift. Es muss sein, es kann doch nicht alles immer so dahinschlingern …“

Ich denke nach. Was, wenn er Recht hat? Er ist immerhin Arzt.

„Wir werden die Leute nochmals überprüfen“, sage ich mir. „Vielleicht haben wir etwas übersehen …“

In der Folge stelle ich das Denken ein. Das lustvolle Toben, das Glauben, die Logik sonst wohin tun, das Gefühl, wichtige Dinge zu tun, enormes Abrakadabra hebt die Stimmung. Wir sind jetzt fünf gegen Satan. Ein alter Kumpel, Freund und Rivale aus New York. Pater Jesse Caldera kommt. Exorzist, Christ. Treffpunkt in Josés Eckkneipe zwischen acht und Mitternacht. Schmoll möge einen Hut tragen. Der Weg ist das Ziel.

Rammsauter erläutert den Fall. Neben ihm am Tresen lehnt ein kleiner verfilzter Mann unter dessen zu kurzer Kutte rote Socken hochspechten.

„Yeah!“, sagt er und gibt mir die Hand. Dann Schmoll. Schmoll küsst ihm den Ring.

Wo wohnt Schmoll? Ich habe noch nie gefragt. Ist das recht? Ist das wichtig?

„Wo lebst Du, Bruder Schmoll, dicker Freund?“

„Aber das kann man doch nicht leben nennen!“, beruhigt mich der Fette, „Eule, Beweise. Wir brauchen Beweise.“

„Man ist dem Satan nie nur nahe, denn er ist immer schon ganz da“, jubelt Rammsauter durch die Wirtsstube. „In uns. In dir. In meinem Blut, im Blut des Herrn. Du weißt es, Bassmeier?“

„Du hast es mir erklärt, Rammsauter.“

„Und du glaubst es?“

„Ja, ich glaube das.“

Ja, ein Kampf allgegenwärtig und überall seit Anbeginn der Zeit, so kann man Welt und Leben sehen, merke ich. Es ist eine Sache der Übung. Schon lange ist mir jedes Licht gleißend oder düster, pfeift der Wind oder es ist gefährlich lau, jedes Bild zerfällt in aggressiv wimmelnde Segmente. Rammsauter, ich bin dein.


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15.05.2010


Das Alphabet der erotischen Krimiausschnitte, in denen nichts stimmt

Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert eigentlich mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage, aber weil nächstes Wochenende SiK-Pfingstpause hat, wollen wir Sie nicht so lange Carlo-unterversorgt lassen. Zumal heute ein erschütterndes Alphabet zur Debatte steht.

A = Aber das ergab keinen Sinn! Überhaupt keinen Sinn! Richter Jesus Müller ging noch einmal die Akten durch. Wenn Gisbert Schnuff Gisela Schnuff am dreizehnten November ermordet haben wollte, konnte er unmöglich nur wenige Tage vorher zu Fuß vom Südpol aufgebrochen sein. Und doch bezeugten das verschiedene Eskimoinnen, wo es doch am Südpol gar keine Eskimoinnen gab. Schlimmer noch, eine rubbelte gerade hingebungsvoll seinen Spatz mit einem Babyrobbenfell.

B = Besamung von Nonnen – gar mit Waffengewalt – war kein Kavaliersdelikt, nicht hier im Vatikan. Hobbyermittler Monsignore Totti seufzte, zumal sich einige Nonnen beim Papst beschweren wollten. Der heilige Vater würde das nicht überleben, nicht nach der Affäre Obst. Und wer würde ihm, Totti, dann die Einläufe machen?

C = „Cicero hat die Stadt verlassen!“, rief Legionär Butcus, den Lucullus mit dieser heiklen Aufgabe betraut hatte, noch ehe er sein Pilum in den Pilumständer gestellt hatte.

„Soso“, nachdenklich biss Lucullus in seine Wachtel. „Nehmt einen Trunk Wein!“, er gab seinem helvetischen Sklaven Urs ein entsprechendes Zeichen.

„Ich … ich bin im Badehaus verabredet“, sagte Butcus und errötete. „Mit Knaben.“

Lucculus lächelte: „Wie herrlich ist’s zum Pilum Roms noch einen eigenen Spieß mit Manneskraft zu stelzen. Wie herrlich ist der Jugend Kraft!“

„Apropos“, sagte Urs, „soll ich die Egel nun aus eurem Schritt entfernen?“

Lucullus schaute in die Ferne: „Erst wenn wir diesen verdammten Mistkerl von Cicero und seine ganze Bande hinter Schloss und Riegel haben.“

D = Darmverschluss, ausgerechnet jetzt, kurz vor dem Zugriff auf Edgar Stilletto. Harry Himmler stöhnte und schaute neidisch zu seinem von Natur aus sehr gut verdauenden Riesenpython Daniel. ‚Apropos Daniel‘, dachte er. ‚Ich muss mal wieder mit Daniela nachts nackt nageln.‘

E = „Eigentlich habe ich mit der Polizeiarbeit nichts mehr zu tun, junge Lady“, der legendäre Ermittler Luther Kraus, Fänger des Ungeheuers von New Orleans, Überführer von Sigmund dem Finnenfeind, Töter von Sergio dem Strukturalisten und Sieger im Morgan Freeman Look-a-like-Wettbewerb 2001 warf die Angel weit hinaus in den Mississippi. „Andererseits“, sagte er nachdenklich, „habe ich verdammter alter Idiot gerade meine Angel weggeworfen.“ „Okay“, lächelnd wandte er sich seinem Besucher zu. „Junge Lady, Sie dürfen mir gleich erzählen, was für ein übles Spiel dieser Albaner spielt, aber vorher brauche ich ein bisschen Verständnis. Die Augen sind schwach geworden, die Ohren auch, aber mein kleiner Tom da unten will jetzt mal die Lady besichtigen …“

Officer Alfons Rodriguez ertrug die Penetration um der Sache Willen, vertraute auf Krausens schwache Sehkraft und dachte: Apropos Irrtum: Mein Sohn kann gar nicht von mir sein, ich war zu der Zeit in Idar Oberstein.

F = „Fick mich!“, flehte die Geheimagentin den müden Putschisten an. „Hier?“, fragte er. „Hier!“, sagte sie. „Noch ist Zeit, bis ich dich festnehme!“ „Es ist ein Planschbecken und überall sind Kinder!“, gab der Putschist zu bedenken. Statt einer Antwort legte die Agentin Badekappe und Schwimmflügel ab.

G = „Geh nicht!“, flehte die pensionierte Polizistin ihren sterbenden Gatten an. Aber der, ungeachtet seiner von ihr in Notwehr zugefügten, eigentlich tödlichen Stichwunde, ging zum Arzt, wurde gerettet und trotz erdrückender Beweise vom Vorwurf der jahrzehntelangen Polizistinnenmisshandlung freigesprochen. Seine Frau ließ sich nichts anmerken, aber scheiden.

H = „Halleluja!“, rief der mormonische Ermittler in den Nachthimmel über Salt Lake City und musste beim Fesseln der Zigeunerin mehrfach geilheitsbedingt pausieren. Sie hieß Karin.

I = „Ich will“, sagte Piotr Wawensa bei der Teambesprechung, „dass ihr jeden Kanaldeckel in Warschau umdreht, bis wir diese weißrussische Ratte am Schwanz haben. Ihr schaut in jede Litfasssäule. Ihr schaut in jeden Kartoffelsack, vor euch ist kein Kofferraum sicher sowie kein Koffer und kein Raum. Jedes Haus vom Keller bis zum Dach! Und die Schornsteine. Und die kleinen Zwischenräume zwischen Schornstein und Wand in den schlecht gemauerten Häusern der sozialistischen Epoche sowie“, er atmete tief ein, „alle Zeitungskioske, aber auch Kioske, die keine Zeitungen verkaufen. Alle Zeitungen sowieso. Unter jedes Blatt werdet ihr schauen, in jedes Bohrloch und überall, wo ihr geschaut habt, schaut ihr noch weitere drei Mal und – zum Henker – was soll das Majorin Dorota?“

Beschämt zog die Polizisten die Leuchtstoffröhre aus dem After des Kadetten Prrt. Der nickte.

J = „Ja, ich will!“, sagte Polizeiobermeisterin Josephine, schon warf sie der tatverdächtige Mulatte auf den Altar und sich oben drüber. Pfarrerin Halberstetter lachte verständnisvoll.

K = „Komm“, hauchte die reife Orthopädin dem verwachsenen Knaben zu und merkte erst am nächsten Morgen, dass er ihre Handtasche, zwischen Buckel und Rücken geklemmt, während des Liebesspiels entwendet hatte.

L = „Lassen Sie das, hören Sie auf mich zu fisten. Das macht meine Frau auch nicht mehr lebendig!“ Enttäuscht ließ der Verdächtige von Fahnder Knoch ab und gestand.

M = „Männer“, Kommissarin Fanny Tropf stieß den vorzeitig ejakuliert habenden Orgelschüler mit einer müden Bewegung von der Werkbank, „wissen einfach nicht, wie man eine Dame behandelt.“

„Nur weil ich jung bin!“, weinte der angehende Musiker.

Die nackte Ermittlerin schlug resolut auf die Schraubzwinge. „Draußen treibt Kurt der Kannibale sein Unwesen, und ich verschwende Ermittlungszeit mit einem unreifen Lustboy.“

„Soso!“, entgegnete nun der Knabe mit gänzlich veränderter Stimme. „Wer sagt denn, dass ich nicht Kurt bin.“

„Das habe ich mir schon gedacht!“, erwiderte Tropf und hob drohend eine Feile, diese entwand ihr der Organist erstaunlich behände. „Reib dich damit ein!“, sagte er und reichte ihr eine Tube. Tropf erstarrte. „Tandorigewürz!“, half ihr der schäbig lächelnde Jüngling auf die Sprünge. „Ich bin gar kein Organist, ich bin Pakistani!“

N = „Nie zuvor“, hauchte die hörige Polizeipsychologin in das Blumenkohlohr des österreichischen Serienkillers Sepp Humerhaber, den sie soeben auf ihrer Therapieliege in der JVA Graz beritten hatte, da war sie auch schon erwürgt.

O = „Otto, oh Otto!“ Matze Berust, homosexueller Privatermittler, erkannte das Geschlechtsteil seines Ex-Freundes Otto Knall sofort, bedeckte es mit einem Salatblatt und verlangte den Koch zu sprechen.

P = „Pädophilie ganz klar“, kopfschüttelnd betrachtete der türkischstämmige Ermittler Cem Istambul die eindeutige Strichzeichnung auf der Hühnersuppendose. „Meine Lieblingssuppe“, stöhnte die Praktikantin, Gymnasiastin Nele Specht, „meine Lieblingssuppe – und nun das.“

Istambul schüttelte den Kopf. Auch Specht schüttelte den Kopf. Beide schüttelten den Kopf. „Apropos Hühnersuppe“, sagte Specht, schüttelte aber weiter den Kopf. „Haben Sie“, fuhr sie fort, „heute Abend Lust auf ein scharfes Chicken?“

Istambul kniff ihr kopfschüttelnd innig in die Brust: „Mach erst die Schule fertig, dann nehme ich dich“, sagte er mit rauer Stimme. Weiterhin schüttelten sie beide den Kopf.

Qu = „Quäle mich!“, bat die devote Ermittlerin den blinden Bauarbeiter und Steuerbetrüger, der schlug nach ihr, verfehlte sie.

R = „Riesentitten hat die!“, lachte Assistent Nulf Not, „Riesentitten, Megamöpse, Monstereuter, Melkmaschine!“ – „Ist gut, Nulle“, kanzelte ihn sein Chef Jeff Knöller ab. „Fang du mal lieber den Taschendieb von letzter Woche, du erkennst ihn an der Tasche, sie ist rot und hat niedliche Quasten.“

S = „Soso“, schmunzelte der Fernsehpfarrer ins Becken der Bäuerin, „ich bin zwar kein Polizist, aber wenn das nicht ein Kondom voll reinsten rumänischen Heroins ist, mit dem Sie raffiniertes Weib die Schulden ihres trunksüchtigen Ehemanns, dessen Seelsorger ich …“

„Mach weiter, Jürgen!“, flehte das raffinierte Weib.

T = „Tee?“, fragte Coin die durchnässte späte Besucherin. „Und wollen Sie vielleicht ein Bad nehmen?“ – „Das ist es nicht!“, entgegnete die ungewöhnlich schöne Frau. „Ich bin hier, um sie von den Nachforschungen nach meinem toten Bruder abzubringen. Ich würde alles dafür tun.“ Trotzig schüttelte sie ihre Löwenmähne. „Ich meine: Alles.“

Lächelnd griff der Sergeant nach der wie immer griffbereit neben ihm liegenden deutschen Wehrmachtuniform aus Gummi. „Apropos Gummi“, sagte die Fremde. „Sie haben nicht zufällig ein paar Weingummis?“ Aber Coin war schon tot.

U = „Unterführungen haben es ihm angetan!“, sagte die lesbische Ermittlerin Cosima Stalp und kratzte sich am kurzgeschorenen Kopf. Ihre üppige brasilianische Freundin Dominga entledigte sich enttäuscht ihres Sambakostüms: „Ich dachte, wir hätten einen schönen Abend.“

Stalp lachte: „Es ist 12 Uhr mittags.“ Trotzdem schmollte ihre üppige brasilianische Freundin Dominga. Stalp lächelte: „Hilf mir lieber! Was will der Waffenschieber, der sich als brasilianische Samabatänzerin tarnt, in Unterführungen?“ Statt einer Antwort kam keine Antwort.

V = „Verkehr in allen Stellungen? Das hat Doktor Moselbrunn verlangt?“, fragte der desillusionierte Privatermittler den im Schatten der Bahnhofsuhr anschaffenden kirgisischen Lateinschüler. Der lutschte vielsagend an seiner Rindswurst, zitterte und lächelte.

W = „Walpurgisnacht“, eröffnete Major Dimitrow Jevgenisandrotschugasschwili die Sitzung, „das heißt hierzulande: Unzucht, Suff, zerbrochene Scheiben. Walpurgisnacht“, fuhr er fort, „das heißt hierzulande: brennende Autos, geschleifte Häuser, totes Tier.“ Er holte Luft: „Walpurgisnacht, das heißt hierzulande: tote Kinder, tote Rinder, tote Inder.“ Er seufzte: „Walpurgisnacht …“

„Darf ich Ihre Prostata massieren?“, fragte die aus Moskau hinzugezogene Polizeipsychologin Ludmilla Wowereit.“

„Nicht jetzt!“, schrie Jevgenisandrotschugasschwili.

„Wann dann?“

„Gleich.“

„Jetzt?“

„Ja.“

X = Xylophonspielen war für den gehörlosen Kommissar Stig Lillepalle eine gute Möglichkeit zu entspannen, da er die Schwingungen mit den Schwellkörpern seines Geschlechtsgliedes wahrnahm und dabei der ein oder andere Orgasmus heraussprang. Apropos Orgasmus: Er musste Organist Assmussen nochmals in der Sache „HIV-Pinguin“ einvernehmen.

Y = York, das war klar, stand unter Schock. Dreizehn Mädchen gekreuzigt. Inspector William Wanker suchte nochmals die Hinrichtungsorte auf dem Stadtplan. Verband man sie, erhielt man den Schnittmusterbogen für eine recht elegante Burka. Apropos: Wenn die Sache ausgeschwitzt war, musste er unbedingt die persische Frauenärztin seiner Ex-Frau zum Yorkshirepudding einladen, mit Sherry abfüllen, nackig ausziehen und ankucken.

Z = Zwiebeln rektal zu genießen, war für Obermeisterin Aphrodite Dengelschwanz wie Weihnachten. Was scherte sie die Geiselnahme auf der Bohrinsel? Kein Mann konnte es mit einer Zwiebel … da schaltete die Heizung ab.

 


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08.05.2010

Der Pharao

Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Heute erlaubt er uns wieder einen erschütternden Einblick in sein Archiv prekärer Projekte. Wir sind leider nicht sicher, ob sich mancher Kollege und manche Kollegin an diesem Thesaurus verwerflicher Ideen nicht längst bedient haben …

„Ich höre Popmusik, ich höre Operette, Oper nicht, man muss ehrlich sein, ich höre auch Blasmusik“, so unlängst eine Nachbarin am Gartenzaun.

Sie hat recht. Man muss ehrlich sein. Seit Spätsommer letzten Jahres habe ich unter anderem verhöhnt:

Guido Westerwelle,

Jürgen Fliege,

Papst Benni,

Ministerpräsident Mappus,

Ött-Ött-Öttinger,

Bert Hellinger,

Luise Rinser,

Ungenannte Krimiautoren,

Unschuldige Bürger,

Margot Käßmann,

pädophile Priester,

Nordkorea,

Oliver Pocher

und noch viele mehr.

Bei der Gelegenheit: Mathieu Carrière ist ein derartiger … Aber nein! Heute ist Buße angezeigt.

Denn wahrhaftig: In einem Windows-Ordner „Archiv bis 2005“ fand ich folgenden Plot, den ich offensichtlich zu Millenniumsbeginn zum zweiten Band meiner Heidelberger Krimireihe transformieren wollte. Alles, wirklich alles daran ist schlecht:

Lesen Sie selbst (und schon der Titel ist zum Kotzen):

Der Pharao

Gesprächskreis: Werte und Wissen:

1. Armin Brecht - Oberschwabe, Deutsch und Geschichte in Heidelberg - um die Fünfzig

2. José Franco – Kind chilenischer Flüchtlinge - Jahrgang 74, über verstorbenen Vater im Gesprächskreis, Sport und Technik an Mannheimer Hauptschule in Neckarau

3. „Karlchen“ Hermann - Gruppenchef - (bürg.: von Behnten), Realschullehrer D, Mu, E, nie im Dienst, lebt von Frau. Frau: Elisabeth, arbeitet als Krankenschwester in der Kinderklinik.

4. Tobias Lutz, D, G, Sp, Gesamtschule Viernheim, Frohnatur, in Fünfzigern

5. Uli Ochs - Mömmsen: Politik und Deutsch, Heidelberger Gymnasium, Agitator, Fanatiker

6. Dietmar Senf - Psychohengst, Beratungslehrer an Mannheimer Innenstadt Hauptschule

7. Dorothea Buchwald, 30, Theologiestudentin, hat sich in Gruppe gedränt

8. über: Marianne „Maja“ Berust, 50, D, R, HUS an der Grundschule, Waldhilsbach Pseudofeministin

9. Tatjana Müller 54, Supergrundschullehrerin + Behindertenintegration an Mannheimer Grundschule

10. Beate Schnitz, Schwäbin, Hennaluder, Realschule Speyer


Am 11. September 2001, mitten in „die“ Bilder, platzt Bombe. Armin Brecht - Oberschwabe, Deutsch und Geschichte in Heidelberg - um die Fünfzig erschossen, hatte Schule aus, wie immer in Sandhausen den Trimmpfad gejoggt.


Kaum herausgearbeitet, wird am 12. September Beate Schnitz-Hummel, Schwäbin, geschiedenes Hennaluder, Mann in Neuseeland, Realschule Speyer erschossen, ins Herz, wird von ihrem jungen Freund gefunden. Erdgeschosswohnung in Peterstal, Freund berichtet, sie sei in Arbeitskreis gewesen, über Adressbuch alle angerufen.


Zunächst Ruhe. Theuer und Co. klappern Leute ab und lernen sie kennen. Kreis existiert seit 70er Jahre, schwurbeliges Reformkonzept, Dunstkreis SPZ, Fahrpreisdemos, aber nichts Ernstes.

Am 14. September wird Tobias Lutz, D, G, Sp, Gesamtschule Viernheim, Frohnatur, in Fünfzigern besucht und erschossen, Täter versucht mit Küchenbeil Hand abzuhacken, lässt aber wieder ab und verschwindet mit Tatwerkzeug.


Hornung: Kopf, Herz, Hand - Täter wollte Pädagogenspur legen.

Pädagogenschiene wird abgeklappert. Mordserie erschreckt Heidelberg, Panik, daher Schritt an die Öffentlichkeit: Scheint Pädagogenmord zu sein, betroffen wohl (leider) Mitglieder des Arbeitskreises.


José - Pablo Franco - Kind chilenischer Flüchtlinge - Jahrgang 74, über verstorbenen Vater im Gesprächskreis, Sport und Technik an Mannheimer Hauptschule in Neckarau wird im Schloss gejagt. Augenzeugen sehen Mann. Schuss verfehlt ihn, Kugel wird später gefunden (andere Waffe), springt, überlebt schwerverletzt - Querschnitt. Schweigt.


Brief taucht auf: gez. Pharao - Täter wollte ursrünglich Pädagogenmuster legen und springt auf Islamistenzug auf. Seltmann fällt drauf rein, Theuer nicht.


Leidig nimmt Buchwald auf. Dorothea Buchwald, 30, Theologiestudentin, hat sich in Gruppe gedrängt über Marianne „Maja“ Berust, 50, D, R, HUS an der Grundschule, Pseudofeministin.

Durch intensive Bewachung Ruhe. Theuer klärt Bekennerschreiben. Pseudo - Deutsch/türkisch, aus deutschem Koran falsch zitiert - kein Islam. Kann sich nicht durchsetzen. BKA ermittelt.

Ermittlungen in Sachen Franco dann also wieder auf eigene Faust. Junger Mann hat ausschweifend die Damen beglückt.


Uli Ochs - Mömmsen: Politik und Deutsch, Heidelberger Gymnasium, Agitator, Fanatiker agitiert heftig gegen Kriegsvorbereitungen, BKA verdächtigt ihn, kein Unbekannter, Theuer hält ihn für sicher, da Täter Islamistenmaske nicht fallen lässt.


Maja“ Berust wird auf Heimweg von Schule im Wald gestoppt und erstochen.

Leidig schläft mit Buchwald.


Theuer studiert alte Quellen, entdeckt Haffner auf Foto - Recherchen: Haffners Abizeugnis war gefälscht. War mal in einem Projekt „Arbeiterkinder“. Konflikt in der Gruppe. Haffner geht zum Schloss und findet Kugel. Lässt analysieren, auf Franco wurde anderer Waffe beschossen.

„Karlchen“ Herrmann, Dietmar Senf, Tatjana Müller werden streng bewacht, aber auch gefilzt.

Herrmann ist als Einziger nicht Lehrer geworden, krank. Lebt von Börsenspekulationen. Hat Teilen der Gruppe Geld geschuldet, aber nicht wirklich viel.


Eigene Situation allerdings marode. Untersuchung über Krankheiten, schließlich einziger Arzt der sich finden lässt Psychoanalytiker. Herrmann impotent, Kinder? Theuer auf eigene Faust nach Eckernförde, Sohn ähnelt Ochs, Tochter ähnelt Lutz, drittes Kind hat seltene Blutgruppe.


Ochs wird erstochen. Diesmal hat man Frau gesehen. Theuer nimmt an, Herrmann war in Kleidern seiner gleich alten Frau unterwegs. Herrmann gesteht.


Theuer behält Zweifel. Beschafft sich Blutprobe von Senf, Dr. Zuber hilft, Exhumierung der beiden anderen vermeintlichen Väter wird abgelehnt.


Ergebnis: Ist Vater von Herrmanns Kind, Kreuzskalierung, Täter entweder Väter und/oder Schuldner. Nur Franco, Brecht und Müller sauber.


Nachhaken: Brecht in Misshandlungsfall verstrickt.


Anfang September ist Mädchen in Kinderklinik gekommen mit unklarem Schwindel ect. kommt raus, dass vom Lehrer Lutz schwer geohrfeigt, Hörschaden. Zorn der Mutter (Kinder im Internat) nimmt zu.


Zweifel: Warum Wechsel auf Dolch. (Herrmann hat seine Pistole, ahnend, dass seine Frau Täterin verschwinden lassen.)


Belastet sich selbst in Todesangst. Seine Chance - Frau täten Müller müsste es tun. Sie liebt ihn. Plan, Tarnung: Hilf mir es selbst zu tun. Müller verschwindet. Herrmanns Frau begeht Selbstmord am Beerfelder Galgen. Hatte Lebensversicherung gekündigt. Müller nicht wirklich sicher dort gewesen. U-Haft, Druck, Francos Kollege Schellenberg wird gefasst. Herrmann lebt im großen Stil. Senf ist ähnlich weit in Gedanken, erpresst. Herrmann und Müller werden gefasst.


Yildirim treibt Adoption von Babett voran, erfindet Theuer als Partner. Hornung ist verärgert macht aber mit.

Es kommt zu….

Hier endet der Text – endlich.

Wie bin ich denn auf den Nachnamen „Berust“ gekommen? Notdürftig getarnte Notgeilheit?

„Uli Ochs – Mömmsen“? Was war denn da um Himmels Willen mit mir los? „José Franco“ – das ist ja mal eine Spaniername zu dem man nur Spaniername sagen kann. Und der Fettdruck zwischendurch! Sicher ist, dass ich nicht betrunken war, denn dann vertippe ich mich wesentlich mehr. Sonst ist gar nichts mehr sicher. Zehn Personen! Wollte ich das mehrbändig angehen? Gott, würde ich mich über so was lustig machen! Und jetzt?

Ich ende für heute. Verstört, gedemütigt, der Depp.


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24.04.2010


Priester

Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage. Sein Thema heute ist so schlicht wie universal und aktuell: Priester

Pfarrer Jürgen Fliege ist:

ein Schaumschläger, Damenfriseur, Schlichtschwätzer, Gotteshilfsknecht, Hohlbrocken und Oberdumpfbatz.

Begründung 1:

In einer Sendung in den 90ern befasste er sich mit dem Thema „Tinnitus“, nicht nur, dass er die peinigende Wahrnehmungsstörung in einer beruflich/genetisch mischbedingten noch weitaus größeren Wahrnehmungsstörung gefangen, freilich von dieser auch lebenslang vor Selbsterkenntnis, also Selbstverdammung religiös stimmend geschützt … Also auf jeden Fall sagte der Kanzelkasper recht konsequent fälschlicherweise: Trinnitus.

Seine Idee zur Behebung desselben war dann: Ohren zuhalten.

Ein fassungslos anwesender HNO-Arzt meinte: „Dann ist es natürlich noch lauter.“

Begründung 2:

Im selben Jahrzehnt verschaffte der Jenseitige dann B. Hellinger, dem mittlerweile dann doch weithin als mindestens wahnsinnig enttarnten Hobbytherapeuten einen großen Auftritt, wischte öffentliche Bedenken gegen dessen mangelnde Qualifikation mit der Volte: „Jesus hatte auch kein Diplom“ vom Tisch. Wir ergänzen: Hitler auch nicht.

Begründung 3:

Unlängst war der ansonsten weitgehend in nächtliche Kleinstformate dahingegangene Fliege zu Gast bei der ARD-Scientology Diskussion, man las darüber. Vollkommen kenntnisfrei, aber beneidenswert vom eigenen Niedergang unbeeindruckt, posaunte er da los, dass es ja ohnehin kaum Scientologen gebe und wenn, dann seien das Männer über vierzig und keine Aufregung und …

Lassen wir’s, war auf jeden Fall einmal mehr alles falsch.

Und ich merke gerade, dass ich es nicht ertrage, jetzt weiter über Jürgen Fliege zu schreiben. Lesen wir es als Beginn einer Miniserie, die ich dereinst, nach Begründung Nr. 100 beenden werde. Und immer wird sie beginnen mit:

Pfarrer Jürgen Fliege ist:

ein Schaumschläger, Damenfriseur, Schlichtschwätzer, Gotteshilfsknecht, Hohlbrocken und Oberdumpfbatz.

***

Reden wir doch lieber über Nordkorea (Unterstreichungen von mir):

Ich sehe einen Filmstreifen mit Kim Jong Il. Er ist um eine Spur kleiner als sein Vater und scheint ein musischer Mensch zu sein. Er ist, so scheint es, weicher als der Vater. Er hat ja auch kein Partisanendasein hinter sich. Als er 7 Jahre alt war, starb seine Mutter, später heiratete Kim Il Sung wieder. Der Sohn, als der Älteste, lag dem Vater natürlich sehr am Herzen, und er zog ihn bald nach der Beendigung des Universitätsstudiums zu politischen Aufgaben heran. Mir scheint sicher und auch legitim, dass er ihn als Nachfolger in Betracht zieht.

Was regt den Westen daran so auf? Dass ein Vater seinen Sohn zum Nachfolger will? Dass diese Absicht undemokratisch ist, da von oben herab bestimmt? Weil es das Bild der Diktatur bestätigt? Weil dieser Diktator selbst noch über seinen Tod hinaus regieren will?

Wenn nun aber dieser Kim Jong Il nicht in erster Linie Sohn des Vaters ist, sondern tatsächlich der fähigste junge Mann im Staat? […] zumal ich weiß, dass ein Volk, das zwar den Konfuzianismus, als zur Feudalperiode gehörig, ablehnt, aber dennoch zumindest unbewusst von ihm bestimmt wird, es natürlich und gut findet, wenn, wie von alters her, der älteste Sohn die Nachfolge des Vaters in der Familie antritt. Warum nicht auch in der Volksfamilie?

Satire? Aber nicht doch: Ein Text von der Website: Nordkorea-Info, einer Seite deutscher Nordkoreafreunde, es gibt halt alles, es gibt vermutlich sogar ein paar Kardinäle, denen ein Knabenpo nicht die Soutane zeltet. Und natürlich ist dieser Ausschnitt von der unvergessenen Luise Rinser, die sich ja u. a. in Nordkorea gründlich verguckt und alsdann verschrieben hat.

***

Was finden wir aber mit der Google-Suchanfrage: „Jürgen Fliege“ Rinser ?

Auf irgendwelchen verworrenen Suchwegen tatsächlich Jürgen Flieges eigene virtuelle Kirche, wo sich aber laut Suchfunktion der Begriff „Rinser“ dann doch nirgendwo befindet. Er kann halt gar nix, siehe hierzu auch seine dorten ins Netz geschissene „kleine Predigt“ (Unterstreichungen wieder von mir):

Hiob hatte seine Frau und seine Kinder verloren. Und wenn Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn zu Grabe tragen mussten, dann kennen Sie vielleicht ähnliche Gedanken und Gefühle, wie Hiob sie hatte. Dieselbe Wut, denselben Schrei, derselbe Schmerz. Und da ist vielleicht auch derselbe stumme Himmel. Alles, was der fromme Hiob daraus lernte, war, dass kein Mensch auf dieser Welt ein Recht darauf hat, Kinder zu bekommen, mit seiner Familie zu leben oder glücklich zu sein. Kinder und Glück kann man nicht verdienen. Aber genauso wenig, wie man sie verdienen kann, hat man den eigenen Tod verdient. Kinder bleiben ein Geschenk des Himmels. Ob man das nun gut findet oder nicht. Jeder Gedanke, der einem weismachen will, man habe seine Kinder verdient und sie gehörten einem deshalb selbst, der führt in die Irre und vielleicht sogar zum Irresein oder ins Irrenhaus. Passen Sie gut auf sich auf!


IWELL, IWELL!!
Nix mit Krimi zu tun? Von mir aus.

Aber kriminell ist’s schon.


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10.04.2010

Noch Wein?

Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage. Heute demonstriert uns Carlo ein paar ausgefuchste Dialoge!

Anne-Frauke von Knötterich,

Aphrodite Dengelschwanz,

Beatrice Rotzler,

Brunhilde Delacroix,

Cosima Stalp,

Elke Gandhi,

Ezechiel Rammsauter,

Fred Fickeisen,

Giovanna Käse,

Gisbert Schnuff,

Hans Knall,

Hariolf Beng,

Harry Hass

Hinrich Lall,

Jesus Müller,

Jim Horst,

Karin Kübel-Kisselzwick,

Karl Karst,

Kevin Fotz,

Kurt Gilch,

Lulu Opp,

Markus Obst,

Nulf Not,

Otto Öl,

Sigurd Winsel,

Tabea Most,

Tobias Schmoll,

Tobias Schmutz,

Tom Blech,

Ulf Aasgeier,

Uranus Schnitz,

Wallhalla Musebrot,

Zenit Killmaken,

das sind Namen, die wohltun! Alle will ich sie irgendwann verwendet haben, die kursiv gesetzten befinden sich schon in meinem vielfach nichtbeachteten Werk.

Und nun ein Rätsel: Um was handelt es sich im Folgenden?

„Ich glaube, für heute ist es genug. Darf ich dich noch in meiner Designerküche, die ich mir komischerweise leisten kann, obwohl ich als Kommissar nur A 11 verdiene, sogar zusätzlich an meine Ex und unseren gemeinsamen Sohn, mit dem ich ein nicht unkompliziertes Verhältnis, das jedoch von gegenseitiger Sympathie getragen ist, habe, Unterhalt zahlen muss, zu einem Abendimbiss einladen?“

„Ich, die ich ja ohnehin ein wenig einsam, wiewohl ich mich ja auch um eine Tochter zu kümmern habe, bin, sage, da wir vielleicht bei einem Glas Bordeaux, den du aus deinem ebenfalls (s. o.) rätselhaft teuer bestückten Weinkeller holst, auf neue Ideen bezüglich unseres Falles, in dem wir nicht weiter kommen, auch weil wir von unserem gemeinsamen Vorgesetzten, mit dem du wenigstens kein Problem, da du im Gegensatz zu mir keine Frau bist, hast, an der Verfolgung der Spur, die in die höchsten Kreise unserer Stadt führt, gehindert werden. Ich rufe nur vorher meine Tochter, die Sabina heißt, an.“

„Gut.“

***

„Nun, da wir vor dem von dir doch wiederum recht teuer erworbenen und erstaunlich rasch zubereiteten Lammrücken sitzen und zwei fast leere Weingläser, an denen sich weder Finger- noch Lippenspuren finden, deren Inhalt uns aber schon etwas locker und lustig gemacht hat, vor uns stehen, gebe ich, obwohl mir die Sache dem scheinbar Unverdächtigen, der dann sogar mein Liebhaber war, und sich dann doch als Schuldiger erwies und mich sogar in Lebensgefahr brachte, noch nachgeht, zu, dass ich diesen amerikanischen Psychologen, der uns beiden nicht ganz geheuer ist, attraktiv finde.“

„Ich, der ich dich, wie du weißt, mehr als nur einfach mag, rate ab.“

„Ja.“

„Noch Wein?“

„Gerne.“

„Wie wäre es mit uns?“

„Verrückter Kerl.“

„Schläfst du mit mir?“

„Ja.“

„Ist uns das morgen peinlich?“

„Ja.“

„Noch Wein?“

„Das Telefon klingelt.“

„Es ist Sabina. Sie ist in der Hand des amerikanischen Psychologen. Und meinen Sohn hat er auch. Er will sie missbrauchen, sieden und essen.“

„Verdammt. Wie war das mit dem Wein?“

Also, was ist das? Richtig! Ein deutscher Fernsehkrimi.


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27.03.2010

AMEN? IWWEL!

Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert eigentlich mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage, aber wegen der Osterpausen am nächsten Samstag wollen wir Sie keinesfalls eine Woche länger ohne Carlo-Stoff hängen lassen … Deswegen heute: Amen!!!

Gibt es ihn schon, den Steinzeitkrimi? Bestimmt, aber es soll ja auch die ein oder andere sonstige Krimisparte recht ausgiebig bearbeitet werden, also:

Gork, der mörderische Mammutmann

Gork blinzelte in die aufgehende Sonne und leckte versonnen den Tau von seinem Lieblingsfarn.

In der Höhle schliefen noch alle. Gerührt vernahm er das Keuchen seines Weibchens Brünn, die demnächst mit dem siebten Kind niederkommen würde.

Noch war es warm im Uwuwutal, aber er, mit sechs Händen voller Sommer der Rottenälteste, wusste, dass nun bald die längeren Nächte kommen würden und es höchste Zeit gewesen war, Fleisch für die kalte Zeit zu erjagen.

Zufrieden kratzte er sich ein wenig Mammutblut vom Schenkel, streute die rostbraunen Placken neben sich ins Gras und wartete. Schon bald kam das erwünschte Mäuslein aus dem Unterholz und näherte sich gierig dem Köder. Mammutblut war der beste Mäuseköder der Welt, wäre das Mäuslein nicht gekommen, Gork hätte „IWWEL!“ gerufen. Das war sein Wort für Überraschung, das leider keiner aus der Rotte verstand.

Das Mäuslein schnüffelte begeistert am Trockenblut und bemerkte also nicht die entschlossen niedersausende Faust des Mammutmanns.

Zufrieden fraß Gork das platte Mäuslein, das trotz gebrochenen Rückenmarks an Gorkens Gaumen noch ein wenig bebte, ganz so, wie er das mochte.

Gestärkt erhob er sich, um in der Vorratshöhle nach dem toten Mammut zu schauen.

Als er gerade losgehen wollte, trat Töpp, sein ältester Sohn vor die Rottenhöhle: „GORK MÖMMEL?“

„GORK MÖMMEL MAMMUT!“, antwortete Gork.

„TÖPP GORK MÖMMEL MAMMUT?“, fragte der für seine 15 Jahre leider schon unermesslich fette Töpp.

Gork hatte nichts dagegen, wenn Töpp ihn begleitete.

Schweigend, da nichts denkend, gingen die Männer den kurzen Pfad zur Höhle.

Als sie bei der Höhle angelangt waren, war es Gork, der das Schweigen brach: „IWWEL! IWWEL! IWWEL!“

Das tote Mammut hatte offensichtlich über Nacht Besuch bekommen. Traurig betrachtete Gork die nur allzu vertrauten Spuren des Säbelzahntigers. Irgendwie schwante ihm, freilich, ohne das in Worte fassen zu können, dass es schlauer wäre, Beute zu bewachen – da war er seiner Zeit weit voraus.

Andererseits: Es gab ja noch den fetten Töpp. Mit einem schnellen Keulenhieb tötete Gork seinen Sohn und betrachtet zufrieden dessen gewaltigen Leib. Das sollte schon auch eine Weile für die Rotte reichen. Niemand würde Fragen stellen, das wusste Gork, denn außer Töpp konnte niemand aus der Rotte Fragesätze bilden …

Das könnte natürlich ein Problem bei diesem noch nicht so heftig beackerten Krimiformat sein – nimmt man die Protagonisten ernst, geraten die Geschichten schlicht, nehmen wir einfach moderne Menschen, die Felle tragen, ist’s großer Mist – wenn auch sehr verbreiteter …

Kehren wir dann doch vielleicht lieber in eine – freilich steinzeithaft daherkommende – Gegenwart zurück:

Katholische Nachrichten: „Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat in einem Interview mit der italienischen Zeitung La Stampa schwere Kritik an der deutschen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geübt. ‚Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört einer Art Freimaurer-Vereinigung an, die Pädophilie als Normalität darstellt, die entkriminalisiert werden soll. Also kann sie uns nicht kritisieren. Außerdem hat sie gelogen, indem sie uns diffamiert hat.‘“

IWWEL! IWWEL! IWWEL!

Heißt doch wohl ungefähr:

Sabine Leuchtfeuer-Schnatternatter ise inne Schweinborsteria, wo Bubenpopo halali und … Nix Antivatikano, Amigo! Et atque böseblöd!

Und Papst Benni ergänzt: Ego senilissimus companero sodomistico meo absolvo a omnis prokteriis juvenilis mammutschwanzum meum gewesenixweißmehrissmo.

AMEN.


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20.03.2010


Wieder aus der Serie: Frühwerke, die niemand verlegen wollte!

Dabei sind die Frühwerke gar nicht so schlecht! Zumindest nicht alle!

Folgen Sie CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Regelmäßig alle 14 Tage … Heute: Der Fall des Ezechiel Rammsauter.

Man nennt mich Eule, weil ich eine starke Brille trage und Schlafstörungen habe. Ich bin Detektiv.

Ich lebe ein dummes Leben. Bin geschieden und habe einen psychisch behinderten Kater namens Stalin.

Es ist Montagmorgen. Ich habe mich gewaschen, dem weinenden Stalin ein Beruhigungszäpfchen gegeben und bin auf dem Weg zum Büro.

Ich will eben um die letzte Ecke biegen, als sich vor mir ein fetter Albinohusky aufbaut, an dessen Leine ein unfroher STUDENT baumelt. Ich hasse Hunde. Und Studenten hasse ich auch.

„Der macht Ihnen nichts!“, lügt der milchgesichtige Kandidat über die Bestie hinweg.

„Das hoffe ich sehr“, entgegne ich kühl. „Nehmen Sie das Tier weg, es ist mir ernst, ich muss ins Büro.“

„Ja, dann kennen Sie sich hier aus?“, freut er sich. „Ich suche die Detektei Orpheus …“

„Es gibt hier keine Detektei Orpheus.“

„Das ist seltsam“, meint der Knabe.

Ich gehe schnell weg. Ich bin sozusagen die „Detektei Orpheus“, und ich bin so gut wie pleite, aber ich will keinen Studenten mit Hund.

„Du bist spät dran.“ Mein dicker Partner Schmoll beißt traurig in einen Fleischwurstring.

„Ich wurde aufgehalten“, entgegne ich schneidig. „Du bist fett, Schmoll.“

„Das ist wahr.“

Ich setze mich an meinen Schreibtisch. Mein Schreibtisch ist leer. Schmoll reicht mir ein Papier:

DIE HERREN DETEKTIVE!

ICH SCHICKE IHNEN HEUTE EINEN BOTEN! EINEN JUNGEN MANN, DER WIE ICH IN UNFASSBAR GROßER GEFAHR SCHWEBT! ER WIRD MEINEN WEIßEN HUSKI „SAUL“ ALS SCHUTZ UND ZEICHEN MIT SICH FÜHREN! DIESE NACHRICHT IST FÜR DEN FALL, DASS ER SIE NICHT ERREICHT! RUFEN SIE MICH DANN NICHT AN! FINDEN SIE MICH EINFACH, SONST IST ALLES AUS! ICH ZAHLE GUT!

„Ziemlich wirr, was? Hunger, Eule? Brezel?“

Ich wehre ab.

„Und so unglaublich heftig formatiert, als wenn das jemand geschrieben hat, der immer schreit. Außerdem, wie sollen wir den Arsch anrufen …“ Ich entdecke in diesem Schreiben viele Fehler.

„Wir sollen ihn ja eben nicht anrufen, das heißt, wenn nichts passiert, kommt der Knabe, aber dann braucht man nicht diesen Zettel. Wenn etwas passiert, soll man ihn finden. Wen? Den Buben? Den Hund? Ja. Bestimmt den Hund …“

„Demnach hätte der Hund den Zettel geschrieben“, führe ich Schmolls Gedanken zu Ende. Er zuckt mit den Schultern. Jetzt isst er Gummibärchen.

Ich schaue aus dem Fenster und fühle eine gewisse Melancholie. So viel Glück habe ich nicht, da sind keine zwei Knäblein mit Huskys im selben Viertel unterwegs. Ich sage vernehmlich: „Scheiße.“

„Warum, Eule?“

Müde gestehe ich mein geschäftsschädigendes Verhalten.

„Das hast du prima gemacht, Eule, er hätte ja unser Wartezimmer entjungfern können.“

Ein Leichenwagen fährt vorbei. Hinterher trottet ein Husky. Ich flüstere: „Saul …“

„Wie es aussieht“, sagt Schmoll und isst ein rohes Ei mit der Schale, „hätten wir einen großen Fall gehabt.“

Und was macht Eule, die weise große Eule? Schickt den Fall weg, weil der Fall einen Hund hat.

Ich fühle mich schlecht, aber wir haben noch eine Chance: Werner Wein anrufen.

Mein Freund Werner Wein ist Polizist und hat bei mir Ehrenschulden. Er wird uns helfen.

„Ich rufe jetzt Werner Wein an“, sage ich also dem beeindruckten Schmoll.

Einige Minuten später schaue ich auf einen vollgekritzelten Zettel:

– Name: Bernd Wohlenberg

– Beruf: Theologiestudent im 19. Semester

Und: Der Husky gehört laut Steuermarke dem Gemeindepfarrer von Haselsberg-Holdhausen, Herrn Ezechiel Rammsauter. Den Rest kann ich nicht lesen.

Ich nehme die Straßenbahnlinie 1, um mit Herrn Pfarrer Ezechiel Rammsauter KONTAKT aufzunehmen.

Vom Haus ist kaum etwas zu sehen, eine offensichtlich nachträglich errichtete Mauer und das rostige schmucklose Eisentor, vor dem ich jetzt stehe, schirmen es gegen die Straße ab. Ich klingle. Lange Zeit passiert gar nichts.

Schließlich höre ich tapsende Schritte, ein scheppernder Schlüsselbund wird bewegt. Mehrere Versuche, die Tür zu öffnen, schlagen fehl. Ich höre eine raue Stimme verhalten fluchen. Schließlich klappt es, die Tür wird mühsam über den Asphalt geschleift, eine Handbreit geöffnet. Ein einziges, blutunterlaufenes Auge stiert mich an: „Es ist keine Sprechstunde.“

„Pfarrer Rammsauter?“

„Sehe ich aus wie die Sekretärin?“

„Ich weiß nicht“, bleibe ich höflich, „ich sehe Sie nicht. Sie stehen hinter einem Eisentor.“

„Das tue ich, GOTT SEI DANK! Wer sind Sie?“

„Detektei Orpheus, man nennt mich Eule …“

„Wo ist Wohlenberg?“

„Darüber wollte ich mit Ihnen reden …“

„UND WIR REDEN JA AUCH!“

„Ich fürchte, er ist tot.“

Rammsauter lässt mich ein. Schweigend eilt er mir voraus, ein altes, schönes Fachwerkanwesen, von einem wilden Garten umgeben. Der Pfarrer trägt einen zu weiten, abgewetzten, schwarzen Anzug und schlammbespritzte schwarze Halbschuhe. Sein wirrer Schopf wird von mürrischen Frühlingswinden zerzaust. Sein Gesicht sehe ich erst, nachdem wir sein karg möbliertes Haus durcheilt haben – es fällt mir schwer, seinen riesigen Schritten zu folgen – und uns nach hastigem Aufstieg über eine knarrende Wendeltreppe in seinem düsteren Arbeitszimmer gegenübersitzen. Schartige Züge, umrahmt und teilweise verdeckt von einem furiosen Bart. Ganz zuletzt erst fällt mir die altmodische schwarze Hornbrille auf, so gewaltig ist der Blick seiner giftgrünen Augen.

Rammsauter greift wütend in seine Schreibtischschublade und fördert eine warme Flasche Weißwein zutage.

Mehrere riesige Schlucke gehen dahin, dann setzt er ab und stiert mich hasserfüllt an:

„Schon mal was von Satanismus gehört? Ich meine richtigem Satanismus, ORGANISIERTEM Satanismus?“

„Hören Sie, Herr Rammsauter …“

„BRUDER RAMMSAUTER!“ Er wirft mir die Flasche zu, eine der preiswerten Sorte mit Schraubverschluss. „Wir sind jetzt per Du.“

Ich nehme einen Schluck und werde sofort betrunken. Hat er etwas hinein gemischt? Ich habe Angst. Ich werde bewusstlos.

Ich verspüre einen schrecklichen Kopfschmerz, schlage die Augen auf. Ich liege in einer düsteren, neogotischen Halle auf einem klammen Feldbett. Die Wände sind mit dunklem Holz getäfelt. Ein schmaler Streifen weiß getünchter Wand ergänzt die Räume zu ihrer vollen Höhe. Dort sind Bretter lieblos hingenagelt auf denen Tierpräparate sitzen. Ich erkenne ein Wiesel, eine Eule(!), einen Adler und ein scheinbar schlafendes Ferkel. Es ist Nacht, die Fenster sind in wüste Schwärze getaucht.

„Es tut mir sehr leid“, wogt eine Stimme aus dem Dunkel. „Ich versetze mir den Wein STETS hälftig mit Klarem …“

„Wa… Warum?“ meine Stimme klingt matt.

„Weil ‚stets' rückwärts und vorwärts gelesen GLEICH ist! Und also ist alles eins.“

Mühsam erhebe ich mich von meiner Pritsche: „Ist das dein Wohnzimmer, Rammsauter? Sitzt du hier mit deiner Frau? Welche Art Leben ist das hier?“

„Ich habe keine Frau“, stößt der Pfarrer fast singend hervor und erzählt: „Ich heiße Ezechiel Rammsauter und bin 47 Jahre alt. Geboren wurde ich als Sohn eines EVANGELISCHEN Missionars auf den Tonga Islands. Meine Mutter starb im Wochenbett, als habe mein Leib sie vergiftet. Ich habe keine Geschwister. Als ich 7 Jahre alt war, wurde mein Vater im Zuge einer SCHOLASTISCHEN Diskussion mit einem Fisch erschlagen. Der Täter wurde nie gefasst, ja nicht einmal der Fisch wurde gefunden, man fand nur ein paar Gräten und den Schwanz.

Einsam durchlitt ich meine Jugend. Als ich die Studienreife erlangt hatte, nahm ich den nächsten Flug nach Deutschland und begann Theologie zu studieren.

Ich war ein Gefangener dieser Insel gewesen, aber festzustellen, dass die Freiheit den Menschen allenfalls zum zufälligen Verschwenden seiner ZUM WUCHERN BESTIMMTEN Pfunde in den Stand setzt, war schlimmer, als alles Erlebte. Aber dann trat sie in mein Leben. Sie war feurig, begabt und von einem ungeheuer sinnlichen Zugriff aufs Evangelium. Beate. Beate. Meine spätere Frau. Sie lehrte mich verzeihen, Geduld und Demut. Ich zeigte ihr das Licht, die Finsternis, den Zorn.

Nach unserer Hochzeit und unseren Examina übernahmen wir eine Gemeinde in New York. Niemand wollte es dort aushalten. Schmutz, Drogen, Notzucht und Mord. Am Tage unseres Einzugs peitschten die MG-Garben über unsere Häupter und in der ersten Nacht warfen die Ratten ihren Unrat nach uns. Aber wir fürchteten uns nicht. Noch nicht. Eines Nachts geschah es: Eines der sagenumwobenen weißen Krokodile, die in der New Yorker Kanalisation blind und elend vegetieren, wagte sich an die Oberfläche und drang in meine Kirche ein, wo Beate und ich gerade im Gebet wetteiferten. Und es fraß meine Frau, obwohl ich mich schreiend an ihrer Statt anpries.

Ich kehrte zurück und übernahm diese Gemeinde. Ich gründete einen Gesprächskreis für junge Menschen, der regen Zulauf erfuhr. Sollte ich Frieden gefunden haben? Plötzlich aber wandten sich immer mehr junge Menschen von unserem Kreis ab. Nur sechs blieben übrig.

Da erschien mir letzte Nacht im Traum das weiße Krokodil und sagte, was ich längst wusste …“

Rammsauter macht eine Kunstpause und schaut mich schauerlich an.

„W… was“, frage ich schmerzensblind.

„Satanismus. Eine, wenn nicht die Geisel unserer Zeit. Geheimorganisationen, unvorstellbar weit verästelt. Katakomben. Leichenberge. Der Antichrist.“

„Ich weiß nicht …“

„ES GENÜGT, DASS ICH WEIß! ICH WEIß DOCH, WAS ICH GLAUBE!!“

Ich ziehe es vor zu schweigen.

„Es ist bekannt“, fährt Rammsaure fort, „dass gerade die Polizei von diesen Finsterlingen durchseucht ist, dass die Telefone abgehört werden. Also habe ich einen zuverlässigsten Knaben losgeschickt … den Rest weißt du.“

Er schweigt.

„Wo ist dein Hund?“, flüstere ich.

„Tot. Er hat sich noch nach Hause geschleppt, im Garten brach er zusammen. Er hatte Aids.“

Ich bitte Rammsauter, Schmoll anzurufen. Ich brauche jetzt meinen Partner.

„Ich, mampf – mampf, sehe also richtig, dass Ihr einziger Beweis, Herr Pfarrer, ein geträumtes weißes Riesenkrokodil ist.“

„Und der Tod des Jungen?“

„Wir könnten die restlichen fünf dieses Gesprächskreises ja immerhin mal verhören“, schlage ich vor. Schmoll wiegt nachdenklich das Haupt.

„Ich werde Euch mit GOLD vollstopfen, so ist das nicht!“, heult Rammsauter auf.

„Na ja“, sage ich, „aber viel haben wir nicht in der Hand.“

Rammsauter hebt beschwörend die Rechte und zeigt uns seine Handfläche. Sie ist durchbohrt.

„Das ist wenig. DAS IST ALLES!“

„Er trägt Stigmata“, flüstere ich beeindruckt.

„Soll doch jeder rumlaufen wie er will“, wiegelt mein Partner ab, „aber gut, versuchen wir’s.“

Spät nachts sitze ich in einem Wohnzimmer und telefoniere mit Schmoll. Draußen stürzt Wasser aus den Wolken. Ich bin verwirrt. Und ich bin angriffslustig:

„Wir müssen uns die fünf Übrigen rannehmen“, sage ich. „Es ist wichtig, RASCH Licht ins Dunkel zu bringen … zupacken …“

Wenn man mit Schmoll telefoniert, redet und denkt man ständig gegen eine höchst enervierende Geräuschkulisse aus Mampfen, Lutschen, seltener Kauen und Beißen an.

„Worauf willst du hinaus“, schmatzt Schmoll dazwischen. „Noch ist nicht bewiesen, dass der Pfarrer nicht irr ist.“

„Schon möglich, das heißt, wahrscheinlich ist er irr. Aber der Mord an diesem Wohlenberg bleibt …“

Schmoll gibt einen zustimmenden Summlaut von sich.

„Wir hätten gleich vorhin eine Namensliste aufnehmen sollen“, bereue ich dann, „wir hätten Zeit gewonnen …“

„Es eilt sicher“, meint Schmoll, „aber so sehr eilt es dann auch wieder nicht.“

Ich hänge ein. Ohne, dass ich es benennen kann, beginnt die Gnade des Glaubens ihr zauberisches Werk in mir. Die Frage ist nur, an WAS ich neuerdings glaube. Das Gefühl ist eine irgendwie brandige Aufgeregtheit hinter dem Brustbein, die seltsam hoffnungslos und getrost zugleich stimmt. Ich verfalle Rammsauter.


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06.03.2010


Die Kä(ß)seglocke

Folgen Sie CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Regelmäßig alle 14 Tage … Heute begibt er sich auf die Sinnsuche.

Olympische Nachlese – selbst Erlittenes – und einmal mehr: Zauberer Alkohol – ist da ein verborgner Sinn in allem? Und was machen wir mit Käseglocke, Spargelpulver und Innovation? Mal sehen.

Auf der Terrasse gedachte ich eben noch, ein Verb zu erfinden: „überglocken“.

Gut, dass ich es nicht gemacht habe.

„Überglocken“ ist mir zweifellos aus dem hintergründigen bis unbewussten/vergessenen Wissen um die Gerätschaft „Käseglocke“ gekommen.

Gibt es eigentlich noch Käseglocken?

Wenn ja, wo?

Wenn nein, warum nicht?

Unlängst las ich in einem ehedem linksradikalen Buchladen – wie in diesen Kreisen üblich natürlich ohne Vertrag. Das mündlich vereinbarte Honorar entfiel, da der Veranstalter, wie er mir telefonisch mitteilte, davon ausgegangen war, ich läse „für umme“.

Er würde aber gerne auf seine Kosten mit mir saufen und essen, dann irgendwann. (Was übrigens teurer käme, als das lächerlich geringe offensichtlich nicht-vereinbarte Honorar.)

Die deutsche Oberbischöfin Käßmann ist zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Zeilen ganz frisch beim betrunkenen Autofahren erwischt worden.

Google-News meldet stündlich steigende Promillewerte.

Drei Varianten, was in den nächsten zehn Tagen, bis zum Erscheinen meiner heutigen Zeilen geschieht:

1. Nichts.

2. Rücktritt nach erheblichem Aufruhr bis in höchste Kreise der Politik.

3. BILD: Hannover geschockt: Enki tot, Käßi blau.

Bei meiner kostenlosen Lesung wurden zwei Töpfe Gulaschsuppe mit dem Taxi angeliefert – bzw. mit zwei Taxis.

„Überglocken“ ist mir wegen Käseglocke gekommen, Käseglocke wegen Käßmann, und da waren es eben die (Stand 11.58 Uhr) 1,54 Promille, die den Leser fesseln.

Promille spielten dann auch bei meiner kostenlosen Lesung eine Rolle, da der kreative Veranstalter vor die Taxisuppen noch eine Weinprobe geschaltet hatte.

Die sie durchführende Dame, im C&A-Blazer etwas abständig (und zwar positiv) großenteils verfallenen 68er Gelump im Raum, spulte souverän ihr Verkostungsprogramm ab, gespickt mit Scherzen, die als Zielgruppe eher den Odenwälder Mittelständler in käßmännischer Stimmung anpeilten.

Das Volk nahm’s gelassen, schwätzte dazwischen, trank.

Curling, so fällt mir gerade auf, ist der letzte Sport, in dem ich noch ganz normal Olympiasieger werden könnte. Auch, weil im Curling ein heiterer, ja kindlich-froher Umgangston den Stress des Wettkampfes mildert – mit irgendwelchen seelenlosen Kampfmaschinen, ostdeutschen Bobtitanen gar, käme ich menschlich nicht hin.

Hingegen der deutsche Curling-Kapitän, über das ihm an den Hosenbund montierte, indiskrete Mikro, nach einer Niederlage gegen – was weiß ich: Usbekistan – deutlich zu vernehmen:

„Ich geh’ jetzt mal aufs Klöchen!“

Wo so ein zart zagend Miteinander ist, da griff’ auch ich zu gern nach Lorbeer vom Olymp!

Zumal Curling, das lehrt Wikipedia, aus seiner schottischen Genese die schöne Sitte bewahrt hat, dass die siegreiche Mannschaft der unterlegenen einen Drink spendiert.

Auf meiner kostenlosen Lesung, die dank Weinprobe und Taxisuppen erst gegen 21 Uhr begann, saß ich ab 19 Uhr an einem roten Campingtischchen – quasi zur Schau gestellt – vor der zunehmend pappsatt erschöpften und gleichwohl geselligen Zuhörerschaft. Da war mir zwischendurch ein bisschen langweilig und ich griff wahllos in ein Bücherregal zu meiner Rechten. Zufallstreffer:

„Haben die Surrealisten die Twin-Towers gesprengt?“

Ich würd’ mal sagen: Nö.

1,5 Promille ist schon ganz knackig – bei einer ja keineswegs dicken Person, wie der bedrängten Hirtin, und ihrer weiblich-zarten Leber kann man von drei Herrinnengedecken (Pils plus Kurzer) ausgehen, wenn nicht einem Liter Abendmahlsschoppen. Sie sei über sich selbst „erschrocken“, ließ Bischöfin Käßmann in einer ersten Stellungnahme verbreiten.

Er wiederum sei himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, ließ Georg „Schorsch“ Hackl („Rodellegende“) wissen.

Der totgerodelte Georgier stimmt natürlich düster, aber Gold für Deutschland reißt es wieder raus.

Wo steht eigentlich, dass man auf so einem Curlingstein nicht sitzend mitgleiten darf?

Und also fügt sich alles? Hackl, Käßmann, der Suppenbuchkasper und ich werden ein Curlingteam!

Hackl rodelt die Steine an den gewünschten Ort, mein Veranstalter klaut die der Gegner, Käßi und ich spendieren und lassen spendieren!

Ich fürchte, das reicht nicht.

Denn: Man müsse innovativ sein. Man könne das „Radel“ nicht immer neu erfinden, aber man müsse ...“, hier rang er um Worte, der erfahrene deutsche Biathlet im ARD-Porträt und sagte dann: „... halt innovativ sein!“

Seine blutjunge, recht eingeschüchterte Freundin ergänzte: Er sei anstrengend, er fordere viel, aber er tue ihr damit gut.

Dann absolvierten beide den ersten Gleitschirmflug ihres Lebens, um den es war in Sachen Innovation gegangen.

Man kriegt halt doch nicht alles zusammen und auch sie steht zum Zeichen meines Scheiterns allein am Schluss: Die Käseglocke.

PS: „In der ayurvedischen Medizin ist Spargelpulver schon lange DIE Potenzhoffnung: einfach in Milch auflösen und einen Monat lang trinken.“ Bild-Online, du bist mir über.


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20.02.2010


Verschwörungen überall

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage … Heute geht es um zwei Schicksalsfragen der Menschheit: Paranoia & Dummheit.

Bilde ich mir es nur ein, oder weht uns der Zeitgeist eine anwachsende Zahl von Verschwörungstheoretikern vor die Füße? Es ist doch etwas salonfähiger geworden, auch jenseits radikaler Positionen, besser gesagt: diesseits, finstere Ränke zu vermuten? Ja, es gab so was immer, aber zwischendurch war es etwas weniger geworden. Möglicherweise nach dem Mauerfall setzte ein gewisses Vertrauen in so etwas wie Wahrheit ein – das musste schief gehen. Aber muss es dann auch gleich wieder in so düsteren Dialektikabusus geraten?

Also: Die Amerikaner haben die Twin-Towers selbst in die Luft gejagt, um Grund für Kriege zu haben und einem bis dato schlagflüssig dahindämmernden Präsidentendepp eine Beschäftigung zu geben? Man muss sie nicht alle lieben, den Letzterwähnten gleich gar nicht, um die offizielle Version für doch um ein Vielfaches wahrscheinlicher zu halten. Mögen wir nicht alles wissen – im Groben wissen wir schon –, dass da ein paar parfümierte Herren mit Teppichmessern unterwegs waren.

Es fällt mir weiter auf, dass mittlerweile auch ursprünglich für zurechnungsfähig gehaltene Zeitgenossen aus dem Bekanntenkreis (nicht Freundeskreis) schon auch mal wieder laut darüber nachdenken, dass die Juden doch immer und überall unbeliebt waren, dass sie ja gerade so im Finanzsektor … Finanzkrise … Wer da wohl die Finger im Spiel hat, und ob der wohl Kirchensteuer zahlt? Nicht wahr, man meint ja nur!

So weit so widerlich.

Und selbst gehört und doch sehr dumm: Deutschland hat deshalb kein Tempolimit, weil die Politik so dem Bürger eine Triebabfuhr spendiert, ohne diese er längst auf die Barrikaden ginge.

Aber klar doch, wenn irgendwelche Geschwindigkeitswichser ausgebremst würden, brächten sie endlich massenhaft zum Ausdruck, dass die leeren Rentenkassen noch gar nix mit Überalterung zu tun haben, weil nämlich derzeit die geburtenstarken Jahrgänge am Schaffen und Zahlen sind, dass Sozialabbau wunderbar gelingt, wenn man den Leuten nur genug Angst macht. Unsere Potenzpiloten sind einfach zu entspannt nach ihrer Raserei, um sich in den politischen Diskurs zu mengen.

Wir wollen anscheinend alles glauben, nur nicht das, was wir tagtäglich erleben: dass die wahre Weltmacht DUMMHEIT heißt und allüberall quillt und gedeiht. Es sei deutlich gesagt: Auch unter meiner darob schmerzhaft bedrückten Schädeldecke.

Wir denken immer noch, eine planvolle, finstere Bosheit sei am Werk, wo doch einfach nichts am Werk ist, einfach blödes Zeug passiert. Deppen hochgespült werden und deppige Maßnahmen ergreifen, um oben zu bleiben.

In Heidelberg gibt es einen zentral gelegenen Platz, benannt nach dem großen Bismarck. Um ihn zu überqueren, braucht man zehn Minuten, nicht weil auch er groß wäre, sondern weil man sein Leben schnell dahingeben kann, wenn man auch nur eine der geschätzten fünfzehn verschiedenen Bus- und Bahnlinien, die ihn leider ebenfalls pausenlos überqueren, übersähe.

Der Platz war im Mittelalter ein Hafenbecken, schon das hat scheinbar nicht funktioniert. Man schüttete auf, legte trocken, siehe da, die Straßen fluchteten nicht – seitdem baut man ihn um. Und es ist also über Hunderte von Jahren noch nicht einmal gelungen, in einer nicht allzu großen Stadt eine ebene Fläche überquerbar zu machen.

Mir fiele beim besten Willen nicht ein, welchen Nutzen Freimaurer, Juden, weitere übliche Verdächtige aus diesem Mist ziehen wollten.

Wiewohl! Die Tatsache, dass etwas keinen vordergründigen Sinn hat, ist natürlich für den Schurken die beste Tarnung! Beim Bismarckplatz kriege ich es nicht hin, aber wie wäre das?

Der Vatikan ist gar nicht katholisch! Sicher, je eben, ja, siehe oben, die Tarnung ist scheinbar perfekt: Es riecht nach Inkontinenzwindeln und heimlich gekipptem Cognac, die umherirrenden Kasparen verkünden schlimmes Zeug, der ein oder andere Ministrant büßt die Fähigkeit schmerzfrei zu sitzen ein – aber Kohle machen die Herren, denen man mehrheitlich nicht mehr zutraute, einem Automaten einen Fahrschein zu entlocken – Kohle machen die Herren satt.

Was ist passiert? Schon vor dem zweiten Weltkrieg haben Juden den Vatikan unterwandert! Jawohl! Ratzinger soll ja laut Biografie im dann (von Russland und Polen und Belgien eigentlich begonnenen) Weltenbrand gekämpft haben. Sieht dieser faselnde Geißbock denn aus wie einer, der eine Knarre bedienen kann? Eben. ER WURDE AUSGETAUSCHT! Der echte Ratzinger ruht auf dem Grunde eines masurischen Sees! Stattdessen zieht ein greiser Agent des Mossad die römischen Strippen!

Beweise? Die verräterische Ausfälligkeit Benediktens gegen Moslems, kurz nach Amtsantritt, die auffällige Annäherung bereits seines kartoffelköpfigen Vorgängers an die offiziellen Juden sowie die Schweinegrippe, denn, gerade weil die Schweinegrippe so an sich nichts mit dem Vatikan zu tun hat – wobei, oho!

Ich glaube tatsächlich, dass die Schweinegrippe eine von der Pharmaindustrie gehypte Sache zum Zwecke großen Geldmachens ist. Mithin bin ich also auch Verschwörungstheoretiker. Scheiße. (ABER: Klosterfrau Melissengeist – klingelt’s da nicht? Jaja, altes Heilmittel bei GRIPPE! Muss man mehr erklären? KLOSTERfrau!)

Geht schon so Richtung Kollege D. Brown.

Also wer schreibt den Scheiß? Ich habe keine Lust.

Lieber überlege ich, ob Öttinger sich in Brüssel weiland deshalb besoffen hat, hierbei eine Spaßbrille aus Tee-Eiern trug, weil er EU-Kommissar werden wollte! Und wusste – so gänzlich ohne Ausstrahlung, Wissen und Geisteskräfte – er würde das nur werden, wenn er der gestrengen Preußin in Berlin einfach zu widerlich würde.

Ich bin mir fast sicher, dass Sigmar Gabriel eigentlich ein zur Askese neigender Mensch mit niedrigem Grundumsatz ist und spachteln kann wie ein Eber, ohne zuzunehmen – aber er hat früh gespürt, dass seine Zeit kommen wird, dass seine Partei irgendwann, nach den Jahren unter Zuchtknuten sehniger Feldwebel, einen Knuddelkurt an der Spitze braucht, eine Art großes Kuscheltier, zu dem es die Menschen hinzieht: um ihn in die Backen zu zwicken, ihn an den drallen Ohrlöffeln zu ziehen, ihn liebevoll zu pieksen und dann, vor lauter Behaglichkeit, ihn zu wählen. Sigmar Gabriel besteht zu fünfzig Prozent aus Botox.

Ich weiß allerdings, dass wir, besser gesagt unsere amerikanischen Kumpels, auf dem Mond waren. Warum? Wenn nicht, hätte einer ausgepackt, ganz bestimmt. Bei der Fülle von Alkoholikern, ausgebrannten Figuren, Scheidungsleichen, die solch ein Vertuschungsprojekt notwendigerweise erzeugte, ist eine solche Lügendisziplin schlicht nicht zu erwarten. Das wäre ja so, als wären Krimiautoren in Wirklichkeit ein frustrierter Haufen, der es leid ist, nicht ernst genommen zu werden, dubiosen Nachwuchs aus Volkshochschulkursen abzuwehren, von Lektoren und Verlagen ausgenutzt und vom Feuilleton verachtet zu werden. Wäre das so, würde doch bestimmt mal einer von den vielen Alkoholikern, ausgebrannten Figuren, Scheidungsleichen, die sich im Geschäft tummeln, auf den Tisch hauen. Macht aber keiner.

Also. Krimiautoren sind fröhliche, schlichte Schreibgemüter, Heißa!

Obwohl: Es gibt da ein Foto von der ersten Mondlandung, wenn man da die rechte untere Ecke stark vergrößert und dann röntgt, sieht man die Ahnung eines Schweizer Gardisten. Und der hat die Hose offen. Man sieht, dass er beschnitten ist! Manche Experten meinen, es könne sich um Urs Salommon handeln, einem Juden Schweizer Herkunft, der (offiziell!) zwar beim Skifahren ums Leben kam, sicher aber mit seinem Bruder Beat davor (und wer weiß? Auch danach?) das Alphornduo „Magic Twins“ bildete.

Twins!

Obacht!



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06.02.2010


Humbadumpfballera

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert regelmäßig alle 14 Tage … Heute beschäftigt er sich mit letzten Dingen, also mit der Frage: Was ist ein Krimi?

Als mein Sohn noch klein war, war wohl irgendwas Neuronales noch nicht hundertprozentig verknotet – jedenfalls konnte man ihn auch dann ansprechen, wenn er schlief und erhielt so manche interessante Antwort. Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht, denn ich bin immer vor ihm im Bett und es empfiehlt sich nicht, den sportlichen Einsneunziger morgens vor 16 Uhr in seiner Kemenate aufzusuchen, man könnte ihn versehentlich wecken und erlitte dann das Schicksal von Roy, dem von Siegfried und Roy, dem der weiße Tiger ins Hirn gebissen hat.

In jenen fernen Zeiten, als ich noch stärker war, fragte ich ihn einmal: „Kennst du den Sinn des Lebens?“

Der schlafende Sechsjährige nickte.

„Wie lautet er?“

„Awelligll-löff-löff-grunz.“

Es wäre auch ein bisschen einfach gewesen.

Was hätte er wohl geantwortet, hätte ich ihn gefragt: „Was ist ein Krimi?“

Vermutlich: „Humbadumpfballera.“

Und hätte damit, als Kommentar zur Frage, vollkommen recht gehabt. Wir wissen ja bei vielem nicht, was es ist, und kommen mit den schwammigen Begriffen dennoch klar: Wir wissen beispielsweise nicht genau, wann ein sprachliches Agieren anfängt, ein Gespräch zu sein. Die strenge Definition wäre: Wenn einer redet und jemand hört zu.

Mithin wäre das Kommando: „Feuer!“ im Rahmen einer Exekution ein Gespräch.

Etwas weiter gefasst: Einer sagt was, jemand antwortet:

„Arschloch!“ – „Wichser!“

Oder auch: „Zahlen, bitte!“ – „Ja.“

Stellt irgendwie auch nicht so ganz zufrieden.

Wir wissen weiterhin nicht, was ein Text ist. Ab zwei Sätzen?

Dann wäre dieses sprachliche Gebilde, das Sie gerade lesen, da es nur aus einem Satz besteht und freilich neben seiner selbstreferenziellen Daseinsberechtigung auch noch darüber belehrt, dass wir noch nicht einmal wissen, wie Papst Benedikt in den Ruf des scharfsinnigen Intellektuellen gelangt ist, der er doch eher wie ein seniler bayrischer Dorffriseur rüberkommt und leider auch agiert, kein Text.

Die radikale Gegenposition, wäre: Alles ist Text. So wir keine in die Jahre gekommene, eitle französische Philosophielaffen oder deren alberne deutsche Kostgänger sind, bleibt das auch dünn.

(Und wie ist eigentlich Günther Öttinger überhaupt irgendwas geworden? Und Guido?)

In Sachen Krimi ist es halt leider grade so verworren.

Muss in einer Geschichte ein Verbrechen geschehen, einfach irgendeines, damit wir sie als Krimi lesen? Mir fällt auf Anhieb kaum ein Buch ein, in dem so gar nichts Ungesetzliches geschieht. Zumindest die Granden der deutschen Gegenwartsliteratur zählten samt und sonders zumindest mit einzelnen Titeln ihres Lebenswerks zu uns Krimiautoren, könnten, ja müssten in die Krimischreibervereinigung Syndikat eintreten, ihren Jahresbeitrag „in kleinen, nicht nummerierten Scheinen“ entrichten … Stopp, stopp, von des deutschen Krimischreibers humoriger Selbstkastration hatten wir es ja schon mal.

Ist’s Krimi ab Mord? Wohl kaum. Ein Buch, das sich mit der mühseligen Ermittlung einer Münzfälscherbande abarbeitete, wäre dann keiner. Grassens Im Krebsgang aber sehr wohl.

Braucht es einen Ermittler? Wenn überhaupt, so spielen ermittelnde Figuren in Patricia Highsmiths Ripleyromanen eine denkbar subalterne, verzichtbare Rolle. Auch bei Agatha Christies Last Weekend wird nix ermittelt, aber alles umgebracht. Und es gibt noch mehr Beispiele, aber ich habe jetzt eigentlich keine Lust mehr, welche zu suchen.

Es bleibt wohl bei: Humbadumpfballera. Oder aber raffiniert, ja talmudisch: Ein Krimi ist ein Buch, auf dem Krimi steht, weswegen es dann auch gekauft wird, und deshalb steht Krimi drauf.

Ach, wie schön wäre die Welt, gäbe es neben der Etikettierung „Krimi“ eine noch abwertendere, die da hieße: „Rauni“. (Für die Doofen: Für alles was raunend, tiefgängerisch und wolkig daherkommt.)

Peter Handke legt mit seinem neuen Buch Serbisches Requiem einen soliden Rauni vor, wie ihn seine Fans lieben – nichts wirklich Neues, aber das, was er kann!

Ein Altmeister des ausgefeilten Raunis, Siegfried Lenz, meldet sich nochmals zu Wort – unterhaltsam, kultiviert – eben beste Unterhaltung!

In seinem Kurzkrimi Kinder und Wölfe gerät Carlo Schäfer ein ums andere Mal in die Gefahr ins Trivialgenre Rauni abzugleiten …

Alles in Allem: Feuchtgebiete eröffnet dem Rauni eine neue Dimension, man möchte fast sagen, versöhnt zwei – freilich reichlich triviale Genres: Den Rauni und den Schweini!

Bliebe jetzt, um die Sache rund zu machen, noch irgendwas Literarisches, um auch noch „Poldi“ unterzubringen?

Mir fällt momentan nichts Rechtes ein, es sei denn wir verständigten uns, dass „Poldi“, die eher putzige Form des literarischen Verrisses darstellte. Also nicht die Tiraden des greisen R.-R., sondern was eher Niedliches, dem dann auch phonologisch entgegengekommen sei, weg mit dem harten [t] in „poltern“, hin zu – eben „Poldi“:

„…Für die Grammatikfehler (der Genitiv war öfter dem Dativ sein Tod) mache ich den Lektor verantwortlich, er hätte sie zumindest bemerken und korrigieren müssen. Wie es dieser talentlose Autor geschafft hat, mehrere Bücher verlegen zu lassen (bis hin zu Sonderausgaben) und diese auch noch zu verkaufen, ist mir ein Rätsel. Ein quälend langweiliger sog. deutscher Kriminalroman. Das muss man nun wirklich nicht lesen.“


„Da ich in der Nähe von Heidelberg wohne, fand ich es reizvoll in diesem Buch bekannte Orte wieder zu finden. Soweit kam es aber gar nicht, da der Schreibstil des Autors unerträglich ist. Es liest sich einfach nicht flüssig, man stolpert immer wieder über merkwürdige Stellen. Das kann bei experimenteller Literatur interessant sein, aber in Krimis lenkt es von der Handlung ab, stört einfach nur und ist ärgerlich…“


„…Leider schafft es der Autor nicht, die nötige Tiefe zu erreichen, um seine gesteckten Ziele glaubwürdig zu erreichen. Bei vielen Passagen fragt sich der Leser, was sie sollen. Warum z.B. beschreibt der Autor, wie die deutsche Jungstaatsanwältin mit türkischen Eltern, die natürlich stets mit Vorurteilen zu kämpfen hat, beim Masturbieren im Wohnzimmer von dem jungen Mädchen 'erwischt' wird, deren Mutter Alkoholikerin ist und um die sich sich die Staatsanwältin daher kümmert ... ? Peinlich.“

Doch, doch, mal mindestens diese drei (scheu in ihrer originalen Diktion und Orthographie belassenen) Amazonrezensionen meines Erstlings Im falschen Licht zwingen ihn geradezu mäeutisch ans Licht: den Poldi.

Und dass diese ganzen i-endenden Wörter eklig sind, darüber müssen wir uns ja gar nicht verständigen. Der Sportreporter Jürgen Ehmig nannte einst das deutsche Tischtennisdoppel Rosskopf und Fetzner „Speedy“ und „Rossi“. Jetzt ist er im Knast. Recht so.

Zum Schluss was Schönes:

Ein dicker Mann sieht mir zu, wie ich an der Bushaltestelle ein Brötchen esse. Er sagt: „Guten Appetit!“ Ich danke.

Er betrachtet mein Brötchen und sagt: „Man braucht’s halt manchmal für den seelischen Ausgleich.“

Ich liebe ihn.



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23.01.2010


Frühwerke

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage … Heute bekommen wir einen erschütternden Einblick in eine seiner früheren Schaffensperioden.

Neue Serie: Frühwerke, die niemand verlegen wollte! Dabei sind die Frühwerke gar nicht so schlecht! Zumindest nicht alle! Ein Beispiel? Aber gern:

I. Aus meinem Roman: „Captain DJ“:

»[…] In der Dusche befühle ich hasserfüllt meinen abgelebten Körper. Nein, die große Party ist das nicht, dieses Leben. Es ist mir egal. Ich bin Radiocop, kein Job für Menschen mit Gefühlen.

Jetzt klingelt das Telefon. Entweder einer meiner Partner hat seine Schmutzwäsche in meinem Auto vergessen, oder der Urlaub findet mal wieder ein rasches Ende. -RRRiiiiing- Oder die Zeugen Jehovas brauchen einen Irren für die Bahnhofstür.

Ich nehme ab und bin eine halbe Stunde später in der Zentrale.

Schmand ist eine Art Boss von mir. Zumindest ist er für mich zuständig und weisungsberechtigt, wenn ich in der Zentrale bin. Draußen, im Einsatz, ist jeder von uns auf sich gestellt. Wir sind die Radiocops und haben einen mächtigen Feind: Die MUSIKANTEN mit ihrem Gott SILBERSTAHL. Keiner darf von unserer Arbeit wissen, aber wenn es uns nicht gäbe, hätte man auf der ganzen Welt Seppelhosen an.

Ich hole tief Luft und betrete das Büro. Auf dem Boden liegen tote Fliegen. Die Wände sind getüncht, da des Herrn Duft Tapeten löst. Einziger Schmuck ist ein Poster von Mutter Theresa, der Schmand in einer einsamen aber sicherlich doch fröhlichen Stunde eine rektal eingefügte Karotte hingepinselt hat.

Schmand wischt sich Schleim vom Kinn und streicht ihn hinters Ohr:

„DJ, du siehst blass aus, -brüps- soll ich dich ohrfeigen?“

„Warst du mit ’nem Geier essen?“

„Sei nett, DJ, ich hab ein Magenleiden. Wie war’s in Sydney mein Junge? Du sollst ja kräftig aufgemischt haben -ö- …“

„Ich denke, wir haben da eine Zeit lang Ruhe, SILBERSTAHLs Leute haben kein Schlupfloch mehr, die müssen wieder mit Blockflöten anfangen.“

Schmands Körper wird von einer Zuckung beschäftigt, er erbricht etwas Rotbraunes. Nicht viel, aber so heftig, dass er es nicht ganz abfangen kann und ein Teil der ekligen Masse in einen aufgeschlagen Aktenordner tropft.

Schmand schließt den Ordner und führt völlig gefasst unser gutes Gespräch weiter:

„Wir sind da nicht so sicher, SILBERSTAHL trifft sich anscheinend zurzeit mit dem WALZERKÖNIG und teilt den ozeanischen Markt auf, als ob nichts geschehen wäre …“

„Hör mal, wir haben dreizehn unterirdische Jodelschulen plattgemacht, 61 krachlederne Hosen vernichtet, eine hat Zenit sogar gegessen …“

„Ruhig, Junge, nicht so empfindlich oder -grchüps- ich atme in deine Richtung. War kein Vorwurf, wirklich nicht, ihr Jungs seid da ganz auf euch gestellt, vollkommen allein, da ist es natürlich auch möglich …“

Ich hasse Schmand. Ich hasse ihn, weil er stinkt. Ich hasse ihn, weil mein Leben stinkt. Ich hasse ihn, um nicht einzuschlafen.

„Worauf willst du hinaus?“

„Naja, wenn ihr drei einen Monat in Sydney die Haie gekrault habt, können wir das schließlich nicht überprüfen …“

„Hör zu: Mein Team und ich, wir halten jetzt schon seit Jahren die Stellung. Wir haben uns durch die Pariser Kloaken gekämpft, in London haben sie mir durchs Ohrläppchen geschossen und meinem Partner Aldi Quecksilber ins Badewasser gekippt.“

Die Erinnerung treibt mir Tränen unter die Achsel. „In Rom haben SILBERSTAHL’s Leute uns in Frauenkleidern ausgesetzt und in Dresden hatte unser dritter Mann ein kleines Treffen mit acht jungen Glatzköpfen und seine einzige Waffe war eine Spritzpistole voll Essig …“

„Zenit ist ein harter Bursche …“

„Radiocops sind harte Burschen. Um die Welt vor den MUSIKANTEN zu bewahren, nehmen sie alles auf sich. Aber es gibt auch für uns den Punkt, wo wir verzweifeln. Wenn man nach Hause kommt und grade mal zwei Stubenfliegen zärtlich winken. Man ist so einsam, dass man sich über Prospekte für Heizdecken freut. Und weil es nicht genügt, dass wir so populär sind wie die Prellball-Nationalmannschaft, weniger Freunde haben als ein Leprakranker mit Schulden und so viel verdienen wie jemand, der sich auf den Handel mit leeren Feuerlöschern spezialisiert hat, gibt es ja noch unseren zuständigen Abteilungsleiter, der unsere Arbeit einzuschätzen weiß, uns Lob und Anerkennung spendet …“

„Junge, ich hab’s doch nicht böse gemeint, ich liebe euch kleinen Schnüffler, ehrlich, wie meine Söhne, von denen hat jeder seine Zeitung zum Zudecken … DJ, ich muss euch leider euren Urlaub vermiesen …“

„Wann geht’s los?“

„In -üüüüü- drei Stunden.“

„Wohin?“

„New York City. SILBERSTAHLs Leute haben zwei Schuhplattler in die örtlichen Rapcharts gebracht, ’n alter Freund von dir scheint drin zu stecken, soll ein ausgeschlafener Witwer sein, schwer wie ’n Traktor. Hat letzte Woche leider jemand Schreckliches zu Besuch gehabt.“

Dirty Groove, auf ihn hätte ich meine Prostata gewettet. „Na, dann werd ich mal mein Team zusammentrommeln …“

„DJ, Herzchen, längst passiert, wir warten alle nur noch auf dich … Ach ja, die Sache in Taiwan neulich hat den Oberen gefallen, du bist jetzt Captain.“

„Und was heißt das?“

„Du hast Anrecht auf eine Portokasse und kriegst dafür kein Weihnachtsgeld … komm, wer will von dir schon ein Geschenk …“

„Schmand …?“

„Ja, Süßer?“

„Wer ist unser Boss?“

„Keine Antwort DJ, das weißt du … Mach’s gut, du Lauser, werd an dich denken -rüäch-. -kötzel, kötzel-“

Mein kleiner finnischer Kampfgenosse Zenit hat den Flug großenteils verschlossen vor sich hin hinbrütend verbracht. Als wir auf unser Gepäck warten, fragt er schließlich:

„DJ, was ändert sich eigentlich, wenn du jetzt Captain bist?“

„So, wie ich das verstanden habe, gar nichts.“

„Ein Beruf, an dem man zerbrechen kann“, sagt Aldi traurig.

Leider redet er immer, als sei er auf der Abendschule, aber man gewöhnt sich daran. Schlimmer ist, dass er sich für einen verkappten Dichter hält, denn seine Poesie ist grausig. Aber er ist ein ausgezeichneter Radiocop, wie auch Zenit in gewisser Hinsicht, wir sind Partner. Mein Team, meine Familie, meine einzigen Freunde. Es stimmt schon, das mit dem Zerbrechen.

Zenit trägt alle drei Koffer:

„Haben wir schon ein Hotel?“

„Radiocops wohnen im Lizzard.“

„Ist das gut?“

„Beschissen, aber garantiert seppelfrei.“

Unter solch wichtigen Reden wühlen wir uns durch die Gepäckhalle. Mir macht ein alter, schlechtvernarbter Bruch der Harnröhre zu schaffen, ein Zeichen für nichts. Es tut einfach weh.

„Wissen Sie noch, Kapitän, das letzte Mal, als wir hier waren? Der Auftrag in Long Island …“

„Weiße Häuser, vornehme Leute, strahlend blauer Himmel, wohlerzogene Kinder, endlose Strände und fünf heimliche HERZBUBENclubs.“

„Das muss lange her sein, vor meiner Zeit … Wie alt bin ich eigentlich?“

Ich schätze Zenit auf vier, aber behalte es für mich.

Noch ahnt man nicht die Stadt, man fühlt sich wie in einer Raumstation mit antiseptischen Zombies, die lichtjahrelang Rolltreppe fahren, aber ich weiß Bescheid: Wir kommen nicht irgendwo an. New York, Melting Pot, drei Morde pro Sekunde, fünf Massaker am Tag, mehr weißes Pulver als Schnee in Davos. Wahnsinn, Blut und Niedergang. Ich freue mich.

„Taxi! Lizzard Hotel, South Bronx.“

Der Fahrer bewegt sich etwas ungelenk, als er unsere Koffer verlädt, aber ich muss mich ja nicht verlieben. Erst mal ins Hotel, eventuell ein Nickerchen und dann mal schauen, ob wir ein klein wenig was bewirken können. Halb so wild, den Urlaub hole ich nach, vielleicht ist es ja dann nicht mehr so heiß, vielleicht vergrößert sich inzwischen meine Wohnung …

„Kapitän, der Lenker dieses Fahrzeugs fährt falsch …“

„Ja, eben, hier ist doch Linksverkehr!!“

Ich ignoriere Zenits dümmlichen Irrtum: „Verdammt, du hast recht, Aldi, da geht’s nach Brooklyn.“

„Sehen Sie nur, die Tätowierung in seinem Genick …“

Ein blutendes Edelweiß, das Zeichen von SILBERSTAHL, eine Falle – aber einer gegen drei?

„Ey, du Straßenkasper, halt sofort an …“, schreit Zenit und durchwühlt seine Reisetasche nach irgendeinem Knüppel. Es riecht zunehmend seltsam, ich schaue Aldi an:

„Zenits Lebertran?“

„Betäubungsgas!“

Unsere Knarren sind im doppelten Boden meines Koffers und der ist im Kofferraum, das ist prima. Ich verliere wütend das Bewusstsein. Ich sehe noch, wie Aldis Kopf nach vorne fällt und Zenit dem Fahrer seinen Waschbeutel übers Gesicht zieht. Dann wird es schwarz um mich.

„Wo sind wir … mein Kopf …?“

„Im Hotel.“

„Zenit, du verdammter Finne, wie hast du das gemacht?“

„Ich hab’ nicht mehr geatmet und hab’ dann dem Idioten den Kopf abgebissen … war nicht schwer …“

Aldi liegt im Bett nebenan. Der Kleine muss uns beide und das Gepäck getragen haben. Viel erstaunlicher ist, dass er die Meldeformalitäten an der Rezeption bewältigt hat. Außerdem hat er uns ausgezogen und zugedeckt – und er hat einem Menschen den Kopf abgebissen. […]«

Herrschaften, das ist Jahre her! Wenn das nicht visionär war, dann ist dieser Link gar nicht existent!

Sehe leider gerade, dass er tatsächlich nicht richtig existent ist.

Auch egal.

Youtube

In diesem Sinne.



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09.01.2010


"Dieses blöde 46!"

Folgen Sie CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er alle 14 Tage auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Heute: Carlo feiert Geburtstag ...

Vor einer Woche, am 2. 1., wurde ich 46 Jahre alt. Das ist so richtig Scheiße. Das Datum hat ohnehin nie etwas getaugt und jetzt werden die Zahlen auch immer dumpfer und vorläufig nichtssagender (weder alt noch jung), demnächst dann aber nur allzu beredt (alt). Ich habe mir jegliche Feierlichkeit verbeten, um das Billanzieren der bisher verbrachten Erdenzeit kommt man, komme zumindest ich (in Wahrheit ja romantische, zarte Seele) nicht herum.

1964 – Geburt. Au!.

1965 – Umzug nach Pforzheim – kein Kommentar.

1966 – Erste Erinnerungen: Papa bringt den Milchschoppen ans Gitterbett, Milchschoppen ist zu heiß. Deutschland verliert gegen England. (Echt! Ich weiß es noch!)

1967 – Ich werde drei. Meine Schwester sagt: „Dieses blöde drei!“ Ich weiß nichts zu entgegnen. Oma Paula hat einen Herzschrittmacher in I-Phone-Größe. Die fromme Frau lässt ihn mich ein ums andere Mal ertasten, weil sie völlige Asexualität unterstellt. Sie irrt kaum, aber beim Schaukeln die Beine zu spreizen verursacht ein eigenartig jauchziges Gefühl.

1968 – Ich werde vier, sage meiner Schwester: „Jetzt kannst du nicht mehr sagen ‚Dieses blöde drei!‘“ Sie sagt: „Dieses blöde vier!“ Auch dem kann ich nichts entgegnen.

1969 – Feststellung, dass ich schlecht sehe. Erste Brille und viele hilfreiche Tipps. „Wenn du hinfällst, zerbricht die Brille, die Splitter zerschneiden deine Augen und du wirst blind!“ „Ho, Ho, Hojimin!“ für Lied gehalten und auf der Straße gesungen.

1970 – Einschulung. Erste Prügelei des bis dato etwas kasparhauserigen Lebens. Große Freude am Niederringen und Verhauen. Fünf im dritten Diktat, Mutter heult.

1971 – Oma Paula (inzwischen mit geringfügig kleinerem Nachfolgemodell, das ich noch immer durch ihre gewaltige Leiblichkeit hindurch erfühlen darf), isst Fleischfonduestück direkt von der fetttriefenden Gabel und häutet sich beträchtlich die Lippen. Im Fernsehen Lederstrumpf, Angst vor Huronen – eigentlich bis heute.

1972 – Olympia in München. Sympathie für den ganz dicken amerikanischen Ringer und das deutsche Hockeyteam. Anfertigung einer Strichliste für alle Tage bis zum Abitur.

1973 – Jahreszahl hässlich empfunden, irgendwie dick, klobig, nichtssagend. Ölkrise spannend! In Sachen Krieg für Israel Daumen gedrückt.

1974 – Fanatisches Verfolgen der WM. Hass auf DDR. Unbeschreibliches und so wohl nie wiedergekehrtes Glücksgefühl nach Niederzwingung der Oranjes im Finale. Gymnasium. Angst.

1975 – Eigentlich nichts, allenfalls gleichgültig wahrgenommene Tendenz zu Spontanerektionen, verwundert und gelangweilt aufgeklärt geworden. Mittlerweile 11 Dioptrien. Stolz drauf.

1976 – Hoeneß verschießt.

1977 – Heftig, tierhaft, täglich zwei Mal wichsen – von jetzt auf nachher. Sex im Schädel. Immer. Immer. Immer.

1978 – Partys mit Stehbluesschwerpunkt. Zahllose bittere Blamagen. Darf Oma nicht mehr abtasten, will das auch nicht.

1979 – Wichsen.

1980 – Erste Freundin, Mitwirkung in Schülerband. In beiden Tätigkeitsfeldern ist nachgerade erheblicher Dilettantismus einzuräumen. Kondomkauf: „Ich brauche Kondome. Was haben Sie denn da?“

1981 – Zweite Freundin, Fahrschule.

1982 – Fahrprüfung durchgefallen, dann doch bestanden, Mandeln raus, Freundin läuft nicht rund, jetzt volljährig. Rauchen.

1983 – Abi 83

1984 – Studienbeginn. Hilflosigkeit und Größenwahn halten sich die Waage und stabilisieren also den Alltag.

1985 – s. 1984.

1986 – Versuch das Rauchen zu lassen. Lächerlich misslungen.

1987 – s. 1984, zusätzlich Bier.

1988 – Beginn einer neun Jahre währenden Beziehung, Beginn eines neunjährigen, sinnlosen Leidens.

1989 – Beziehung verschlechtert sich bereits jetzt, Hautausschläge.

1990 – Nach Jahren der heimlichen Versuche jetzt etwas veröffentlichen wollen. Schlechte Texte, sehr, sehr schlechte Texte. Deutschland Weltmeister – Filmriss.

1991 – Nun doch Berufsabschlussnähe. Keine Lust zu arbeiten.

1992 – Berufsabschluss geschickt wieder etwas nach hinten geschaufelt. Beziehung wirklich nur noch Lachnummer, Hautausschläge werden trotzdem besser.

1993 – Ladendiebstahl (Bundstifte), Staatsexamen. Heirat! (Gut gemacht!)

1994 – Nun eben doch arbeiten: Kollegen: Ein Trinker, ein sexsüchtiger Zwerg, eine Diebin und eine wahnsinnige Ex-Rennfahrerin. Hat eigentlich Spaß gemacht.

1995 – Schulden, schlechte Ehe.

1996 – s. 1995 + 1987 + 1984

1997 – Scheidung, zwischenzeitlicher Bankrott, seltsam gute Stimmung.

1998 – Jetzt mal was Positives: Neue Familie und die hält!

1999 – Zunehmende Abneigung gegen Wohnsituation. Beginn eines sinnlosen, neunjährigen Leidens.

2000 – Dummes Jahr + Hörsturz.

2001 – Erstes Buch in der Mache. Euphorie.

2002 – Buch auf dem Markt: Euphorie lässt nach.

2003 – Zweites Buch. Beförderung. Hautausschläge kehren zurück.

2004 – Drittes Buch.

2005 – Burnout

2006 – Viertes Buch, WM war Klasse.

2007 – Fünftes, sechstes, siebtes Buch + 2005

2008 – Umzug auf Baustelle, kleinere, überlastungsbedingte Widerlichkeiten innerhalb der Familie.

2009 – Je nun.

Wenn man sich das so durchliest, im Geiste hinzufügt, dass Vieles und natürlich das Allerschlimmste, Dümmste, Peinlichste und Peinigendste noch weggelassen ist, dann darf man schon mal ein bisschen Grübeln, ob die reine Lebensverlängerung um jeden Preis, das einem allüberall entgegen geblökte – „Bleiben Sie gesund!“ – sich so leicht, gar recht begründen lässt.

Selbstbefleckung, WM, Getränke sowie ein totaler Zusammenbruch des bisherigen Lebensentwurfs sind nach Durchsicht der Liste ganz offensichtlich die Highlights meiner bisherigen Erdentage. Das ist jetzt schon ernüchternd genug, will man das wirklich noch potenziell denkbare 70–80 Jahre vor sich zugeben?

Allerdings: Ein paar Bücher sollen’s schon noch werden! Und im Sommer ist WM! Und wie ich so den Rettungshubschrauber durch den blauen Winterhimmel pflügend etwas von der Autobahn Gekratztes in die Uniklinik bringen sehe, spüre ich auch wieder, dass das Leben, die Welt natürlich auch, Schönes und Schönstes bereithält! Ohnehin geht es ja jetzt mit Mappus im Südweststadt voran!

Also wage ich zum Ausklang einen visionären Zahlendreher:

2028 – Vierundsechzigster Geburtstag! Zur Feier des Tages raus in die frische Gottesnatur! Kunstherz ist im Bollerwagen immer mit dabei! Glas Wein mit Gattin, man kann auch mal im Wachkoma einen draufmachen! Sohn gratuliert brieflich, da Telefon im Gefängnis defekt. Senile Schwester kabelt: „Dieses blöde 64!“

Krimi bekommen, weggeschmissen, glücklich.




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19.12.2009


Weihnachten bei Carlo

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er alle 14 Tage auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Aber heute ist alles anders: Bald ist Weihnachten, legen Sie schon mal das Taschentuch bereit, denn Carlos Weihnachtsgeschichte ist soooo schön …

Die Weihnachtszeit ist und bleibt die schönste Zeit des Jahres. Jeder weiß es und jeder ist in den Wochen und Tagen vor dem Fest in einer frohen, seligen Erwartung, die sich dann während des Festes in ein tiefes strömendes Glück verwandelt, das weit über die Festtage hinausträgt.

Das gute Essen, die vielen freundlichen Gespräche, der Pulverschnee, der uns erlaubt, knuffige Schneemänner zu bauen und eines Tages, da werd’ ich’s mich trauen:
Zwei Schneemänner, der eine fickt den anderen Doggystyle mit einem riesigen Rettich.
Aber davon wollte ich ja gar nicht reden!

Sondern von meinem herrlichen Fußballteam! Von Großartigen Männern aus verschiedenen Berufen, sogar der ein oder andere Ausländer – beispielsweise Jim Stiletto aus New York, Jeff Humerbauer aus Bayern und Amerika, der fabelhafte Schiffskapitän Lech Kwisikowski, um nur die drei zu nennen.

Auch in der herrlichen Vorweihnachtszeit können und wollen wir Männer nicht von unserem heiligen Montagabend lassen! Das Wochenende gehört der Familie, natürlich. Da wird der Frau beim Plätzchenbacken geholfen, logisch! Dem Kind werden Geschichten vorgelesen und man singt stundenlang – darüber hinaus gibt es ja auch Männerarbeit: Konstruktionspläne für das Lebkuchenhaus, Fällen des Baumes, und Schlitten, Schlittschuhe, Skier wollen ja auch auf Vordermann gebracht werden! Aber am Montag, nein, am Montag, da spielen wir Fußball. Froh und glücklich, dass
1. es diesen fabelhaften Sport gibt.
2. wir so gut und
3. miteinander so innig befreundet sind.
4. wir wunderschöne, verständnisvolle und dabei noch attraktive Superfrauen ausnahmsweise n i c h t um uns haben. (Oft ist dann aber – hoho – nach der Heimkehr noch eine „dritte Halbzeit“ fällig … hehehe)

Heute sind wir alle da. Der Ball huscht munter durch die Reihen! Eben spitzelt der enorme Schwabe Oswald Ranft den Ball über die Linie, schon hämmert sein Opponent Uli Quetsch den Ball ins Tor. Zwischendurch ruft Andi Maier-Eichwald: „Bald ist Weihnachten!“ Und wir nicken alle. Und lachen alle. Da gelingt mir eine Finte wie selten – sieh einer an, zum ersten Mal seit langem ist es mir gelungen, Gisbert Schönthaler zu tunneln – einen fixen jungen Burschen! Wir müssen beide herzlich lachen und reichen uns die Hände!

„Jetzt kann Weihnachten ja kommen!“, scherze ich und da – geht die Tür zu unserer (preiswert von einem freundlichen Gymnasium gemieteten) Halle auf und da steht, man glaubt es kaum: Barack Obama.

„Herr Präsident“, sagt Silvio Pasquale, einer, den ich in der Auflistung der Ausländer vergessen habe, verzeih Pasi! Wo du doch mit deinen fantasievollen Kindertheaterstücken nicht nur zur Weihnachtszeit Kinderaugen zu leuchtenden Augen von Kindern machst. (Wobei – ganz schön viele Ausländer tummeln sich da schon in unserem Team …)
„Mister President!“, übersetzt hilfsbereit Wilhelm Wein, der im Privatleben eine Bohrinsel baut, Kamerad Gulliver nickt.

„Es geht schon“, sagt unser neuer Freund Barack. „Meine Deutsch ist gar nicht so schlechte!“
„Es ist ausgezeichnet!“, lobt ihn Markus Fels, von seiner unermüdlichen Abwehrarbeit noch ganz außer Atem.

„Ich lieben Weihnachten“, sagt Barack. „Besonders den deutschen, so ich bin inkognito hier. Und habe euch spielen gesehen das Soccer. Darf ich mitspielen?“

Und ob er darf! Nun man merkt schon, dass der amerikanische Präsident noch nie einer Taktikschulung unseres „wandelnden Lexikons“ Hansjörg Mäher beigewohnt hat – aber er kann mithalten. Einmal gelingt ihm sogar ein ansehnlicher Seitfallzieher, den Gisbert „so eben noch“ von der Linie „kratzen“ kann.

Da ertönt ein kräftiges: „Frohe Weihnachten!“ Und wieder geht die Tür auf. Erstaunt halten wir inne und trauen unseren Augen kaum: Osama Bin Laden betritt freundlich die Halle. „So ein Zufall!“, sagt er. Auch sein Deutsch ist ausgezeichnet. „Barack ist auch hier!“
„Osama, du alter Halunke“, ruft Barack und droht lächelnd mit dem Zeigefinger. „Sei du mal froh, dass bald die Weihnachten ist!“
„Und du erst!“, lacht Osama. „Mit dir habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen!“
„Aber nicht an Weihnachten!“, sagen wir.
„Nicht an Weihnachten!“, stimmt uns Osama zu. „Noch Platz für einen geschickten Angreifer?“

Herrlich geht das Spiel weiter: Osama und Barack harmonieren ausgezeichnet und es gelingt ihnen, eine veritable Flügelzange zu bilden, die den Ball ein ums andere Mal brenzlig vors gegnerische Tor trägt!

Dann aber eine Schrecksekunde – Barack fällt mit dem Kopf hart gegen die nur mit Holz vertäfelte Hallenwand. Vorausgegangen ist ein (absolut fairer) Zweikampf mit Uli und Andi (also eigentlich ein Dreikampf). Barack ist bewusstlos! Oh, weh!
„Wir machen uns solche Vorwürfe!“, rufen Uli und Andi.
„Macht euch keine Vorwürfe! Nicht an Weihnachten!“, rufen alle anderen.
Und Osama ruft: „Es war ein absolut fairer Kampf um den Ball!“
Besorgt kniet Oswald vor dem zusammen gekrümmten, ohnmächtigen Friedensnobelpreisträger nieder.
„Er scheint von innen zu leuchten!“, sagt er andächtig. „Und er sieht ganz unschuldig aus! Wie ein Kind!“
„Hat er gesagt, in welchem Hotel er wohnt?“, fragt Wilhelm. „Damit wir ihn dorthin bringen können?“
„Vorhin, nach dem schönen Pass in den freien Raum von Uli…“
„Danke!“, sagt Uli.
„Hat er erwähnt, dass er keinen Platz in einer Herbe gefunden hat … Bis jetzt … O mein Gott!“, Markus begreift, wir alle begreifen in diesem Moment!
„Ist er vielleicht …“, Gulliver wagt den Satz nicht zu vollenden.
Osama lächelt und entnimmt seinem Kaftan Gold, Weihrauch und Myrrhe.
„Wo sind denn die anderen zwei?“, frage ich perplex.
„Guantanomo“, Osamas Gesicht nimmt einen traurigen Ausdruck an.
„ER wird sie befreien“, flüstert Humerbauer und Stiletto sagt: „Yes Sir!“

Barack erholt sich schnell und schon ist die Spielzeit vorbei. Draußen hat es zu schneien begonnen. Als amerikanischer Präsident hat Barack wenig Zeit und verabschiedet sich, knufft Osama freundschaftlich und sagt: „Warte du nur! Wir müssen fragen dich schon noch ein paar Sachen!“
„Aber erst nach Weihnachten“, mahnt Osama lachend.
„Erst nach Weihnachten.“
Und wie nett! Osama hat noch ein bisschen Zeit und begleitet uns in unsere Stammpizzeria.
„Du isst doch kein Schweinefleisch?“, fragt Lech während des Essens.
„Normalerweise nicht, nein!“, bestätigt Osama. „Befindet sich denn auf meiner leckeren Pizza Schinken Schweinefleisch?“
„Schinken IST Schweinfleisch!“, rufen wir alle und halten uns die Bäuche vor Lachen, am lautesten lacht Osama selbst über sein kleines Missgeschick. Und spendiert dann noch eine Runde Ouzo. „Frohe Weihnachten, Freunde!“, ruft er und erhebt das Glas. „Frohe Weihnachten!“, rufen wir. Und ich denke: Die Weihnachtszeit ist und bleibt die schönste Zeit des Jahres … (usque ad infinitum!)


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05.12.2009


Superkrimiplot

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage …

Es ist jetzt 14 Uhr und vier Minuten, und ich schreibe jetzt so derartig Ruck-Zuck einen Superkrimiplot, dass das Volk mal sehen soll, wer in diesen Dingen deutscher Meister, aber mindestens … Schon 14 Uhr sechs, los geht’s:

Hauptfigur: Kommissar Buabespitz, Mutter Deutsche, verschollener Vater Inder (oder Indianer? Inder – Tamile, also ruseschwarz)! Lebt in Tübingen, hat auch schwäbisches Lokalkolorit, was unheimlich lustig ist, weil er ja als Halbtamile immer noch ganz dunkel ist, und man stelle sich mal vor, da ist also einer, so ein Schokoboy und bestellt sich Maultaschen in der Brühe, das ist lustig, liebenswert, jawoll, so wird’s gemacht!

Er ist geschieden und hat eine Tochter, die er liebt, aber unproblematisch ist es nicht, das Verhältnis, denn die Tochter nimmt die Uni zu leicht, das Leben zu schwer und bisexuell ist sie auch noch, da hat er nix dagegen, aber er macht sich Sorgen, die macht er sich schon immer, und in diesem Fall sind er und seine Ex, die als Kinderärztin, als Professorin für Kinderheilkunde in Stuttgart arbeitet, da sind sie sich einig und können miteinander reden, sind schon noch Freunde, sowieso, wie sich eine Professorin mal in einen Bullen von der FH verknallt hat wissen wir nicht, sagen wir nicht. Und sein Hobby ist die Taubenzucht, und die Tauben, die lässt er fliegen und dann kommen sie wieder und das ist ein Symbol für alles Mögliche. SO!

Der Fall: Auf einem Acker bei Tübingen, null Recherche, einfach Acker, reicht(!), wird eines Morgens, Mittags, Abends (?), NACHTS von einem Mann, der mit dem Hund noch mal raus wollte, kurz vor dem Essen, der Mann, also der Hund und dann der Mann entdecken eine Leiche. UND SELTSAM!!!! (Ginggong 14.15 Uhr) Die Leiche (schöne Frau, ganz schöne Frau!) hat zwar Kleider an (schade!), aber alle Etiketten sind rausgeschnibbelt, nix deutet auf irgendwas, kein Ausweis, aber hallo! Sie hat eine operierte Hasenscharte. Das ist ein Fall für Mahatma, meinen die Kollegen, der Chef meint’s auch, der Chef, manchmal hat er Probleme mit Mahatma, doch, doch, aber ein Unmensch ist er nicht und den ein oder anderen Trollinger zusammen, den hat man dann doch auch schon mal genossen, warum nicht?

Fall für Mahatma also, denn der hat Instinkt (Osten, Weisheit, Yoga, Buddha), zumal die Rechtsmedizin, die findet auch nichts, nur die Todesursache und was war die Todesursache? Aber hallo! Eine Penicillinallergie! Warum das? Und wieso keine Etiketten? Und niemand vermisst, gar nicht, o je! Mahatma grübelt und macht und denkt und tut, zwischendurch Maultaschen (HAHAHAHAHAHAHA!)

Idee: Die Ex, die hat doch über Hasenscharten promoviert, das war doch so, das ist ja wunderbar, her damit! Ex kommt, kuckt, sagt: das war keine übliche Technik, keine normale OP-Technik. OHA! Aber sehr gut, prima gemacht, erstaunlich, sowasnochniegesehen … Tochter kommt ebenfalls, verrückt, Zufall aber auch: Wirklich erfreulich aber auch, kehrt zurück aus Berlin, um Schneiderlehre zu machen! Mädchen wird vernünftig, Eltern kommen sich näher, Superspitzenklasse!

Fremder Mann taucht auf in Tübingen, Mann aus der Nähe Heidelbergs, aber gebürtiger Isländer … (Eynar! Da ist er wieder! Seit 19.9.2009 nicht gesehen! Alles ist für alles gut …)

Also Eynar, ungepflegt, unsympathisch, will Leiche sehen. Soooo geht’s nicht! Nicht jeder kann da jede Leiche sehen, wo kommen wir da hin? Mahatma macht sich Käsespätzle (HIHI! Inder + Spätzle, hihihi), denkt nach – findet die nächsten 200 Seiten lang raus, dass er richtig gedacht hat: OP nicht vom Arzt + falsche Medizin (keine Tötungsabsicht) + plus anonyme Auslegung der Leiche ohne Etiketten = KELLERKIND – KAMPUSCHPRINZIP – FRITZLFALL!!!

Aber wer? Nochmal die Narbe … Sauber genäht, sauber genäht ... EIN SCHNEIDER! Aber welcher, gibt so viele … (Sogar die Tochter lernt ja bei einem, aber der ist ja nett und alt und bekannt in der Stadt und gut und. Neinneineinnein ...)

Schlüsselmann: Eynar! Befragt und Hopp, gleich kommt’s, nur kurz: Jetzt ist’s 15.15 und ich war auch noch Kaffee holen, trinken, dann pinkeln, sowie Frikadelle gekauft, probiert, weggeschmissen … Jetzt die Lösung:

Eynar war 1990 Gastprofessor in Heidelberg, da wurde ihm sein winziges hasengeschartetes Töchterchen geraubt, schwupp, weg war sie! Frau stirbt an gebrochenem Herzen, er wird halber Narrisch, Karriere im Arsch usw. Und nun liest er von dem Fall, der Polizei traut er nicht mehr, nur Mahatma – Isländer + Inder, das passt irgendwie, warum, egal … Also: Mahatma legt Trollingerunde ein (HAHA!), schmuselt mit Ex-Frau, wird aber erst in Band 3 wieder was, erfährt von Tochter telefonisch, nebenbei, noch grad zum Schluss, dass Lehrmeister Schneider Oswald Schmitt ursprünglich, HALLALLI! Aus HD (Heidelberg!)

Aber jetzt: Nix wie hin, Tochter grad’ noch gerettet! Ja, Sklavin war krank, ja, Hasenscharte selbst geflickt, ja 19 Jahre versklavt, ja, pfui und abermals pfui!

Schluss – Eynar dankt, geht jetzt heim nach Island, hat jetzt Ruhe, Frieden, wäscht sich wieder. Will nur noch angeln und ob denn der Mahatma ihn dort mal besucht, der meint, warum nicht? Ist er doch mit Schokobacken sowieso immer fremd, quasi heimatlos.
Frau fährt wieder nach Stuttgart.
Tochter wieder nach Berlin.
Chef und Mahatma gehen spazieren, herrlicher Herbsttag, großartig und schlimm zugleich:
Die Welt.
Die Tauben fliegen weg, die Tauben kommen zurück.
OM.

Hat jetzt doch ein bisschen länger gedauert, ist zwanzig vor vier. Der Nebel (ja, es ist halt heuer dauernd neblig!) qualmt geradezu durchs Tal.
Ich muss noch einkaufen und bin sowieso ganz schön am Arsch und brauch’ noch ein paar Zeilen, um auf mein selbstauferlegtes Kolumnenmaß zu kommen, also jetzt nicht mehr ganz so viele und die fangen immerhin auch schon an. Wie die füllen?
Wie nur?
SO?
So.
Oder so.
Oder einfach mal eine kürzere Kolumne schreiben.
Warum eigentlich nicht.
Drauf geschissen!

ENDE
OM
OM
ENDE
ENDE
OM
OM


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21.11.2009


Zug hält nicht überall

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage …

Eine kurze S-Bahnfahrt und man ist für den Tag – auch für diesen – erledigt. Bei mir braucht es aber heute auch nicht viel, zu hämmernd war die Migräne am Samstag, zu trübe der Himmel am Sonntag, zu dumm die Welt nun in der Woch’.
Und dann auch noch Öttinger weg! Mein Ötti! Teesiebgaukler und Antifaschist! Der Kennedy des Südwesten!
Einfach weg!

Stattdessen: Mappus. Ein ochsengesichtiger Pforzheimer, der Erste von dortige seit Uwe Hübner (ZDF-Hitparade) und Rene Weller (diverse JVAs), der sich anschickt, meine Heimatstadt berühmt zu machen.

Nun also! Die heutige Vernichtung: Es genügt die grinsende Eiterfresse eines Schnauzbärtigen, der auf dem Plakat der im Heidelberger Hauptbahnhof befindlichen Bank fragt: „Kann ich hier sekundenschnell Geld verschicken?“ Ein gelbes: „JA!“ steht darunter – offensichtlich die Antwort des Instituts, die beim Schnauzmann Jubel auslöst.
Warum, so frage ich mich, ist es so schön Geld zu verschicken, sekundenschnell? Was heißt „Geld verschicken“? Gemeint kann doch eigentlich nur sein: „Überweisen“.
Traut diese rätselhafte Bahnhofsbank ihrer Klientel nicht das allerkleinste Wissen um Bänkerisch-Fachterminologisches mehr zu?

Wohl nicht. Und im Grunde tut sie ja recht daran. Bankkunden sind Vollidioten, sonst wären sie seit letztem Jahr keine mehr, mich halten nur die Schulden bei der Stange.

Und wie ich so erbittert und zergrübelt zum Bus taumle, fällt mir eine Information aus dem VRN (Verkehrsverbund Rhein-Neckar) aus den mittleren 90ern wieder ein. Bei einer bestimmten Sorte Regionalzug stand da immer auf der Hinweistafel zu lesen: „Zug hält nicht überall“. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob dieser Hammersatz noch immer in Gebrauch ist – ich glaub’ mal schon.

„Zug hält nicht überall.“ Das ist ein Kunstwerk.
Ein Satz, der immer richtig ist und zugleich keinerlei Information birgt.
Denn kein Zug hält überall! Einer, der es versuchte, würde auf der Stelle kein Zug mehr sein, denn um überall zu halten, darf er überhaupt nicht fahren, sonst wäre das „überall“ im Arsch!
Achill und die Schildkröte ineinander quasi verbissen!
Und wenn er eben ein Zug ist, der nicht überall hält, unser Zug, so wissen wir also nur: Dass er mal fährt und mal hält! Ein Zug ist ein Zug!

Scheiß Bundesbahn! Bin grade so schön am Ausrufezeichen tippen! Und daher und wenn es schon um Züge geht und weil der Titel Krimischmiede gerechtfertigt sein will:
„Mord im Orient Express“ ist ein haarsträubender Nonsens, eine Plotkatastrophe! Ein Unfug sondergleichen!
So!!!

Und was mach ich jetzt?

Lesen:

RNZ-online: Polizeibericht I: „Alkoholgeruch wurde bei einem 21-jährigen VW-Fahrer in der Ringstraße festgestellt. Der Mann wurde am Samstagmorgen gegen 3.30 Uhr durch eine Polizeistreife kontrolliert. Nachdem der Alkoholtest einen Wert von fast 2 Promille ergab, musste der junge Mann mit auf die Dienststelle, wo ihm Blut und der Führerschein genommen wurde.“

Schon hart: So ganz ohne Blut nach Hause taumeln, denk ich mir und komme gar nicht so recht weiter damit, denn Folgendes verstört mich in Wikipedia: „Zwischendurch hatte Edit Wetzel zwei Jahre lang Tischtennis zugunsten des Tennissports aufgegeben, fand dann aber wieder zum Tischtennis zurück.“

Heijeijei, das ist ja grade nochmal gut gegangen, puh ... Nicht alles verläuft so glimpflich! Noch mal Wikipedia: „Bis 2000 wurden die Amigos bei ihren Live-Auftritten von Witold Piwonski, der seit 15 Jahren Mitglied der Gruppe war, am Keyboard begleitet. Nach einem schweren Schlaganfall, infolgedessen er im Wachkoma lag und 2008 verstarb, war dies jedoch nicht mehr möglich.“
Das ist sehr traurig für die tollen Amigos, leuchtet aber ein. Der Tod spielt kein Keybord.

Hey!

„Der Tod spielt kein Keyboard!“ Das wäre doch ein Super-Krimititel für – sagen wir – den Kollegen Burger? Oder gleich eine Anthologie von Gmeiner draus gemacht mit Riesenzielgruppe: Toten Keybordern?
Ach, nein, kein Scherz über den ohne Namen und de mortuis nihil nisi bene!

Suchen wir lieber Trost beim sensationellen Erfinder und ungeschlagenen Champion des Familienstellens, Berti Hellinger: „Lichtblick heute: Vergessen vollendet.“ Ein großes Wort – fürwahr. Warum? Hab ich vergessen.

Dafür fällt mir wieder ein, dass Barbara Rütting, die enorme Barbara Bagavgita Rütting, zum zweiten Mal (!) die Grünen verlassen hat! Oweh! Was nun? Und warum das Ganze? http://www.barbara-ruetting.de/: „Die Zustimmung zum Afghanistankrieg sowie auch andere grüne Entscheidungen habe ich noch zähneknirschend ausgehalten, aber das Erschlagen des Fisches durch Renate Künast hat nun sozusagen das Fass zum Überlaufen gebracht.“

HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!!!!!!!!!!!!!!!!!

(Und das Fass war also nur noch der letzte Tropfen auf den heißen Stein, der ein starkes Stück ist, das gleich dreizehn schlägt? So ähnlich?) HOHOHOHO! Oder auch gleich: „HARF! HARF!“ (Th. Wörtche). Da fällt mir vor lauter Freude der Aphorismus des damaligen Friedhofsgärtnerkollegen Peter S. (Pforzheim) aus dem Jahre 1984 (Orwelljahr!)ein:
„Ein guter Ficker wird immer dicker.“
Bravo! Ein Satz wie Donner und Brandung! Ach, das waren noch Zeiten, als ich Hilfsgärtner war! Seitdem weiß ich z. B., dass Friedhofsschaffer hinter Grabsteinen diskret die Hecke ausdünnen, so dass man dort gut und nicht minder diskret hinbrunzen kann. Zum Abschied haben sie mir tatsächlich einen Schädel geschenkt, den meine Mutter aber zum Restmüll tat, weil die Katze immer an ihn ran wollte. Ehrlich wahr!

Jetzt nur noch rasch darauf hingewiesen, dass es schon zum zweiten Mal um Krimi ging, allerdings auch um Pforzheim und ja, auch Mappus wird noch einmal wiederkehren – und schon bin ich wieder ernst:

T-Online: „Hinter Niedergeschlagenheit kann eine Depression stecken!“
Teufel auch! Dachte ich’s halb! Und ahne: So man niedergeschlagen ist, kann man sich quasi deprimiert, ausgeknockt, schwer down usw. fühlen. Recht eigentlich könnte also auch eine solche hammerharte Niedergeschlagenheit hinter der Depression ... und wir haben schon die zweite Paradoxie, wird es bitte bemerkt? Eine scheinbar chaotische Kolumne ist durchkomponiert, dass es nur so kracht. (2xPforzheim+2xkriminell+2xparadox) = ?

MAPPUS, der da schreibt: „Es sind diese Menschen, die unser Land in Gang halten und nach vorne bringen: Busfahrer und Krankenschwestern, Polizisten und Lehrer, Handwerker und Kaufleute, Arbeiter, Angestellte, Unternehmer und viele andere.“

Es sind also alle Menschen, die unser Land in Gang halten (brumm, brumm) und nach vorne bringen (hui, hui). Das tut gut. Die Seele beruhigt sich, die Affekte kühlen ab, der Tag wird licht und leicht, und wir können zur schönsten Nebensache der Welt kommen. Fußball.
Welt o­nline: „Erlöser des Tages: Erlöser des Tages: Daniel van Buyten“
Und erneut, genialisch intertextuell herbeigezwungen: Dualismus, Dialektik, Doppelerlöser, Doppelspitze, Doppelpack, Double, (dumm?)!
Finaliter: Focus o­nline: „Babbel und Basler bangen um ihren Jobs“
Hieße schöner: Bange Ballbarden ballaballa?

PS:
RNZ-online, Polizeibericht II: „Festgenommen wurde am Sonntagabend in Kirchheim ein 51-jähriger Ire.“

Selber schuld.


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07.11.2009

Die Amigos

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage …

Aber dann, aber dann,
kommt der Schattenmann!

Tief hängt der Himmel im Tal. Ist Herbst. Der Sommer war sehr groß, mindestens neun Meter. Wer jetzt kein Haus hat? Weiß ich nicht.
Ach, ich weiß so vieles nicht …

Ich weiß nicht, warum Guido „Barack“ Westerwelle in den elf Jahren, während derer er in aller Ruhe darauf warten konnte, Außenminister zu werden, nichts, wirklich gar nichts zu tun hatte, keine Privatstunden bei einem hübschen Englischlehrer genommen hat. War doch klar, dass die Briten frech werden! Die haben keine FDP. Die gönnen uns diese wahnsinnig tolle FDP nicht!

Ich weiß auch nicht, warum – beruflich begegnet man sich manchmal in einer nahen Kantine – die weltberühmten Heidelberger Ärzte zu ihren bemerkenswert ungesund zusammengestellten Mahlzeiten ihren lächerlichen weißen Kittel anbehalten. Vielleicht ist er einfach praktisch, um die Sabberschnute abzuwischen? Aber direkt neben dem eingetrockneten Abszessspritzer? Knapp unter syphilitischen Blutplacken und genau da, wo man sich den Mundstuhl der 111-Jährigen hingeschmotzt hat?

Ich weiß aber vor allem nicht, warum der Weltenlenker dieses Gaunerpaar nicht mit einem gnädigen Blitzschlag von der Erde fegt: www.die-amigos.de.

Zwei kotzehässliche Dumpfbacken in billigstem Heiratsschwindleroutfit stürmen nun schon seit Jahren die Charts, obwohl die Medienwelt sie in bemerkenswertem, ja hoffnungsvoll stimmendem Konsens ignoriert. Und ich Vollesel bin ihnen zumindest textlich auch schon verfallen:

Aber dann, aber dann,
kommt der Schattenmann!

Dieser Zweizeiler hat sich mir nach einmaligem, fassungslosem Betrachten einer nächtlichen Dauerwerbesendung für das bisherige Schandwerk der zwei mittelhessischen Tagdiebe in die Schläfenlappen tätowiert wie nicht ein Goethewort.
Dabei kann ich selber schöne Zweizeiler machen:

Dieser Körper ist mein Haus,
nur die Leber zieht bald aus.

Daneben gibt es Dinge, die ich gar nicht wissen will:
Münteferings Lieblingswitz, Schweinis Gedanken über ein Leben nach dem Tod, warum Roberto Blanco CSU-Mitglied ist und wie das wohl so wäre, müsste man dabei zuschauen, wie sich Kerner und Eva Herman versöhnten, hierbei eine Flasche öffneten, nichts vertrügen, ganz schnell aneinander ins Rumschrauben verfielen, dann wuchtig aufeinander stiegen und sie riefe dann: „Baptist, nein!“ Aber zu spät …
Und sicher nichts wissen will ich von sämtlichen literarturkritischen Auslassungen, Phantasmen, Glossolieen und schieren Tollheiten des wilden Wahlhessen R.-R.

Womit wir an diesem trüben Tag bei Dingen wären, die ich weiß – nämlich welche Buchveröffentlichungen ich noch erleben will:

Mario Barth: Ick un’ meene Olle – Schriften aus dem Nachlass des Frühvollendeten.

Klaus und Ludmilla Wowereit: Straight – Geschichte einer Heilung.

Wolfgang Schäuble: Achsenbruch – Mein kurzer Jakobsweg.

Frank Schirrmacher: Meine Rezepte – Vom Schleimsüppchen bis zum Hirnsalat.

Günther Grass: Aber dann, aber dann, kommt der Schattenmann.

Matthias Mattussek: Ich! Cool, kultik, katholisch.

Thomas Wörtche: Die Läuterung – Mein Leben als wiedergeborener Christ.

Lothar Matthäus: Die aristotelische Aussagenlogik im Lichte des französischen Poststrukturalismus. Versuch einer Dekonstruktion.

Günther Jauch: Förderschule – Biografie der jungen Jahre.

Carlo Schäfer: Problemlos Nichtraucher, trotzdem 30 Kilo weg, sehr reich geworden und den Nobelpreis gewonnen – mein verrücktes Jahr 2010.

Der Regen hat aufgehört, mein halbwüchsiger Sohn hat mir verziehen, dass ich ihm wutentbrannt den ungespülten Topf aufs Bett gestellt habe, eine Elster macht sich links von meinem Fenster an einem unterlegenen Geschöpf zu schaffen und wie sagte der Winzer, bei dem man unlängst in der Pfalz einkaufte: „Isch kanns nimmer.“ Gemeint war die Abwicklung einer Kreditkartenzahlung. Außerdem meinte er noch, der Alkohol ginge(!) in die Trauben, das sei „verrückt“.
Und wir ahnen, es ist wahr: Der Schattenmann kommt.

Und nur so zum Schluss: Wenn den unerzogenen Realschüler und Ex-Bibelforscher, Frechdachs, Dummkopf und Bobbelesabgelegtebesteiger Pocher mal ein paar albanische Jungs mit Tagesfreizeit und überschüssiger Kraft in den Schwitzkasten nähmen, ihn tüchtig, aber wirklich tüchtig durchbläuten, das wäre so schön. Bereits die betörende Vorstellung will sich noch mit der verehrten Leserschaft geteilt wissen.



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24.10.2009

Schlagersänger der Literatur

Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit alle 14 Tage …

Ja, es nervt schon, dass der Krimi nicht dieselbe Wertschätzung erfährt wie beispielsweise dieser Abenteuerroman für die reifere Jugend mit den Herren Gauss und Humboldt. Aber wir sind schon auch selber schuld. In vorauseilendem Gehorsam betonen Kollegen auf ihren Sites, dass sie selbstverständlich nur unterhalten wollen, (was immer hier „nur“ und „unterhalten“ heißen mag), Romane mit Tiefgang möchten andere schreiben. (Was auch immer „Tiefgang“ sein möge).

Wir sammeln uns in Clubs mit lustigen Namen, wir ziehen uns wie Privatdetektive an, vor allem aber – wir machen alles, wirklich alles mit. Als die Schlagersänger der Literatur lassen wir uns willig in jedes Subgenre drücken, suchen geradezu deren heimelige Enge. Bloß nix riskieren, wir bleiben schön unter uns, dann verreißt uns höchstens der Wörtche. Ranicki wär’ schlimmer.

Schlagersäger müssen ja bekanntlich keine Genies sein, daher nehmen wir uns auch die ein oder andere gedankliche Auszeit – ist ja normal – schreiben aber währenddessen weiter – das ist dann oft sehr schlecht.

Es hat großen Spaß gemacht, Beispiele für alles dieses zu ersinnen:

Zunächst – was die Leon kann, kann ich auch:
„Comissario di Bendetto ging in seine Lieblingsbar auf der Piazza di San Bertolo und bestellte ein Kännchen Kaffee.“

Oder wie wäre es mit einem Pariskrimi deutscher Zunge? Der zieht bestimmt, man muss nur die kulturellen Eigenheiten unseres Erbfeindes kunstvoll in die Handlung weben:

„Inspector Neuville war müde, aber er musste noch dringend zum Supermarkt. Er kaufte nur das Nötigste: Ein Baguette, ein Stück Käse, eine Flasche Rotwein, drei Schachteln Gaulloises ohne Filter. Zuhause schlief er auf dem Sofa ein und hatte die Baskenmütze noch auf.“

Treiben wir unser Unwesen dann doch vielleicht lieber daheim. Sind vielleicht noch ein paar Regionalkrimileerstellen zu vergeben? Wohl nicht. Aber ich probiers mal:

„Obermeister Staib biss in die Laugenbrezel von der Bäckerei Schwanz aus der Zerrenerstraße und blickte vom seit der alliierten Bombardierung sogenannten Monte Scherbelino über die Dächer seiner Heimatstadt Pforzheim.
‚Woisch’, wandte er sich an seinen Kollegen Bischof. ‚Es isch koi brudal schöne Stadt, aber Hoimad isch Hoimad. Aber au in de Hoimad bassiere schlämme Sache!’
‚Laut Ausweis war das Opfer aus Karlsruhe’, sagte Bischof.
Saib kniff die Augen zusammen. ‚Das sind dreiundzwanzig Kilometer. Ich mag Fälle nicht, die einen so großen Radius haben.’ “

Und für Schreibschwachmaten am anderen Ende der Republik:

„Kommissar Hempelmann schmerzte die Narbe, die er sich letztes Jahr beim Segeln auf der Förde zugezogen hatte, damals noch als Wunde. Das hieß, dass es beim Regen bleiben würde. Nichts ging für Hempelmann über eine verhangene Regennacht im winterlichen Hochhausstadtteil Kiel-Mettenhof. Höchstens ein Pils und ein Krabbenbrötchen in der Forstbaumschule – aber nein. Ein Mörder war unterwegs und verbreitete Angst und Schrecken von Laboe bis Kronshagen. Seufzend ging der gebürtige Kieler nochmals die Akten durch. Sein Chef betrat den Raum.
‚Moin, moin!’, rief Hempelmann.
‚Moin, moin!’, antwortete Dr. Doose, dessen Familie aus Flensburg stammte, womit ihn Hemepelmann mitunter aufzog und neckte.“

Es geht aber noch widerlicher. Wenn schon alle Regionen ihren Ermittler haben, dann wählen wir eben einen anderen Bezugsrahmen für Zielgruppengeschreibe. Essen und Trinken tut ja wohl jeder und an Sponsoren wäre auch kein Mangel. Hier unterstützen uns Käsebauer Hagehof und Winzer Tulm:

„Kommissar Kern schlug seinem Assistenten Giebel auf die Schulter. ‚Herrlich, wie das Korn steht, nicht wahr? Der Hagebauer füttert seine Rinder im Winter nur mit diesem Korn, und das schmeckt man dem Käse einfach an, wenn ich das mal so sagen darf! Käse vom Hagehof. Da schmecken selbst die Löcher!’
Giebel nickte: ‚Und dann noch ein Riesling dazu! Die meisten Leute denken ja bei Käse immer an Rotwein!’
‚Blödsinn!’, rief Kern und machte eine wegwerfende Handbewegung. ‚Aber es muss der richtige Riesling sein!’
‚Ein Pfälzer Riesling, am besten vom Weingut Tulm!’, ergänzte Giebel.
‚Richtig!’, bekräftigte Kern. ‚Wann läuft das Ultimatum des gefährlichen Kinderschänders ab?’
Giebel schaute zur Uhr: ‚In zwei Minuten.’ “

Schließlich, damit unser Damenpublikum gut schläft, ersinnen wir Protagonisten, die nicht diese unschönen Eigenschaften haben, wie man sie noch immer in zu vielen Krimis findet: Geschieden, betrunken, zynisch, unglücklich – so sollen unsere Helden nicht sein, es reicht, dass wir das sind:

„Kommissar Niklas Buck betrachtete zufrieden seine manikürten Fingernägel und strich sich über den nicht vorhandenen Bauch. ‚Der Täter schlachtet also immer Kinder im Alter von drei Jahren ab?’
‚Ja’, bestätigte sein gutaussehender Mitarbeiter und Halbtürke Cem Istambul. ‚Genau das Alter Ihrer sympathischen Drillinge!’
‚Ja, das ist mir ja noch gar nicht aufgefallen!’, lachte Buck und schlug seinem Mitarbeiter anerkennend auf die Schulter. ‚Donnerwetter!’, sagte er dann. ‚Du hast ja wirklich Muckis, Tschemmy.’
‚Sie haben sich aber auch gut gehalten!’, erwiderte Istambul.
‚Eine schöne, kluge Frau, die besten Kinder der Welt, ein Haus am See mit eigenem Badezugang und ein lustiger Cockerspaniel, alles das hält jung!’ Er zwinkerte seinem Kollegen, den er nie spüren ließ, dass er eigentlich der Chef war, also er Buck, verschwörerisch zu. ‚Tag und Nacht hält das jung!’
‚Olala’, rief Istambul und zwinkerte nun seinerseits Buck zu.
‚Na, dann machen wir mal Feierabend’, rief Buck und erhob sich schwungvoll. ‚Wir werden die Bestie schon noch kriegen.’
‚Morgen ist auch noch ein Tag’, bekräftigte Istambul.“

Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Sex, und dann haben wir einen unterhaltsamen Krimi geschrieben!
Hier drei Varianten, je nach sonstiger Ausrichtung unseres Meisterunterhaltungsohnetiefgangwerks:

Zunächst sinnlich, Zielgruppe Hennafraktion und jung gebliebene Studienräte:

„Im Nu kniete sie nackt bis auf einen fluoriszierenden Tanga vor mir und öffnete meine Hose.
‚Das geht nicht’, sagte ich keuchend. ‚Wir haben einen Fall zu lösen.’
‚Jetzt nicht’, ihre Stimme klang wie das Schnurren einer trägen Katze. ‚Nicht in der Mittagspause. Mbas hag Eid mbs nachchch.’ (=‚Das hat Zeit bis nachher.’)“

Jetzt schweinisch, Zielgruppe Ferkel jeden Alters, vor allem Studenten und nymphomane Grundschullehrerinnen:

„Im Nu kniete sie nackt vor mir auf dem schmutzigen Büroboden und schluckte meinen Schwanz. Ich löste mich, trat mich aus der Uniform, packte sie an Titte und Backe, warf sie auf das alte Sofa und nahm sie von hinten, bis wir beide nur noch ein schwitzender, schleimiger, blutiger Haufen erschöpften Fleisches waren.“

Oder doch am besten, sichersten und ja auch am schönsten - romantisch:

„Scheu wand sie sich aus ihrem Büstenalter, und ihre Apfelbrüste ließen meinen Atem stocken.
‚Es geht nicht’, hörte ich mich sagen. ‚Ich habe Frau und Kind!’ Sanft bedeckte ich ihre entblößten Milchhöfe mit zwei dottergelben Post-Its.
‚Ich weiß’, sagte sie in rührendem Ernst. ‚Aber beide liegen seit 20 Jahren im Koma.’
‚Und dennoch leben sie’, gab ich zu bedenken. ‚Und wir sind immer noch auf der Suche nach dem Täter.’
‚Sie haben sicher recht, Herr Oberkommissar’, bekannte sie errötend und löste eines der gelben Zettelchen von ihrer Brust. ‚Nehmen Sie das, Arthur. Mein Duft ist an der Gummierung!’
Und so nahm und aß ich diese keusche Hostie der Lust, die mir fast die Sinne raubte.“

THE END


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10.10.2009


Eingepellte Narren

„Wie kommen Sie denn auf Ihre Ideen?“, fragen die Wohlmeinenden nach Lesungen, die anderen fragen zornig, woher ich so viele schmutzige Wörter kenne. Es handelt sich um morphologische Exotika wie „Arschloch“, „Wichser“, „Drecksau“ – unfassbar, dass man die versteht und gleichzeitig Abitur hat! Wenden wir uns also lieber den Wohlmeinenden zu. Deren Frage liegt ein Missverständnis zugrunde: Der Schreiber als hermetischer Welterschaffer? Nix da, der Schreiber ist wohl eher schwach darin begabt, hermetisch zu sein und also dazu verurteilt, aus dem ganzen Müll, der ihm ins Leben plumpst, etwas zu machen. Anders gesagt: Oft habe ich keine Ideen, sondern bekomme zu meinem Bedauern und fortwährenden Leid welche aufgedrängt. Ein Beispiel? Aber gerne:
Der Blick meines Freundes flackert, seine Wangen sind hohl, seine Haut schimmert fahl wie ein Fischbauch. Offensichtlich ist er krank. Schweinegrippe? Rasch wird klar: Pandemie stimmt, die Krankheit nicht. Es ist schlimmer als vermutet.

„Ich bin so fertig!“, heult mein Freund. „Ich fahre Rad in einer Staffel – beim HEIDELBERGMAN. Hab’ grade trainiert“, wimmert er. „Triathlon“, ergänzt er noch senil. Auch er also: Verloren! Triathlon: Eine Meute in Neoprenanzüge gepresster Menschen findet sich im bereits schwülen Morgengrauen ein und sieht ein bisschen aus wie ein Bochumer Avantgardeballett aus den 80ern. Ein Schuss ertönt und alle schwimmen flussabwärts. Hierbei wird getunkt und getreten und wohl auch ersäuft, dass es eine Art hat.

Die im Fluss befindlichen Salmonellen werden ignoriert – völlig zurecht. Bis die eingepellten Narren ihre Anzüglein vollscheißen, sind sie ja nicht mehr im Wettbewerb. Denn längst haben sie – unter neuerlichem Gedränge und Geschiebe – an die Radfahrer übergeben, dieses einfach nur noch tragisch zahlreiche Terrorpack, das sich seit Jan Ulrich oder dem letzten Hausarztbesuch auf scheißteueren Rädern über die Bundesstraßen quält und mit der letzten Luft Autofahrer beschimpft, ohne deren Existenz sie allerdings gar nicht sein könnten. Jeder Schotterweg risse ihre Heliumpneus in tausend Fetzen, triebe ihnen Karbongestänge in die Eingeweide.

Schlussendlich die Läufer: Grade vom letzten Halbmarathon genesene Gelenkkranke beiderlei Geschlechts. Nicht selten vor lauter Gesundheit am Sport versterbend.
Was er sich von seiner Teilnahme erhoffe, frage ich meinen Freund.
Er dürfe nicht aus der Wertung fallen. Sonst war alles nichts, der Schwimmer und die Läuferin wären dann praktisch durch ihn ums Finisher-Trikot gebracht, um die Erinnerungsplakette, um die ehrenvolle Speicherung im Internet ...

Ich kenne die Läuferin, sie ist seine Frau. Ein schönes Bild: Mein Freund eiert zu spät zur letzten Übergabe, womöglich aus tausend Wunden blutend, weil er bergab noch einmal alles riskiert hat, und erhält von seiner Liebsten wortlos eine schallende Ohrfeige, weil es mit dem 370. Platz nun nichts wird. Mein Freund nickt traurig, genauso würde das dann sein.

Bald darauf treffe ich seine Frau. Sie ist in Sorge, er nehme das alles zu ernst, fresse nur noch Leinsamen, pflege weit über das erotisch Erträgliche hinaus sein Gesäß mit Pferdefett und er dope wohl auch schon, zumindest nähme er ein Präparat der Uni Freiburg und wolle darüber nicht sprechen.

„Ich will nur nicht Letzte werden, das ist alles“, sagt sie. „Ansonsten nehme ich das ganz locker.“
„Und wenn du Letzte wirst?“ Als Antwort ertönt ein einziges trockenes Schluchzen, den restlichen Weinkrampf verkneift sie sich tapfer. (Es handelt sich wohlgemerkt um kluge, liebenswerte, weitgehend gar gute Menschen im fünften Lebensjahrzehnt!)

Ich habe meinen Freund neulich zu Gast gehabt. Er hat am Salat geknabbert, eine Nudel geküsst, dem Fleisch zugewinkt, das Weinglas behaucht. Die Woche darauf wurde er Vorletzter.

Und also möchte man gerne mal einen Krimi schreiben, wo der Sport in seiner heutigen gesellschaftlichen Wertschätzung als der klebrige Religionsersatz geehrt wird, der er ist. Wo man nach 250 Seiten einfach die Walkingstöcke wegwirft, sich für sein buntes, atmungsaktives Radlershirt zünftig schämt, mal wieder über was anderes als die Pulsfrequenzen und Zeiten redet und vor allem Massenveranstaltungen des Bodyismus abschwört. Man stirbt dann vielleicht früher, geschenkt, aber man hat noch ein bisschen Würde bis dahin.

Das Opfer, der Mörder, die Ermittler, der falsche Verdächtige, die junge Russin, mit der der Kommissar seine Frau betrügt, sie alle wären dumm wie Affenscheiße und begeisterte Ausdauersportler, Finisher-T-Shirtträger, Pasta-zur-Unzeit-wg.-Training-Fresser.

Der Fall würde aufgrund der Blödigkeit des Personals übrigens auch nicht gelöst, stattdessen wird der Leser mit hundert Seiten Scheinshowdown während eines Volkstriathlons gequält und alleine gelassen. Schließlich kauft der Leser das Buch ja gar nicht, sondern macht Sport.
Also ist es keine gute Idee.


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19.09.2009

Mit dem Bus in die Stadt

Der Tag sollte einem Anthologiebeitrag für den Pendragon-Verlag gehören, dem herausgebenden großen Frank Göhre zur Freude. Und stattdessen? Nichts. Verschleuderte Stunden, ins All geblasen. Und warum? Nun: Zunächst sind schon morgens die Kippen alle. Und – verschärfend – das Auto hat die Frau, womit der ganz normale Stangenkauf an der Tankstelle im Nachbarort vereitelt ist. Also mit dem Bus in die Stadt.

Gegenüber ein schmutziger Mann, Typ vereinsamter isländischer Provinzbewohner: Zerzauster Bart, lieblose Kleidung, dumpfer Trangeruch.

Zwei, drei Haltestellen lang stelle ich mir sein Leben vor. Sein Wellblechhaus, doppellagig mit versifften Perserteppichen ausgelegt, eine Standuhr von der Mutter, die mit einem Eskimo durchgebrannt ist, auf einer Press-Spankommode. Die Uhr aber steht seit Jahren, dem Alten fehlt die Kraft, sie zum einäugigen Uhrmacher Thorwaldson zu bringen, der drunten am Fjord lebt und unguten Kontakt zu Ponys pflegt. Manchmal sitzt Eynar – so, denke ich, soll der Stinker mal heißen – vor der Uhr und weint und frisst einen rohen Schafskopf.

Als ich mir mein verkommenes Gegenüber soweit zurechtfantasiert habe, holt der Alte die Bildzeitung raus. Dagegen kommt meine schöne Polarkreiselegie nicht an. Da sitzt leider einfach nur ein stinkender kurpfälzer Depp. Eynar heißt er jetzt trotzdem.

Der Bus hält auf offener Strecke. Fünf Arbeiter umstehen andächtig ein großes, frisch und akkurat quadratisch ausgehobenes Loch in der Straße. Ein sechster steht drin und schaut raus. Den Verkehr regelt eine Ampel, sie ist rot. Der Busfahrer sagt ruhig und sachlich: „Arschlöcher. Alle miteinander.“

Eynar ändert die Sitzhaltung. Er hat eine Verkrustung auf dem Hosenstall, die mal als Pissfleck angefangen hat.

An der Strecke liegt auch Heidelbergs Gefängnis. Ein altes ostisches Ehepaar steigt ein: Er böse und verwittert, sie zusammengeschrumpft und schmerzverzerrt. So sehen also die Eltern von rumänischen Autodieben aus.

Bismarckplatz, aussteigen.

Die Erkenntnis, die einzige des Tages: Wenn ich schon in der Stadt bin, kann ich auch Wein einkaufen! Fünf Liter, ist schließlich Wochenende. Also nach dem Zigarettenkauf in die Straßenbahn zu „Wein Abt“.

In der Straßenbahn steht ein üppiges von Piercings quasi in Scheiben geschnittenes Mädchen und schüttelt lustlos den Kinderwagen, beinhaltend ihr Uneheliches, während sie linkshändig telefonierend den Vater zur Sau macht. Wir fahren über den Neckar, ich schaue aufs Schloss. „Dann fick dich doch, Alter! Fick dich einfach selber. Bis gleich dann.“ Die junge Mutter beendet ihr Gespräch. Es ging sicher um ein Tatoomotiv für Baby Marvin. Kann man Häftlingsnummern eigentlich frühzeitig vorbestellen? Hoffentlich ist der Gatte mit dem Selbstfick fertig, bis sie heimkommt, sowas ist ja nichts für ein Kind.

Herr Abt ist traurig, wie eigentlich immer. Er erinnert mich an ein Murmeltier, sein Allgäuerisch passt hierzu vorzüglich.
„Heidelberg verroddet“, begründet er seine seelische Düsternis und senkt dann die Stimme: „Die Bürgermeischder han ihre eigene Clubs, geheime Clubs, die kriagets net mit!“
„Kann ich eine Tüte haben?“, frage ich.
Er fragt zurück: „Habt ihrs ausbrobiert, obs neigeht?“
„Es“ geht „nei“ (hinein), natürlich, und wieso „ihr“? Ich bezahle und gehe.

Ich hole noch schnell Kontoauszüge und stelle fest, dass der Wein streng genommen der Badischen Beamtenbank gehört, die Zigaretten auch, das Haus sowieso und vermutlich auch ich.

Auf der Rückfahrt fällt ein bis dato gnädig unbemerktes Westerwelle Wahlplakat ins Auge. Alt ist er geworden, der schneidige Neoliberale mit plötzlicher Nähe zur Bergpredigt. Es stand zu lesen, er habe nach eigener Aussage eben früher nicht gewusst, wie viel Ungerechtigkeit es gibt, habe aber dazugelernt und sei nun für soziale Dinge offen wie ein trainiertes Rektum. Vermutlich stimmt das sogar und heißt dann aber auch: „In meiner Birne wär’ noch Platz für ein Straußenei, wählt mich einfach trotzdem, ich freu mich doch so drüber.“

Zuhause: Null Ideen. Nix. Neuronenpampe.

Doch jetzt, vielleicht doch, jaja: Täter taubblind, Ermittler nach Schlaganfall locked in, Zeuge im Wachkoma. Eine Idee, gewiss, freilich eine miserable, zumal Frank Göhre wirklich nett ist.

Kurzer Gang nach draußen, frische Luft plus Rauchen, vielleicht hilft’s? In der Straße wird was an den Gasleitungen gemacht. Es sind große Schilder aufgestellt, die eindringlich davor warnen, zu rauchen. Ich lösche meine Zigarette sofort, dann sehe ich: Direkt neben einem der Schilder steht ein erschöpfter Arbeiter und raucht.

Ich gehe wieder rein. Der Tag ist rum.

Eynar wäscht sich mit dem Tau seiner Lieblingsbrennnessel, legt sein Nachthemd aus grobem Leinen auf die Pritsche und meißelt sich mit einem Walfischzahn und einem Lavabrocken geduldig die Hose auf. Denkt: Das wird schon alles!

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© Carlo Schäfer
Letzte Änderung: 06.07.2010 14:13
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