"KRIMISCHMIEDE" (ARCHIV DER BEITRÄGE IM
TITELMAGAZIN 19.09.2009 - 19.06.2010)
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19.06.2010
Urlaubszeit - die Krimischmiede verreist
Der Sommer hat auch in der Krimischmiede Einzug gehalten.
Es wird unerträglich heiß, man muss mal raus, Pause, Insel
oder so
Eine Checkliste fürs Kofferpacken
Was packen wir denn ein?
Natürlich unseren Waschbeutel, den wir mit zusätzlichen
Kotztüten so vollstopfen, dass er nicht mehr zugeht, falls uns noch
mal eine Rede von zu Guttenberg über gefallene deutsche Soldaten
und den Stolz seiner Töchter auf diese unterkommt.
Unterwäsche, Bettwäsche, Tischtücher,
sogar Vorhänge, alles mit Jogi Löw-Poträt.
Vier Hosen: Eine zum Tragen, eine zum Wechseln, eine
zum Liebhaben und eine, falls der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass
uns ein Unbekannter für diese einen guten Batzen Geld anbietet, weil
er so eine schon immer wollte.
Ein Latexkostüm, denn wir möchten kostenlos
den Vatikan besichtigen.
Wenn er Zeit hat, Siegmar Gabriel zum Spielen oder
einen Ball.
Ein trendiges Grillrezept für unser Barbecue:
Halber südafrikanischer Springbock mit Fuchsfüllung:
Springbock mit einer Vuvuzelafanfare betäuben,
erdrosseln, halbieren, eine Hälfte zur Fuchsanlockung in einem Wald
auslegen, andere Hälfte kalt stellen.
Beim Springbockkadaver im Wald ausharren, bis dessen
Verwesung so madig und wüst ist, dass sich ein gemeiner Fuchs schier
zwangsläufig einfindet. Diesen köpfen, häuten, salzen,
pfeffern, mit Feigensenf durchmassieren, mit Süßkartoffeln
bewerfen und mit nach Hause (also natürlich ins Ferienhaus) nehmen.
Dort Fuchs in Springbock legen, ein gewaltiges Feuer anfachen, Bock/Fuchsgemisch
hineinwerfen und durch 24-stündige Drosselung des Feuers vermittels
eines eingetröpfelten Honig/Buttermilchgemischs (200 Liter) sanft
garen.
Dazu passen: Kartoffeln.
Wenn etwas übrig bleibt, aber es bleibt nichts
übrig.
Eine weiße, spitze Mütze mit Augenschlitzen,
um in migrationsdominierten Stadtteilen einen Witz zu machen.
Hemden, Socken.
Ein Buch zum Übers-Leben-Nachdenken, am besten
zwei davon, falls die Partnerin auch übers Leben nachdenken will.
Oder eine DVD.
Wenn man gelegentlich gerne ein Huhn wäre, den
fahrbaren Hühnerstall von Manufactum, so man dieses harmlose erotische
Vexierspiel ein wenig satt hat, kann ein hölzernes Stopfei die Sache
wieder etwas spannender machen.
Ein Rätsel: Wer ist fünfzig und wird nicht
gewählt?
Einwegbadehosen.
Und schließlich zum Entspannen einen Kurzkrimi,
diesen:
Guido Westerwelle fährt mit Partner und dem
gemeinsamen Retrohund Himmler spontan nach Südafrika, weil ihm die
Vuvuzelas zum ersten Mal im Leben das Gefühl gegeben haben, dass
Musik genau so schön sein kann wie die liberale Politik.
Vor Ort merken die Herren und der Hund, das Township
kein Kreuzfahrtschiff ist. Während eines betrübten Abendspaziergangs
finden sie einen blauen Müllsack.
Neugierig öffnen die Männer den Sack.
Das ist Pfarrer Fliege!, ruft Guido entsetzt.
Aber bei näherem Hinsehen stellt sich dann doch
heraus, dass es nur Müll ist.
Und ab gehts!

12.06.2010
Wo ist Horst Köhler?
Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede,
in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken
sprühen. Heute beantwortet er eine Frage, die uns allen auf den Nägeln
brennt: Wo ist Horst Köhler?
Lassen wirs doch heute mal recht assoziativ
laufen ungeordnet, grad der Nase nach, bei allem, was man so über
die Welt, die Politik, die WM, das Titelmagazin und mein EEG mitkriegt,
ist das noch das Angemessenste. (Es ist dieses Wort irgendwie, das
Schule noch am ehesten beschreibt. (TOM BLECH im Lexikon des schulischen
Elends (wird derzeit bei Rowohlt verramscht.))) Und ist Schule etwas anderes
als ein Spiegel der Welt? Eben. Und:
Klammern macht Spaß! ((( ))) Ich kann sogar
den oberen Teil der Frisur von Bundeskanzlerin Merkel mit Klammern: (((
))).
Die ist ja scheiße dran im Moment. Und Guido,
was macht der? Schabt mit einer Harpunenspitze Zahnputzspritzer vom schwarzen
Hauskimono, dieweil sein Retrohund Himmler über scholastische Rätsel
verzweifelt passen nun alle Engel oder keiner auf eine Nadelspitze?
Und wo ist Horst Köhler?
Basler hingegen ruft Ballack an, gemeinsam gehen
sie mit Babbel auf einen Ball mit Bankett und anschließender Ballerinaversteigerung,
da Ballack seine Krücken vergessen hat, nimmt er einfach zwei Stabreime.
Wohingegen Klose leise das Klofenster des südafrikanischen Quartiers
mit einem mitgebrachten polnischen Geheimhammer pulverisiert, dies Pülverchen
wird er Cacao in den nein eben dann doch nicht Kakao sondern
Erdbeerkaba mischen und dann wollen wir mal sehen, wen Jogi spielen lässt.
Dieser hat längst Horst Köhler nachnominiert, als Geheimwaffe,
Wehrwolf, Wiedergänger, Wunderbar, doch der ist nicht da.
Er ist nicht in Berlin, nicht in Hamburg, München,
Stuttgart, Pforzheim schon gar nicht, Mappus hat extra unters Bett geschaut,
hat wer weiß was gefunden, eine suzidierte Eidechse, sein liebstes
Fix und Foxi, jenen Gummislip von diesem Preisausschreiben, aber nicht
Köhler.
Wo ist Horst Köhler?
Das fragen sich an sich auch, aber derzeit nicht
Gauck und Käßmann, die miteinander Eierlikör schütten,
versteckt in einem Brandenburger Wald, wo es eine Hexe geben soll, die
kann alles. Bei der ist Kevin Kuranyi und bittet um einen neuen Vornamen,
den Vorschlag der Hexe in Zukunft Knuddelkurt Kuranyi zu heißen,
will er mit seinem Berater besprechen, was aber dauern könne, denn
dieser Arme warte derzeit unter Quarantäne auf einen geeigneten Nabelspender.
Dies nicht wissend faltet Bundestorwarttrainer Köpke
aus beim Spaziergang gesammelten Palmblättern gar nicht ungeschickt
playmobilähnliche Männchen, mit denen er die Schlacht um Stalingrad
nachspielt, sonst kann er nicht schlafen.
Er hat schon das Licht ausgemacht, da fragt er noch
seinen Zimmergenossen, seinen überraschend zu Besuch gekommenen und
im Hotel kein Bett mehr bekommen habenden Freund aus gemeinsamen Fernsehsendungen,
Beleuchter Fred Fickeisen, ob dieser wisse, wo Horst Köhler sei.
Er weiß es nicht, wiederholt nur die Frage:
Wo ist Horst Köhler?
Christian Wulff beendet seine Darmspülung mit
einem lauten Schrei.
Eynar streichelt den toten Wal ein letztes Mal.
Günther Netzer liest Lusie Rinser in Blindenschrift.
Blinde Nordkoreaner danken Kim Kuranyi.
Pfarrer Jürgen Fliege ist:
ein Schaumschläger, Damenfriseur, Schlichtschwätzer, Gotteshilfsknecht,
Hohlbrocken und Oberdumpfbatz.
Begründung 4 (13 s. KW 16) seine neueste
Onlinepredigt:
Wie ist das eigentlich mit dem Pech? Da hat man oft
das Gefühl, dass alles, was um einen herum an Misslichem passiert,
mit einem selbst zu tun hat. Deshalb sagt man auch: Das Pech klebt
unter meinen Füßen. Überall, wo man hinkommt, gehen
Gläser kaputt, fällt jemand hin und geht etwas schief. (AAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!
(C.S.(also ich (also meine Anmerkung)))) Als wenn etwas in einem drinnen
ist, das pechschwarz und voller Angst ist. Als ob dadurch das Unglück
erst entstehen würde. Und als ob die Seele nicht nur einen Menschen
unglücklich machen könnte, sondern die Umgebung gleich mit.
Aber in diesen Gedanken ist die Lösung auch gleich mit drin: Um dem
Pech zu entgehen, müssen Sie sich fragen: Wovor ängstige
ich mich eigentlich? Was ist in mir so schwarz, dass ich das Pech geradezu
mitzubringen scheine? Und wenn Sie schon dabei sind, dann fragen
Sie sich doch auch gleich noch, was in Ihnen segnen sein kann, was Heil
und Glück bringt. Und Sie werden sehen, beides ist da. Also fürchten
Sie sich nicht.
Tim Wiese fürchtet sich nicht.
Jörg Butt heißt wie ein Fisch.
Lehmann heißt in Wirklichkeit Lommel.
Kahn tötet ein Stubenküken und gleich geht
es ihm besser.
Neuer ist neuer Adler.
Und wo ist Horst Köhler?
Wally Scheel nimmt eine anlagebedingt große
Nase durch den Hundert-Euroschein, Richy Weizäcker nippt lachend
am Danziger Machandel. Wasz ihr au fir ein Zaigs verkonsumiern dut!,
schilt sie Rooney Herzog. Hotte Köhler räkelt sich im Liegstuhl.
Und denkt: Nicht schlecht, so eine Südseeinsel für Ex-Präsidenten!
Und während allem diesem haben Priester rein statistisch 1,7
Ministranten betört, die Beneluxstaaten mitgerechnet: 2,3.

29.05.2010
Der Fall des Ezechiel Rammsauter, Teil 2
Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede
Heute erfreuen wir uns an Teil 2 eines Großprojektes, das
wir schon am 20. März kennenlernen durften. Das ist raffiniert, weil
Sie den 1. Teil der Kolumne noch einmal lesen dürfen
In den nächsten Tagen überprüfen wir
die STUDENTEN. Nichts. Überhaupt nichts. Langweiliges frommes Volk.
Rammsauter kontert, dass das der Beweis sei, denn
Satanisten, die sich als solche zu erkennen gäben, seien minderschlimmer
Art und mit denen würde er notfalls alleine fertig. Wir sollen weitermachen.
Also gut, wir machen weiter, wir brauchen das Geld. Nur: Was sollen wir
tun?
Eule?, wimmert es hinter meinem Rücken.
Was?
Hunger.
Iss.
Schmoll beginnt etwas zu kauen. Später sollten
wir feststellen, dass es alle bisherigen Notizen zum Fall waren.
Anderer Tag: Stalin jagt einen Korken. Die dazugehörige
Flasche ist weg. Ich halte es nicht mehr aus. Hier ist der automatische
Anrufbeantworter von Tobias Schmoll. Ich möchte eine Familypizza
mit doppelter Portion Nizzasalat
PIEP!
Schmoll!, schreie ich fassungslos. Muss
es denn immer ums Essen gehen?!
Er nimmt ab. Um was denn sonst? Ich bin doch
kein Alkoholiker
Bist du glücklich Schmoll?
Wenn ich satt bin
, kommt es müde,
wenn ich satt bin, Eule, wenn ich satt, pappsatt bin, dann, Eule,
dann bin ich glücklich
sehr glücklich. Aber ich bin niemals
satt.
Haben wir noch einen anderen Fall, Schmoll?
Irgendwas, um einen Monat lang trockene Tütensuppe bunkern zu können?
Können wir vielleicht für irgendeinen geschmackvollen Russen
Schutzgeld eintreiben? Ich habe kein gutes Gefühl
Nichts mampf, mampf Eule, aber
was sind gute Gefühle? Sind sie bitter, salzig, sauer oder herb?
Du hast süß vergessen.
Sind sie süß?
Ja, sage ich erschöpft. Sie
sind sehr süß.
Wir treffen uns auf Rammsauters Wunsch im Wald. Warum
nicht? Aber ich muss ihm die Wahrheit sagen, auch wenn es unseren Ruin
bedeutet. Es regnet. Schmoll schützt sich mit einem Sonnenschirm.
Wir haben nichts herausgefunden, höre
ich mich sagen. Ich bezweifle sowieso, dass es etwas herauszufinden
gibt. Jemand ist tot. Die anderen haben nichts mit der Sache zu tun.
Rammsauter schweigt. Man hört nur den Regen.
Ein Mensch ist tot. Nichts weiter. Die Herren wollen nichts tun.
Wir können, KÖNNEN nichts tun
Dann hat er gewonnen, Rammsauters Stimme
grollt wie Donner. Der ohne Namen.
Ich habe Angst, wimmert Schmoll. Und
Hunger.
PLAN B!, schreit der Pfarrer.
Ein schmerbäuchiger Mann tritt aus dem Unterholz.
Schmoll zieht eine Spielzeugwaffe.
Hände in den Himmel!, schreit er.
Ich bin Arzt, versetzt der Bedrohte würdig.
Sie sind zu dick. Treiben Sie Sport. Trinken Sie ein SALZARMES Mineralwasser.
Viel Rohkost. Suchen Sie Freunde, die Rohkost essen
Aber dann essen die mir ja die Rohkost weg
, staunt Schmoll.
Suchen Sie Freunde, die SALZARMES Mineralwasser
trinken und nicht so dick sind wie Sie.
Ja, ich suche Freunde, beginnt Schmoll
zu weinen. Schon immer.
Dr. Bassmeier, wahrer Sohn des Hippokrates.
Der Herr ist mein Arzt
, strahlt Rammsauter. Da ihr
nicht weiterkommt, ziehe ich einen zusätzlichen MANN hinzu.
Ich fühle mich in meiner Ehre gekränkt.
Wir kommen weiter, höre ich mich sagen. Wir werden
die Schweine kriegen.
Der Arzt ergreift das Wort: Ich glaube an die
Vernunft. Normalerweise. Aber letztes Jahr kam ein Knabe in meine Praxis,
dessen Herz kaum noch schlug. Und Rammsauter hat ihn durch Gebete
Er lebt?
Nicht mehr, räumt Bassmeier ein,
schon lange nicht mehr, fast ein Jahr ist er tot, aber dennoch
Dieser Mann, brüllt Rammsauter,
hatte eine SINNKRISE. Meine Arbeit mit dem Knaben hat ihn zum Glauben
geführt.
Ich bin mir sicher, wispert Bassmeier,
dass Satan nach uns greift. Es muss sein, es kann doch nicht alles
immer so dahinschlingern
Ich denke nach. Was, wenn er Recht hat? Er ist immerhin
Arzt.
Wir werden die Leute nochmals überprüfen,
sage ich mir. Vielleicht haben wir etwas übersehen
In der Folge stelle ich das Denken ein. Das lustvolle
Toben, das Glauben, die Logik sonst wohin tun, das Gefühl, wichtige
Dinge zu tun, enormes Abrakadabra hebt die Stimmung. Wir sind jetzt fünf
gegen Satan. Ein alter Kumpel, Freund und Rivale aus New York. Pater Jesse
Caldera kommt. Exorzist, Christ. Treffpunkt in Josés Eckkneipe
zwischen acht und Mitternacht. Schmoll möge einen Hut tragen. Der
Weg ist das Ziel.
Rammsauter erläutert den Fall. Neben ihm am
Tresen lehnt ein kleiner verfilzter Mann unter dessen zu kurzer Kutte
rote Socken hochspechten.
Yeah!, sagt er und gibt mir die Hand.
Dann Schmoll. Schmoll küsst ihm den Ring.
Wo wohnt Schmoll? Ich habe noch nie gefragt. Ist
das recht? Ist das wichtig?
Wo lebst Du, Bruder Schmoll, dicker Freund?
Aber das kann man doch nicht leben nennen!,
beruhigt mich der Fette, Eule, Beweise. Wir brauchen Beweise.
Man ist dem Satan nie nur nahe, denn er ist
immer schon ganz da, jubelt Rammsauter durch die Wirtsstube. In
uns. In dir. In meinem Blut, im Blut des Herrn. Du weißt es, Bassmeier?
Du hast es mir erklärt, Rammsauter.
Und du glaubst es?
Ja, ich glaube das.
Ja, ein Kampf allgegenwärtig und überall
seit Anbeginn der Zeit, so kann man Welt und Leben sehen, merke ich. Es
ist eine Sache der Übung. Schon lange ist mir jedes Licht gleißend
oder düster, pfeift der Wind oder es ist gefährlich lau, jedes
Bild zerfällt in aggressiv wimmelnde Segmente. Rammsauter, ich bin
dein.

15.05.2010
Das Alphabet der erotischen Krimiausschnitte,
in denen nichts stimmt
Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede,
in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken
sprühen. Das passiert eigentlich mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage, aber weil nächstes Wochenende SiK-Pfingstpause hat,
wollen wir Sie nicht so lange Carlo-unterversorgt lassen. Zumal heute
ein erschütterndes Alphabet zur Debatte steht.
A = Aber das ergab keinen Sinn! Überhaupt keinen
Sinn! Richter Jesus Müller ging noch einmal die Akten durch. Wenn
Gisbert Schnuff Gisela Schnuff am dreizehnten November ermordet haben
wollte, konnte er unmöglich nur wenige Tage vorher zu Fuß vom
Südpol aufgebrochen sein. Und doch bezeugten das verschiedene Eskimoinnen,
wo es doch am Südpol gar keine Eskimoinnen gab. Schlimmer noch, eine
rubbelte gerade hingebungsvoll seinen Spatz mit einem Babyrobbenfell.
B = Besamung von Nonnen gar mit Waffengewalt
war kein Kavaliersdelikt, nicht hier im Vatikan. Hobbyermittler
Monsignore Totti seufzte, zumal sich einige Nonnen beim Papst beschweren
wollten. Der heilige Vater würde das nicht überleben, nicht
nach der Affäre Obst. Und wer würde ihm, Totti, dann die Einläufe
machen?
C = Cicero hat die Stadt verlassen!,
rief Legionär Butcus, den Lucullus mit dieser heiklen Aufgabe betraut
hatte, noch ehe er sein Pilum in den Pilumständer gestellt hatte.
Soso, nachdenklich biss Lucullus in seine
Wachtel. Nehmt einen Trunk Wein!, er gab seinem helvetischen
Sklaven Urs ein entsprechendes Zeichen.
Ich
ich bin im Badehaus verabredet,
sagte Butcus und errötete. Mit Knaben.
Lucculus lächelte: Wie herrlich ists
zum Pilum Roms noch einen eigenen Spieß mit Manneskraft zu stelzen.
Wie herrlich ist der Jugend Kraft!
Apropos, sagte Urs, soll ich die
Egel nun aus eurem Schritt entfernen?
Lucullus schaute in die Ferne: Erst wenn wir
diesen verdammten Mistkerl von Cicero und seine ganze Bande hinter Schloss
und Riegel haben.
D = Darmverschluss, ausgerechnet jetzt, kurz vor
dem Zugriff auf Edgar Stilletto. Harry Himmler stöhnte und schaute
neidisch zu seinem von Natur aus sehr gut verdauenden Riesenpython Daniel.
Apropos Daniel, dachte er. Ich muss mal wieder mit Daniela
nachts nackt nageln.
E = Eigentlich habe ich mit der Polizeiarbeit
nichts mehr zu tun, junge Lady, der legendäre Ermittler Luther
Kraus, Fänger des Ungeheuers von New Orleans, Überführer
von Sigmund dem Finnenfeind, Töter von Sergio dem Strukturalisten
und Sieger im Morgan Freeman Look-a-like-Wettbewerb 2001 warf die Angel
weit hinaus in den Mississippi. Andererseits, sagte er nachdenklich,
habe ich verdammter alter Idiot gerade meine Angel weggeworfen.
Okay, lächelnd wandte er sich seinem Besucher zu. Junge
Lady, Sie dürfen mir gleich erzählen, was für ein übles
Spiel dieser Albaner spielt, aber vorher brauche ich ein bisschen Verständnis.
Die Augen sind schwach geworden, die Ohren auch, aber mein kleiner Tom
da unten will jetzt mal die Lady besichtigen
Officer Alfons Rodriguez ertrug die Penetration um
der Sache Willen, vertraute auf Krausens schwache Sehkraft und dachte:
Apropos Irrtum: Mein Sohn kann gar nicht von mir sein, ich war zu der
Zeit in Idar Oberstein.
F = Fick mich!, flehte die Geheimagentin
den müden Putschisten an. Hier?, fragte er. Hier!,
sagte sie. Noch ist Zeit, bis ich dich festnehme! Es
ist ein Planschbecken und überall sind Kinder!, gab der Putschist
zu bedenken. Statt einer Antwort legte die Agentin Badekappe und Schwimmflügel
ab.
G = Geh nicht!, flehte die pensionierte
Polizistin ihren sterbenden Gatten an. Aber der, ungeachtet seiner von
ihr in Notwehr zugefügten, eigentlich tödlichen Stichwunde,
ging zum Arzt, wurde gerettet und trotz erdrückender Beweise vom
Vorwurf der jahrzehntelangen Polizistinnenmisshandlung freigesprochen.
Seine Frau ließ sich nichts anmerken, aber scheiden.
H = Halleluja!, rief der mormonische
Ermittler in den Nachthimmel über Salt Lake City und musste beim
Fesseln der Zigeunerin mehrfach geilheitsbedingt pausieren. Sie hieß
Karin.
I = Ich will, sagte Piotr Wawensa bei
der Teambesprechung, dass ihr jeden Kanaldeckel in Warschau umdreht,
bis wir diese weißrussische Ratte am Schwanz haben. Ihr schaut in
jede Litfasssäule. Ihr schaut in jeden Kartoffelsack, vor euch ist
kein Kofferraum sicher sowie kein Koffer und kein Raum. Jedes Haus vom
Keller bis zum Dach! Und die Schornsteine. Und die kleinen Zwischenräume
zwischen Schornstein und Wand in den schlecht gemauerten Häusern
der sozialistischen Epoche sowie, er atmete tief ein, alle
Zeitungskioske, aber auch Kioske, die keine Zeitungen verkaufen. Alle
Zeitungen sowieso. Unter jedes Blatt werdet ihr schauen, in jedes Bohrloch
und überall, wo ihr geschaut habt, schaut ihr noch weitere drei Mal
und zum Henker was soll das Majorin Dorota?
Beschämt zog die Polizisten die Leuchtstoffröhre
aus dem After des Kadetten Prrt. Der nickte.
J = Ja, ich will!, sagte Polizeiobermeisterin
Josephine, schon warf sie der tatverdächtige Mulatte auf den Altar
und sich oben drüber. Pfarrerin Halberstetter lachte verständnisvoll.
K = Komm, hauchte die reife Orthopädin
dem verwachsenen Knaben zu und merkte erst am nächsten Morgen, dass
er ihre Handtasche, zwischen Buckel und Rücken geklemmt, während
des Liebesspiels entwendet hatte.
L = Lassen Sie das, hören Sie auf mich
zu fisten. Das macht meine Frau auch nicht mehr lebendig! Enttäuscht
ließ der Verdächtige von Fahnder Knoch ab und gestand.
M = Männer, Kommissarin Fanny Tropf
stieß den vorzeitig ejakuliert habenden Orgelschüler mit einer
müden Bewegung von der Werkbank, wissen einfach nicht, wie
man eine Dame behandelt.
Nur weil ich jung bin!, weinte der angehende
Musiker.
Die nackte Ermittlerin schlug resolut auf die Schraubzwinge.
Draußen treibt Kurt der Kannibale sein Unwesen, und ich verschwende
Ermittlungszeit mit einem unreifen Lustboy.
Soso!, entgegnete nun der Knabe mit gänzlich
veränderter Stimme. Wer sagt denn, dass ich nicht Kurt bin.
Das habe ich mir schon gedacht!, erwiderte
Tropf und hob drohend eine Feile, diese entwand ihr der Organist erstaunlich
behände. Reib dich damit ein!, sagte er und reichte ihr
eine Tube. Tropf erstarrte. Tandorigewürz!, half ihr
der schäbig lächelnde Jüngling auf die Sprünge. Ich
bin gar kein Organist, ich bin Pakistani!
N = Nie zuvor, hauchte die hörige
Polizeipsychologin in das Blumenkohlohr des österreichischen Serienkillers
Sepp Humerhaber, den sie soeben auf ihrer Therapieliege in der JVA Graz
beritten hatte, da war sie auch schon erwürgt.
O = Otto, oh Otto! Matze Berust, homosexueller
Privatermittler, erkannte das Geschlechtsteil seines Ex-Freundes Otto
Knall sofort, bedeckte es mit einem Salatblatt und verlangte den Koch
zu sprechen.
P = Pädophilie ganz klar, kopfschüttelnd
betrachtete der türkischstämmige Ermittler Cem Istambul die
eindeutige Strichzeichnung auf der Hühnersuppendose. Meine
Lieblingssuppe, stöhnte die Praktikantin, Gymnasiastin Nele
Specht, meine Lieblingssuppe und nun das.
Istambul schüttelte den Kopf. Auch Specht schüttelte
den Kopf. Beide schüttelten den Kopf. Apropos Hühnersuppe,
sagte Specht, schüttelte aber weiter den Kopf. Haben Sie,
fuhr sie fort, heute Abend Lust auf ein scharfes Chicken?
Istambul kniff ihr kopfschüttelnd innig in die
Brust: Mach erst die Schule fertig, dann nehme ich dich, sagte
er mit rauer Stimme. Weiterhin schüttelten sie beide den Kopf.
Qu = Quäle mich!, bat die devote
Ermittlerin den blinden Bauarbeiter und Steuerbetrüger, der schlug
nach ihr, verfehlte sie.
R = Riesentitten hat die!, lachte Assistent
Nulf Not, Riesentitten, Megamöpse, Monstereuter, Melkmaschine!
Ist gut, Nulle, kanzelte ihn sein Chef Jeff Knöller
ab. Fang du mal lieber den Taschendieb von letzter Woche, du erkennst
ihn an der Tasche, sie ist rot und hat niedliche Quasten.
S = Soso, schmunzelte der Fernsehpfarrer
ins Becken der Bäuerin, ich bin zwar kein Polizist, aber wenn
das nicht ein Kondom voll reinsten rumänischen Heroins ist, mit dem
Sie raffiniertes Weib die Schulden ihres trunksüchtigen Ehemanns,
dessen Seelsorger ich
Mach weiter, Jürgen!, flehte das
raffinierte Weib.
T = Tee?, fragte Coin die durchnässte
späte Besucherin. Und wollen Sie vielleicht ein Bad nehmen?
Das ist es nicht!, entgegnete die ungewöhnlich
schöne Frau. Ich bin hier, um sie von den Nachforschungen nach
meinem toten Bruder abzubringen. Ich würde alles dafür tun.
Trotzig schüttelte sie ihre Löwenmähne. Ich meine:
Alles.
Lächelnd griff der Sergeant nach der wie immer
griffbereit neben ihm liegenden deutschen Wehrmachtuniform aus Gummi.
Apropos Gummi, sagte die Fremde. Sie haben nicht zufällig
ein paar Weingummis? Aber Coin war schon tot.
U = Unterführungen haben es ihm angetan!,
sagte die lesbische Ermittlerin Cosima Stalp und kratzte sich am kurzgeschorenen
Kopf. Ihre üppige brasilianische Freundin Dominga entledigte sich
enttäuscht ihres Sambakostüms: Ich dachte, wir hätten
einen schönen Abend.
Stalp lachte: Es ist 12 Uhr mittags.
Trotzdem schmollte ihre üppige brasilianische Freundin Dominga. Stalp
lächelte: Hilf mir lieber! Was will der Waffenschieber, der
sich als brasilianische Samabatänzerin tarnt, in Unterführungen?
Statt einer Antwort kam keine Antwort.
V = Verkehr in allen Stellungen? Das hat Doktor
Moselbrunn verlangt?, fragte der desillusionierte Privatermittler
den im Schatten der Bahnhofsuhr anschaffenden kirgisischen Lateinschüler.
Der lutschte vielsagend an seiner Rindswurst, zitterte und lächelte.
W = Walpurgisnacht, eröffnete Major
Dimitrow Jevgenisandrotschugasschwili die Sitzung, das heißt
hierzulande: Unzucht, Suff, zerbrochene Scheiben. Walpurgisnacht,
fuhr er fort, das heißt hierzulande: brennende Autos, geschleifte
Häuser, totes Tier. Er holte Luft: Walpurgisnacht, das
heißt hierzulande: tote Kinder, tote Rinder, tote Inder. Er
seufzte: Walpurgisnacht
Darf ich Ihre Prostata massieren?, fragte
die aus Moskau hinzugezogene Polizeipsychologin Ludmilla Wowereit.
Nicht jetzt!, schrie Jevgenisandrotschugasschwili.
Wann dann?
Gleich.
Jetzt?
Ja.
X = Xylophonspielen war für den gehörlosen
Kommissar Stig Lillepalle eine gute Möglichkeit zu entspannen, da
er die Schwingungen mit den Schwellkörpern seines Geschlechtsgliedes
wahrnahm und dabei der ein oder andere Orgasmus heraussprang. Apropos
Orgasmus: Er musste Organist Assmussen nochmals in der Sache HIV-Pinguin
einvernehmen.
Y = York, das war klar, stand unter Schock. Dreizehn
Mädchen gekreuzigt. Inspector William Wanker suchte nochmals die
Hinrichtungsorte auf dem Stadtplan. Verband man sie, erhielt man den Schnittmusterbogen
für eine recht elegante Burka. Apropos: Wenn die Sache ausgeschwitzt
war, musste er unbedingt die persische Frauenärztin seiner Ex-Frau
zum Yorkshirepudding einladen, mit Sherry abfüllen, nackig ausziehen
und ankucken.
Z = Zwiebeln rektal zu genießen, war für
Obermeisterin Aphrodite Dengelschwanz wie Weihnachten. Was scherte sie
die Geiselnahme auf der Bohrinsel? Kein Mann konnte es mit einer Zwiebel
da schaltete die Heizung ab.

08.05.2010
Der Pharao
Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede,
in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken
sprühen. Heute erlaubt er uns wieder einen erschütternden Einblick
in sein Archiv prekärer Projekte. Wir sind leider nicht sicher, ob
sich mancher Kollege und manche Kollegin an diesem Thesaurus verwerflicher
Ideen nicht längst bedient haben
Ich höre Popmusik, ich höre Operette,
Oper nicht, man muss ehrlich sein, ich höre auch Blasmusik,
so unlängst eine Nachbarin am Gartenzaun.
Sie hat recht. Man muss ehrlich sein. Seit Spätsommer
letzten Jahres habe ich unter anderem verhöhnt:
Guido Westerwelle,
Jürgen Fliege,
Papst Benni,
Ministerpräsident Mappus,
Ött-Ött-Öttinger,
Bert Hellinger,
Luise Rinser,
Ungenannte Krimiautoren,
Unschuldige Bürger,
Margot Käßmann,
pädophile Priester,
Nordkorea,
Oliver Pocher
und noch viele mehr.
Bei der Gelegenheit: Mathieu Carrière ist
ein derartiger
Aber nein! Heute ist Buße angezeigt.
Denn wahrhaftig: In einem Windows-Ordner Archiv
bis 2005 fand ich folgenden Plot, den ich offensichtlich zu Millenniumsbeginn
zum zweiten Band meiner Heidelberger Krimireihe transformieren wollte.
Alles, wirklich alles daran ist schlecht:
Lesen Sie selbst (und schon der Titel ist zum Kotzen):
Der Pharao
Gesprächskreis: Werte und Wissen:
1. Armin Brecht - Oberschwabe, Deutsch und Geschichte
in Heidelberg - um die Fünfzig
2. José Franco Kind chilenischer Flüchtlinge
- Jahrgang 74, über verstorbenen Vater im Gesprächskreis, Sport
und Technik an Mannheimer Hauptschule in Neckarau
3. Karlchen Hermann - Gruppenchef - (bürg.:
von Behnten), Realschullehrer D, Mu, E, nie im Dienst, lebt von Frau.
Frau: Elisabeth, arbeitet als Krankenschwester in der Kinderklinik.
4. Tobias Lutz, D, G, Sp, Gesamtschule Viernheim,
Frohnatur, in Fünfzigern
5. Uli Ochs - Mömmsen: Politik und Deutsch,
Heidelberger Gymnasium, Agitator, Fanatiker
6. Dietmar Senf - Psychohengst, Beratungslehrer an
Mannheimer Innenstadt Hauptschule
7. Dorothea Buchwald, 30, Theologiestudentin, hat
sich in Gruppe gedränt
8. über: Marianne Maja Berust, 50,
D, R, HUS an der Grundschule, Waldhilsbach Pseudofeministin
9. Tatjana Müller 54, Supergrundschullehrerin
+ Behindertenintegration an Mannheimer Grundschule
10. Beate Schnitz, Schwäbin, Hennaluder, Realschule
Speyer
Am 11. September 2001, mitten in die Bilder, platzt Bombe.
Armin Brecht - Oberschwabe, Deutsch und Geschichte in Heidelberg - um
die Fünfzig erschossen, hatte Schule aus, wie immer in Sandhausen
den Trimmpfad gejoggt.
Kaum herausgearbeitet, wird am 12. September Beate Schnitz-Hummel, Schwäbin,
geschiedenes Hennaluder, Mann in Neuseeland, Realschule Speyer erschossen,
ins Herz, wird von ihrem jungen Freund gefunden. Erdgeschosswohnung in
Peterstal, Freund berichtet, sie sei in Arbeitskreis gewesen, über
Adressbuch alle angerufen.
Zunächst Ruhe. Theuer und Co. klappern Leute ab und lernen sie kennen.
Kreis existiert seit 70er Jahre, schwurbeliges Reformkonzept, Dunstkreis
SPZ, Fahrpreisdemos, aber nichts Ernstes.
Am 14. September wird Tobias Lutz, D, G, Sp, Gesamtschule
Viernheim, Frohnatur, in Fünfzigern besucht und erschossen, Täter
versucht mit Küchenbeil Hand abzuhacken, lässt aber wieder ab
und verschwindet mit Tatwerkzeug.
Hornung: Kopf, Herz, Hand - Täter wollte Pädagogenspur legen.
Pädagogenschiene wird abgeklappert. Mordserie
erschreckt Heidelberg, Panik, daher Schritt an die Öffentlichkeit:
Scheint Pädagogenmord zu sein, betroffen wohl (leider) Mitglieder
des Arbeitskreises.
José - Pablo Franco - Kind chilenischer Flüchtlinge - Jahrgang
74, über verstorbenen Vater im Gesprächskreis, Sport und Technik
an Mannheimer Hauptschule in Neckarau wird im Schloss gejagt. Augenzeugen
sehen Mann. Schuss verfehlt ihn, Kugel wird später gefunden (andere
Waffe), springt, überlebt schwerverletzt - Querschnitt. Schweigt.
Brief taucht auf: gez. Pharao - Täter wollte ursrünglich Pädagogenmuster
legen und springt auf Islamistenzug auf. Seltmann fällt drauf rein,
Theuer nicht.
Leidig nimmt Buchwald auf. Dorothea Buchwald, 30, Theologiestudentin,
hat sich in Gruppe gedrängt über Marianne Maja Berust,
50, D, R, HUS an der Grundschule, Pseudofeministin.
Durch intensive Bewachung Ruhe. Theuer klärt
Bekennerschreiben. Pseudo - Deutsch/türkisch, aus deutschem Koran
falsch zitiert - kein Islam. Kann sich nicht durchsetzen. BKA ermittelt.
Ermittlungen in Sachen Franco dann also wieder auf
eigene Faust. Junger Mann hat ausschweifend die Damen beglückt.
Uli Ochs - Mömmsen: Politik und Deutsch, Heidelberger Gymnasium,
Agitator, Fanatiker agitiert heftig gegen Kriegsvorbereitungen, BKA verdächtigt
ihn, kein Unbekannter, Theuer hält ihn für sicher, da Täter
Islamistenmaske nicht fallen lässt.
Maja Berust wird auf Heimweg von Schule im Wald gestoppt und erstochen.
Leidig schläft mit Buchwald.
Theuer studiert alte Quellen, entdeckt Haffner auf Foto - Recherchen:
Haffners Abizeugnis war gefälscht. War mal in einem Projekt Arbeiterkinder.
Konflikt in der Gruppe. Haffner geht zum Schloss und findet Kugel. Lässt
analysieren, auf Franco wurde anderer Waffe beschossen.
Karlchen Herrmann, Dietmar Senf, Tatjana
Müller werden streng bewacht, aber auch gefilzt.
Herrmann ist als Einziger nicht Lehrer geworden,
krank. Lebt von Börsenspekulationen. Hat Teilen der Gruppe Geld geschuldet,
aber nicht wirklich viel.
Eigene Situation allerdings marode. Untersuchung über Krankheiten,
schließlich einziger Arzt der sich finden lässt Psychoanalytiker.
Herrmann impotent, Kinder? Theuer auf eigene Faust nach Eckernförde,
Sohn ähnelt Ochs, Tochter ähnelt Lutz, drittes Kind hat seltene
Blutgruppe.
Ochs wird erstochen. Diesmal hat man Frau gesehen. Theuer nimmt an, Herrmann
war in Kleidern seiner gleich alten Frau unterwegs. Herrmann gesteht.
Theuer behält Zweifel. Beschafft sich Blutprobe von Senf, Dr. Zuber
hilft, Exhumierung der beiden anderen vermeintlichen Väter wird abgelehnt.
Ergebnis: Ist Vater von Herrmanns Kind, Kreuzskalierung, Täter entweder
Väter und/oder Schuldner. Nur Franco, Brecht und Müller sauber.
Nachhaken: Brecht in Misshandlungsfall verstrickt.
Anfang September ist Mädchen in Kinderklinik gekommen mit unklarem
Schwindel ect. kommt raus, dass vom Lehrer Lutz schwer geohrfeigt, Hörschaden.
Zorn der Mutter (Kinder im Internat) nimmt zu.
Zweifel: Warum Wechsel auf Dolch. (Herrmann hat seine Pistole, ahnend,
dass seine Frau Täterin verschwinden lassen.)
Belastet sich selbst in Todesangst. Seine Chance - Frau täten Müller
müsste es tun. Sie liebt ihn. Plan, Tarnung: Hilf mir es selbst zu
tun. Müller verschwindet. Herrmanns Frau begeht Selbstmord am Beerfelder
Galgen. Hatte Lebensversicherung gekündigt. Müller nicht wirklich
sicher dort gewesen. U-Haft, Druck, Francos Kollege Schellenberg wird
gefasst. Herrmann lebt im großen Stil. Senf ist ähnlich weit
in Gedanken, erpresst. Herrmann und Müller werden gefasst.
Yildirim treibt Adoption von Babett voran, erfindet Theuer als Partner.
Hornung ist verärgert macht aber mit.
Es kommt zu
.
Hier endet der Text endlich.
Wie bin ich denn auf den Nachnamen Berust
gekommen? Notdürftig getarnte Notgeilheit?
Uli Ochs Mömmsen? Was war
denn da um Himmels Willen mit mir los? José Franco
das ist ja mal eine Spaniername zu dem man nur Spaniername sagen
kann. Und der Fettdruck zwischendurch! Sicher ist, dass ich nicht betrunken
war, denn dann vertippe ich mich wesentlich mehr. Sonst ist gar nichts
mehr sicher. Zehn Personen! Wollte ich das mehrbändig angehen? Gott,
würde ich mich über so was lustig machen! Und jetzt?
Ich ende für heute. Verstört, gedemütigt,
der Depp.

24.04.2010
Priester
Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede,
in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken
sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage. Sein Thema heute ist so schlicht wie universal und aktuell:
Priester
Pfarrer Jürgen Fliege ist:
ein Schaumschläger, Damenfriseur, Schlichtschwätzer,
Gotteshilfsknecht, Hohlbrocken und Oberdumpfbatz.
Begründung 1:
In einer Sendung in den 90ern befasste er sich mit
dem Thema Tinnitus, nicht nur, dass er die peinigende Wahrnehmungsstörung
in einer beruflich/genetisch mischbedingten noch weitaus größeren
Wahrnehmungsstörung gefangen, freilich von dieser auch lebenslang
vor Selbsterkenntnis, also Selbstverdammung religiös stimmend geschützt
Also auf jeden Fall sagte der Kanzelkasper recht konsequent fälschlicherweise:
Trinnitus.
Seine Idee zur Behebung desselben war dann: Ohren
zuhalten.
Ein fassungslos anwesender HNO-Arzt meinte: Dann
ist es natürlich noch lauter.
Begründung 2:
Im selben Jahrzehnt verschaffte der Jenseitige dann
B. Hellinger, dem mittlerweile dann doch weithin als mindestens wahnsinnig
enttarnten Hobbytherapeuten einen großen Auftritt, wischte öffentliche
Bedenken gegen dessen mangelnde Qualifikation mit der Volte: Jesus
hatte auch kein Diplom vom Tisch. Wir ergänzen: Hitler auch
nicht.
Begründung 3:
Unlängst war der ansonsten weitgehend in nächtliche
Kleinstformate dahingegangene Fliege zu Gast bei der ARD-Scientology Diskussion,
man las darüber. Vollkommen kenntnisfrei, aber beneidenswert vom
eigenen Niedergang unbeeindruckt, posaunte er da los, dass es ja ohnehin
kaum Scientologen gebe und wenn, dann seien das Männer über
vierzig und keine Aufregung und
Lassen wirs, war auf jeden Fall einmal mehr
alles falsch.
Und ich merke gerade, dass ich es nicht ertrage,
jetzt weiter über Jürgen Fliege zu schreiben. Lesen wir es als
Beginn einer Miniserie, die ich dereinst, nach Begründung Nr. 100
beenden werde. Und immer wird sie beginnen mit:
Pfarrer Jürgen Fliege ist:
ein Schaumschläger, Damenfriseur, Schlichtschwätzer,
Gotteshilfsknecht, Hohlbrocken und Oberdumpfbatz.
***
Reden wir doch lieber über Nordkorea (Unterstreichungen
von mir):
Ich sehe einen Filmstreifen mit Kim Jong Il. Er ist
um eine Spur kleiner als sein Vater und scheint ein musischer Mensch zu
sein. Er ist, so scheint es, weicher als der Vater. Er hat ja auch kein
Partisanendasein hinter sich. Als er 7 Jahre alt war, starb seine Mutter,
später heiratete Kim Il Sung wieder. Der Sohn, als der Älteste,
lag dem Vater natürlich sehr am Herzen, und er zog ihn bald nach
der Beendigung des Universitätsstudiums zu politischen Aufgaben heran.
Mir scheint sicher und auch legitim, dass er ihn als Nachfolger in Betracht
zieht.
Was regt den Westen daran so auf? Dass ein Vater
seinen Sohn zum Nachfolger will? Dass diese Absicht undemokratisch ist,
da von oben herab bestimmt? Weil es das Bild der Diktatur bestätigt?
Weil dieser Diktator selbst noch über seinen Tod hinaus regieren
will?
Wenn nun aber dieser Kim Jong Il nicht in erster
Linie Sohn des Vaters ist, sondern tatsächlich der fähigste
junge Mann im Staat? [
] zumal ich weiß, dass ein Volk, das
zwar den Konfuzianismus, als zur Feudalperiode gehörig, ablehnt,
aber dennoch zumindest unbewusst von ihm bestimmt wird, es natürlich
und gut findet, wenn, wie von alters her, der älteste Sohn die Nachfolge
des Vaters in der Familie antritt. Warum nicht auch in der Volksfamilie?
Satire? Aber nicht doch: Ein Text von der Website:
Nordkorea-Info, einer Seite deutscher Nordkoreafreunde, es gibt halt alles,
es gibt vermutlich sogar ein paar Kardinäle, denen ein Knabenpo nicht
die Soutane zeltet. Und natürlich ist dieser Ausschnitt von der unvergessenen
Luise Rinser, die sich ja u. a. in Nordkorea gründlich verguckt und
alsdann verschrieben hat.
***
Was finden wir aber mit der Google-Suchanfrage: Jürgen
Fliege Rinser ?
Auf irgendwelchen verworrenen Suchwegen tatsächlich
Jürgen Flieges eigene virtuelle Kirche, wo sich aber laut Suchfunktion
der Begriff Rinser dann doch nirgendwo befindet. Er kann halt
gar nix, siehe hierzu auch seine dorten ins Netz geschissene kleine
Predigt (Unterstreichungen wieder von mir):
Hiob hatte seine Frau und seine Kinder verloren.
Und wenn Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn zu Grabe tragen mussten, dann
kennen Sie vielleicht ähnliche Gedanken und Gefühle, wie Hiob
sie hatte. Dieselbe Wut, denselben Schrei, derselbe Schmerz. Und da ist
vielleicht auch derselbe stumme Himmel. Alles, was der fromme Hiob daraus
lernte, war, dass kein Mensch auf dieser Welt ein Recht darauf hat, Kinder
zu bekommen, mit seiner Familie zu leben oder glücklich zu sein.
Kinder und Glück kann man nicht verdienen. Aber genauso wenig, wie
man sie verdienen kann, hat man den eigenen Tod verdient. Kinder bleiben
ein Geschenk des Himmels. Ob man das nun gut findet oder nicht. Jeder
Gedanke, der einem weismachen will, man habe seine Kinder verdient und
sie gehörten einem deshalb selbst, der führt in die Irre und
vielleicht sogar zum Irresein oder ins Irrenhaus. Passen Sie gut auf sich
auf!
IWELL, IWELL!!
Nix mit Krimi zu tun? Von mir aus.
Aber kriminell ists schon.

10.04.2010
Noch Wein?
Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede,
in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken
sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage. Heute demonstriert uns Carlo ein paar ausgefuchste Dialoge!
Anne-Frauke von Knötterich,
Aphrodite Dengelschwanz,
Beatrice Rotzler,
Brunhilde Delacroix,
Cosima Stalp,
Elke Gandhi,
Ezechiel Rammsauter,
Fred Fickeisen,
Giovanna Käse,
Gisbert Schnuff,
Hans Knall,
Hariolf Beng,
Harry Hass
Hinrich Lall,
Jesus Müller,
Jim Horst,
Karin Kübel-Kisselzwick,
Karl Karst,
Kevin Fotz,
Kurt Gilch,
Lulu Opp,
Markus Obst,
Nulf Not,
Otto Öl,
Sigurd Winsel,
Tabea Most,
Tobias Schmoll,
Tobias Schmutz,
Tom Blech,
Ulf Aasgeier,
Uranus Schnitz,
Wallhalla Musebrot,
Zenit Killmaken,
das sind Namen, die wohltun! Alle will ich sie irgendwann
verwendet haben, die kursiv gesetzten befinden sich schon in meinem vielfach
nichtbeachteten Werk.
Und nun ein Rätsel: Um was handelt es sich im
Folgenden?
Ich glaube, für heute ist es genug. Darf
ich dich noch in meiner Designerküche, die ich mir komischerweise
leisten kann, obwohl ich als Kommissar nur A 11 verdiene, sogar zusätzlich
an meine Ex und unseren gemeinsamen Sohn, mit dem ich ein nicht unkompliziertes
Verhältnis, das jedoch von gegenseitiger Sympathie getragen ist,
habe, Unterhalt zahlen muss, zu einem Abendimbiss einladen?
Ich, die ich ja ohnehin ein wenig einsam, wiewohl
ich mich ja auch um eine Tochter zu kümmern habe, bin, sage, da wir
vielleicht bei einem Glas Bordeaux, den du aus deinem ebenfalls (s. o.)
rätselhaft teuer bestückten Weinkeller holst, auf neue Ideen
bezüglich unseres Falles, in dem wir nicht weiter kommen, auch weil
wir von unserem gemeinsamen Vorgesetzten, mit dem du wenigstens kein Problem,
da du im Gegensatz zu mir keine Frau bist, hast, an der Verfolgung der
Spur, die in die höchsten Kreise unserer Stadt führt, gehindert
werden. Ich rufe nur vorher meine Tochter, die Sabina heißt, an.
Gut.
***
Nun, da wir vor dem von dir doch wiederum recht
teuer erworbenen und erstaunlich rasch zubereiteten Lammrücken sitzen
und zwei fast leere Weingläser, an denen sich weder Finger- noch
Lippenspuren finden, deren Inhalt uns aber schon etwas locker und lustig
gemacht hat, vor uns stehen, gebe ich, obwohl mir die Sache dem scheinbar
Unverdächtigen, der dann sogar mein Liebhaber war, und sich dann
doch als Schuldiger erwies und mich sogar in Lebensgefahr brachte, noch
nachgeht, zu, dass ich diesen amerikanischen Psychologen, der uns beiden
nicht ganz geheuer ist, attraktiv finde.
Ich, der ich dich, wie du weißt, mehr
als nur einfach mag, rate ab.
Ja.
Noch Wein?
Gerne.
Wie wäre es mit uns?
Verrückter Kerl.
Schläfst du mit mir?
Ja.
Ist uns das morgen peinlich?
Ja.
Noch Wein?
Das Telefon klingelt.
Es ist Sabina. Sie ist in der Hand des amerikanischen
Psychologen. Und meinen Sohn hat er auch. Er will sie missbrauchen, sieden
und essen.
Verdammt. Wie war das mit dem Wein?
Also, was ist das? Richtig! Ein deutscher Fernsehkrimi.

27.03.2010
AMEN? IWWEL!
Folgen Sie Carlo Schäfer in seine Krimischmiede,
in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken
sprühen. Das passiert eigentlich mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage, aber wegen der Osterpausen am nächsten Samstag wollen
wir Sie keinesfalls eine Woche länger ohne Carlo-Stoff hängen
lassen
Deswegen heute: Amen!!!
Gibt es ihn schon, den Steinzeitkrimi? Bestimmt,
aber es soll ja auch die ein oder andere sonstige Krimisparte recht ausgiebig
bearbeitet werden, also:
Gork, der mörderische Mammutmann
Gork blinzelte in die aufgehende Sonne und leckte
versonnen den Tau von seinem Lieblingsfarn.
In der Höhle schliefen noch alle. Gerührt
vernahm er das Keuchen seines Weibchens Brünn, die demnächst
mit dem siebten Kind niederkommen würde.
Noch war es warm im Uwuwutal, aber er, mit sechs
Händen voller Sommer der Rottenälteste, wusste, dass nun bald
die längeren Nächte kommen würden und es höchste Zeit
gewesen war, Fleisch für die kalte Zeit zu erjagen.
Zufrieden kratzte er sich ein wenig Mammutblut vom
Schenkel, streute die rostbraunen Placken neben sich ins Gras und wartete.
Schon bald kam das erwünschte Mäuslein aus dem Unterholz und
näherte sich gierig dem Köder. Mammutblut war der beste Mäuseköder
der Welt, wäre das Mäuslein nicht gekommen, Gork hätte
IWWEL! gerufen. Das war sein Wort für Überraschung,
das leider keiner aus der Rotte verstand.
Das Mäuslein schnüffelte begeistert am
Trockenblut und bemerkte also nicht die entschlossen niedersausende Faust
des Mammutmanns.
Zufrieden fraß Gork das platte Mäuslein,
das trotz gebrochenen Rückenmarks an Gorkens Gaumen noch ein wenig
bebte, ganz so, wie er das mochte.
Gestärkt erhob er sich, um in der Vorratshöhle
nach dem toten Mammut zu schauen.
Als er gerade losgehen wollte, trat Töpp, sein
ältester Sohn vor die Rottenhöhle: GORK MÖMMEL?
GORK MÖMMEL MAMMUT!, antwortete
Gork.
TÖPP GORK MÖMMEL MAMMUT?, fragte
der für seine 15 Jahre leider schon unermesslich fette Töpp.
Gork hatte nichts dagegen, wenn Töpp ihn begleitete.
Schweigend, da nichts denkend, gingen die Männer
den kurzen Pfad zur Höhle.
Als sie bei der Höhle angelangt waren, war es
Gork, der das Schweigen brach: IWWEL! IWWEL! IWWEL!
Das tote Mammut hatte offensichtlich über Nacht
Besuch bekommen. Traurig betrachtete Gork die nur allzu vertrauten Spuren
des Säbelzahntigers. Irgendwie schwante ihm, freilich, ohne das in
Worte fassen zu können, dass es schlauer wäre, Beute zu bewachen
da war er seiner Zeit weit voraus.
Andererseits: Es gab ja noch den fetten Töpp.
Mit einem schnellen Keulenhieb tötete Gork seinen Sohn und betrachtet
zufrieden dessen gewaltigen Leib. Das sollte schon auch eine Weile für
die Rotte reichen. Niemand würde Fragen stellen, das wusste Gork,
denn außer Töpp konnte niemand aus der Rotte Fragesätze
bilden
Das könnte natürlich ein Problem bei diesem
noch nicht so heftig beackerten Krimiformat sein nimmt man die
Protagonisten ernst, geraten die Geschichten schlicht, nehmen wir einfach
moderne Menschen, die Felle tragen, ists großer Mist
wenn auch sehr verbreiteter
Kehren wir dann doch vielleicht lieber in eine
freilich steinzeithaft daherkommende Gegenwart zurück:
Katholische Nachrichten: Der Regensburger Bischof
Gerhard Ludwig Müller hat in einem Interview mit der italienischen
Zeitung La Stampa schwere Kritik an der deutschen Bundesjustizministerin
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geübt. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
gehört einer Art Freimaurer-Vereinigung an, die Pädophilie als
Normalität darstellt, die entkriminalisiert werden soll. Also kann
sie uns nicht kritisieren. Außerdem hat sie gelogen, indem sie uns
diffamiert hat.
IWWEL! IWWEL! IWWEL!
Heißt doch wohl ungefähr:
Sabine Leuchtfeuer-Schnatternatter ise inne Schweinborsteria,
wo Bubenpopo halali und
Nix Antivatikano, Amigo! Et atque böseblöd!
Und Papst Benni ergänzt: Ego senilissimus companero
sodomistico meo absolvo a omnis prokteriis juvenilis mammutschwanzum meum
gewesenixweißmehrissmo.
AMEN.

20.03.2010
Wieder aus der Serie: Frühwerke, die niemand verlegen wollte!
Dabei sind die Frühwerke gar nicht so schlecht!
Zumindest nicht alle!
Folgen Sie CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede,
in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken
sprühen. Regelmäßig alle 14 Tage
Heute: Der Fall
des Ezechiel Rammsauter.
Man nennt mich Eule, weil ich eine starke Brille
trage und Schlafstörungen habe. Ich bin Detektiv.
Ich lebe ein dummes Leben. Bin geschieden und habe
einen psychisch behinderten Kater namens Stalin.
Es ist Montagmorgen. Ich habe mich gewaschen, dem
weinenden Stalin ein Beruhigungszäpfchen gegeben und bin auf dem
Weg zum Büro.
Ich will eben um die letzte Ecke biegen, als sich
vor mir ein fetter Albinohusky aufbaut, an dessen Leine ein unfroher STUDENT
baumelt. Ich hasse Hunde. Und Studenten hasse ich auch.
Der macht Ihnen nichts!, lügt der
milchgesichtige Kandidat über die Bestie hinweg.
Das hoffe ich sehr, entgegne ich kühl.
Nehmen Sie das Tier weg, es ist mir ernst, ich muss ins Büro.
Ja, dann kennen Sie sich hier aus?, freut
er sich. Ich suche die Detektei Orpheus
Es gibt hier keine Detektei Orpheus.
Das ist seltsam, meint der Knabe.
Ich gehe schnell weg. Ich bin sozusagen die Detektei
Orpheus, und ich bin so gut wie pleite, aber ich will keinen Studenten
mit Hund.
Du bist spät dran. Mein dicker Partner
Schmoll beißt traurig in einen Fleischwurstring.
Ich wurde aufgehalten, entgegne ich schneidig.
Du bist fett, Schmoll.
Das ist wahr.
Ich setze mich an meinen Schreibtisch. Mein Schreibtisch
ist leer. Schmoll reicht mir ein Papier:
DIE HERREN DETEKTIVE!
ICH SCHICKE IHNEN HEUTE EINEN BOTEN! EINEN JUNGEN
MANN, DER WIE ICH IN UNFASSBAR GROßER GEFAHR SCHWEBT! ER WIRD MEINEN
WEIßEN HUSKI SAUL ALS SCHUTZ UND ZEICHEN MIT SICH FÜHREN!
DIESE NACHRICHT IST FÜR DEN FALL, DASS ER SIE NICHT ERREICHT! RUFEN
SIE MICH DANN NICHT AN! FINDEN SIE MICH EINFACH, SONST IST ALLES AUS!
ICH ZAHLE GUT!
Ziemlich wirr, was? Hunger, Eule? Brezel?
Ich wehre ab.
Und so unglaublich heftig formatiert, als wenn
das jemand geschrieben hat, der immer schreit. Außerdem, wie sollen
wir den Arsch anrufen
Ich entdecke in diesem Schreiben viele
Fehler.
Wir sollen ihn ja eben nicht anrufen, das heißt,
wenn nichts passiert, kommt der Knabe, aber dann braucht man nicht diesen
Zettel. Wenn etwas passiert, soll man ihn finden. Wen? Den Buben? Den
Hund? Ja. Bestimmt den Hund
Demnach hätte der Hund den Zettel geschrieben,
führe ich Schmolls Gedanken zu Ende. Er zuckt mit den Schultern.
Jetzt isst er Gummibärchen.
Ich schaue aus dem Fenster und fühle eine gewisse
Melancholie. So viel Glück habe ich nicht, da sind keine zwei Knäblein
mit Huskys im selben Viertel unterwegs. Ich sage vernehmlich: Scheiße.
Warum, Eule?
Müde gestehe ich mein geschäftsschädigendes
Verhalten.
Das hast du prima gemacht, Eule, er hätte
ja unser Wartezimmer entjungfern können.
Ein Leichenwagen fährt vorbei. Hinterher trottet
ein Husky. Ich flüstere: Saul
Wie es aussieht, sagt Schmoll und isst
ein rohes Ei mit der Schale, hätten wir einen großen
Fall gehabt.
Und was macht Eule, die weise große Eule? Schickt
den Fall weg, weil der Fall einen Hund hat.
Ich fühle mich schlecht, aber wir haben noch
eine Chance: Werner Wein anrufen.
Mein Freund Werner Wein ist Polizist und hat bei
mir Ehrenschulden. Er wird uns helfen.
Ich rufe jetzt Werner Wein an, sage ich
also dem beeindruckten Schmoll.
Einige Minuten später schaue ich auf einen vollgekritzelten
Zettel:
Name: Bernd Wohlenberg
Beruf: Theologiestudent im 19. Semester
Und: Der Husky gehört laut Steuermarke dem Gemeindepfarrer
von Haselsberg-Holdhausen, Herrn Ezechiel Rammsauter. Den Rest kann ich
nicht lesen.
Ich nehme die Straßenbahnlinie 1, um mit Herrn
Pfarrer Ezechiel Rammsauter KONTAKT aufzunehmen.
Vom Haus ist kaum etwas zu sehen, eine offensichtlich
nachträglich errichtete Mauer und das rostige schmucklose Eisentor,
vor dem ich jetzt stehe, schirmen es gegen die Straße ab. Ich klingle.
Lange Zeit passiert gar nichts.
Schließlich höre ich tapsende Schritte,
ein scheppernder Schlüsselbund wird bewegt. Mehrere Versuche, die
Tür zu öffnen, schlagen fehl. Ich höre eine raue Stimme
verhalten fluchen. Schließlich klappt es, die Tür wird mühsam
über den Asphalt geschleift, eine Handbreit geöffnet. Ein einziges,
blutunterlaufenes Auge stiert mich an: Es ist keine Sprechstunde.
Pfarrer Rammsauter?
Sehe ich aus wie die Sekretärin?
Ich weiß nicht, bleibe ich höflich,
ich sehe Sie nicht. Sie stehen hinter einem Eisentor.
Das tue ich, GOTT SEI DANK! Wer sind Sie?
Detektei Orpheus, man nennt mich Eule
Wo ist Wohlenberg?
Darüber wollte ich mit Ihnen reden
UND WIR REDEN JA AUCH!
Ich fürchte, er ist tot.
Rammsauter lässt mich ein. Schweigend eilt er
mir voraus, ein altes, schönes Fachwerkanwesen, von einem wilden
Garten umgeben. Der Pfarrer trägt einen zu weiten, abgewetzten, schwarzen
Anzug und schlammbespritzte schwarze Halbschuhe. Sein wirrer Schopf wird
von mürrischen Frühlingswinden zerzaust. Sein Gesicht sehe ich
erst, nachdem wir sein karg möbliertes Haus durcheilt haben
es fällt mir schwer, seinen riesigen Schritten zu folgen und
uns nach hastigem Aufstieg über eine knarrende Wendeltreppe in seinem
düsteren Arbeitszimmer gegenübersitzen. Schartige Züge,
umrahmt und teilweise verdeckt von einem furiosen Bart. Ganz zuletzt erst
fällt mir die altmodische schwarze Hornbrille auf, so gewaltig ist
der Blick seiner giftgrünen Augen.
Rammsauter greift wütend in seine Schreibtischschublade
und fördert eine warme Flasche Weißwein zutage.
Mehrere riesige Schlucke gehen dahin, dann setzt
er ab und stiert mich hasserfüllt an:
Schon mal was von Satanismus gehört? Ich
meine richtigem Satanismus, ORGANISIERTEM Satanismus?
Hören Sie, Herr Rammsauter
BRUDER RAMMSAUTER! Er wirft mir die Flasche
zu, eine der preiswerten Sorte mit Schraubverschluss. Wir sind jetzt
per Du.
Ich nehme einen Schluck und werde sofort betrunken.
Hat er etwas hinein gemischt? Ich habe Angst. Ich werde bewusstlos.
Ich verspüre einen schrecklichen Kopfschmerz,
schlage die Augen auf. Ich liege in einer düsteren, neogotischen
Halle auf einem klammen Feldbett. Die Wände sind mit dunklem Holz
getäfelt. Ein schmaler Streifen weiß getünchter Wand ergänzt
die Räume zu ihrer vollen Höhe. Dort sind Bretter lieblos hingenagelt
auf denen Tierpräparate sitzen. Ich erkenne ein Wiesel, eine Eule(!),
einen Adler und ein scheinbar schlafendes Ferkel. Es ist Nacht, die Fenster
sind in wüste Schwärze getaucht.
Es tut mir sehr leid, wogt eine Stimme
aus dem Dunkel. Ich versetze mir den Wein STETS hälftig mit
Klarem
Wa
Warum? meine Stimme klingt matt.
Weil stets' rückwärts und vorwärts
gelesen GLEICH ist! Und also ist alles eins.
Mühsam erhebe ich mich von meiner Pritsche:
Ist das dein Wohnzimmer, Rammsauter? Sitzt du hier mit deiner Frau?
Welche Art Leben ist das hier?
Ich habe keine Frau, stößt
der Pfarrer fast singend hervor und erzählt: Ich heiße
Ezechiel Rammsauter und bin 47 Jahre alt. Geboren wurde ich als Sohn eines
EVANGELISCHEN Missionars auf den Tonga Islands. Meine Mutter starb im
Wochenbett, als habe mein Leib sie vergiftet. Ich habe keine Geschwister.
Als ich 7 Jahre alt war, wurde mein Vater im Zuge einer SCHOLASTISCHEN
Diskussion mit einem Fisch erschlagen. Der Täter wurde nie gefasst,
ja nicht einmal der Fisch wurde gefunden, man fand nur ein paar Gräten
und den Schwanz.
Einsam durchlitt ich meine Jugend. Als ich die Studienreife
erlangt hatte, nahm ich den nächsten Flug nach Deutschland und begann
Theologie zu studieren.
Ich war ein Gefangener dieser Insel gewesen, aber
festzustellen, dass die Freiheit den Menschen allenfalls zum zufälligen
Verschwenden seiner ZUM WUCHERN BESTIMMTEN Pfunde in den Stand setzt,
war schlimmer, als alles Erlebte. Aber dann trat sie in mein Leben. Sie
war feurig, begabt und von einem ungeheuer sinnlichen Zugriff aufs Evangelium.
Beate. Beate. Meine spätere Frau. Sie lehrte mich verzeihen, Geduld
und Demut. Ich zeigte ihr das Licht, die Finsternis, den Zorn.
Nach unserer Hochzeit und unseren Examina übernahmen
wir eine Gemeinde in New York. Niemand wollte es dort aushalten. Schmutz,
Drogen, Notzucht und Mord. Am Tage unseres Einzugs peitschten die MG-Garben
über unsere Häupter und in der ersten Nacht warfen die Ratten
ihren Unrat nach uns. Aber wir fürchteten uns nicht. Noch nicht.
Eines Nachts geschah es: Eines der sagenumwobenen weißen Krokodile,
die in der New Yorker Kanalisation blind und elend vegetieren, wagte sich
an die Oberfläche und drang in meine Kirche ein, wo Beate und ich
gerade im Gebet wetteiferten. Und es fraß meine Frau, obwohl ich
mich schreiend an ihrer Statt anpries.
Ich kehrte zurück und übernahm diese Gemeinde.
Ich gründete einen Gesprächskreis für junge Menschen, der
regen Zulauf erfuhr. Sollte ich Frieden gefunden haben? Plötzlich
aber wandten sich immer mehr junge Menschen von unserem Kreis ab. Nur
sechs blieben übrig.
Da erschien mir letzte Nacht im Traum das weiße
Krokodil und sagte, was ich längst wusste
Rammsauter macht eine Kunstpause und schaut mich
schauerlich an.
W
was, frage ich schmerzensblind.
Satanismus. Eine, wenn nicht die Geisel unserer
Zeit. Geheimorganisationen, unvorstellbar weit verästelt. Katakomben.
Leichenberge. Der Antichrist.
Ich weiß nicht
ES GENÜGT, DASS ICH WEIß! ICH WEIß
DOCH, WAS ICH GLAUBE!!
Ich ziehe es vor zu schweigen.
Es ist bekannt, fährt Rammsaure
fort, dass gerade die Polizei von diesen Finsterlingen durchseucht
ist, dass die Telefone abgehört werden. Also habe ich einen zuverlässigsten
Knaben losgeschickt
den Rest weißt du.
Er schweigt.
Wo ist dein Hund?, flüstere ich.
Tot. Er hat sich noch nach Hause geschleppt,
im Garten brach er zusammen. Er hatte Aids.
Ich bitte Rammsauter, Schmoll anzurufen. Ich brauche
jetzt meinen Partner.
Ich, mampf mampf, sehe also richtig,
dass Ihr einziger Beweis, Herr Pfarrer, ein geträumtes weißes
Riesenkrokodil ist.
Und der Tod des Jungen?
Wir könnten die restlichen fünf dieses
Gesprächskreises ja immerhin mal verhören, schlage ich
vor. Schmoll wiegt nachdenklich das Haupt.
Ich werde Euch mit GOLD vollstopfen, so ist
das nicht!, heult Rammsauter auf.
Na ja, sage ich, aber viel haben
wir nicht in der Hand.
Rammsauter hebt beschwörend die Rechte und zeigt
uns seine Handfläche. Sie ist durchbohrt.
Das ist wenig. DAS IST ALLES!
Er trägt Stigmata, flüstere
ich beeindruckt.
Soll doch jeder rumlaufen wie er will,
wiegelt mein Partner ab, aber gut, versuchen wirs.
Spät nachts sitze ich in einem Wohnzimmer und
telefoniere mit Schmoll. Draußen stürzt Wasser aus den Wolken.
Ich bin verwirrt. Und ich bin angriffslustig:
Wir müssen uns die fünf Übrigen
rannehmen, sage ich. Es ist wichtig, RASCH Licht ins Dunkel
zu bringen
zupacken
Wenn man mit Schmoll telefoniert, redet und denkt
man ständig gegen eine höchst enervierende Geräuschkulisse
aus Mampfen, Lutschen, seltener Kauen und Beißen an.
Worauf willst du hinaus, schmatzt Schmoll
dazwischen. Noch ist nicht bewiesen, dass der Pfarrer nicht irr
ist.
Schon möglich, das heißt, wahrscheinlich
ist er irr. Aber der Mord an diesem Wohlenberg bleibt
Schmoll gibt einen zustimmenden Summlaut von sich.
Wir hätten gleich vorhin eine Namensliste
aufnehmen sollen, bereue ich dann, wir hätten Zeit gewonnen
Es eilt sicher, meint Schmoll, aber
so sehr eilt es dann auch wieder nicht.
Ich hänge ein. Ohne, dass ich es benennen kann,
beginnt die Gnade des Glaubens ihr zauberisches Werk in mir. Die Frage
ist nur, an WAS ich neuerdings glaube. Das Gefühl ist eine irgendwie
brandige Aufgeregtheit hinter dem Brustbein, die seltsam hoffnungslos
und getrost zugleich stimmt. Ich verfalle Rammsauter.

06.03.2010
Die Kä(ß)seglocke
Folgen Sie CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede,
in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf dass die Funken
sprühen. Regelmäßig alle 14 Tage
Heute begibt er
sich auf die Sinnsuche.
Olympische Nachlese selbst Erlittenes
und einmal mehr: Zauberer Alkohol ist da ein verborgner Sinn in
allem? Und was machen wir mit Käseglocke, Spargelpulver und Innovation?
Mal sehen.
Auf der Terrasse gedachte ich eben noch, ein Verb
zu erfinden: überglocken.
Gut, dass ich es nicht gemacht habe.
Überglocken ist mir zweifellos aus
dem hintergründigen bis unbewussten/vergessenen Wissen um die Gerätschaft
Käseglocke gekommen.
Gibt es eigentlich noch Käseglocken?
Wenn ja, wo?
Wenn nein, warum nicht?
Unlängst las ich in einem ehedem linksradikalen
Buchladen wie in diesen Kreisen üblich natürlich ohne
Vertrag. Das mündlich vereinbarte Honorar entfiel, da der Veranstalter,
wie er mir telefonisch mitteilte, davon ausgegangen war, ich läse
für umme.
Er würde aber gerne auf seine Kosten mit mir
saufen und essen, dann irgendwann. (Was übrigens teurer käme,
als das lächerlich geringe offensichtlich nicht-vereinbarte Honorar.)
Die deutsche Oberbischöfin Käßmann
ist zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Zeilen ganz frisch beim betrunkenen
Autofahren erwischt worden.
Google-News meldet stündlich steigende Promillewerte.
Drei Varianten, was in den nächsten zehn Tagen,
bis zum Erscheinen meiner heutigen Zeilen geschieht:
1. Nichts.
2. Rücktritt nach erheblichem Aufruhr bis in
höchste Kreise der Politik.
3. BILD: Hannover geschockt: Enki tot, Käßi
blau.
Bei meiner kostenlosen Lesung wurden zwei Töpfe
Gulaschsuppe mit dem Taxi angeliefert bzw. mit zwei Taxis.
Überglocken ist mir wegen Käseglocke
gekommen, Käseglocke wegen Käßmann, und da waren es eben
die (Stand 11.58 Uhr) 1,54 Promille, die den Leser fesseln.
Promille spielten dann auch bei meiner kostenlosen
Lesung eine Rolle, da der kreative Veranstalter vor die Taxisuppen noch
eine Weinprobe geschaltet hatte.
Die sie durchführende Dame, im C&A-Blazer
etwas abständig (und zwar positiv) großenteils verfallenen
68er Gelump im Raum, spulte souverän ihr Verkostungsprogramm ab,
gespickt mit Scherzen, die als Zielgruppe eher den Odenwälder Mittelständler
in käßmännischer Stimmung anpeilten.
Das Volk nahms gelassen, schwätzte dazwischen,
trank.
Curling, so fällt mir gerade auf, ist der letzte
Sport, in dem ich noch ganz normal Olympiasieger werden könnte. Auch,
weil im Curling ein heiterer, ja kindlich-froher Umgangston den Stress
des Wettkampfes mildert mit irgendwelchen seelenlosen Kampfmaschinen,
ostdeutschen Bobtitanen gar, käme ich menschlich nicht hin.
Hingegen der deutsche Curling-Kapitän, über
das ihm an den Hosenbund montierte, indiskrete Mikro, nach einer Niederlage
gegen was weiß ich: Usbekistan deutlich zu vernehmen:
Ich geh jetzt mal aufs Klöchen!
Wo so ein zart zagend Miteinander ist, da griff
auch ich zu gern nach Lorbeer vom Olymp!
Zumal Curling, das lehrt Wikipedia, aus seiner schottischen
Genese die schöne Sitte bewahrt hat, dass die siegreiche Mannschaft
der unterlegenen einen Drink spendiert.
Auf meiner kostenlosen Lesung, die dank Weinprobe
und Taxisuppen erst gegen 21 Uhr begann, saß ich ab 19 Uhr an einem
roten Campingtischchen quasi zur Schau gestellt vor der
zunehmend pappsatt erschöpften und gleichwohl geselligen Zuhörerschaft.
Da war mir zwischendurch ein bisschen langweilig und ich griff wahllos
in ein Bücherregal zu meiner Rechten. Zufallstreffer:
Haben die Surrealisten die Twin-Towers gesprengt?
Ich würd mal sagen: Nö.
1,5 Promille ist schon ganz knackig bei einer
ja keineswegs dicken Person, wie der bedrängten Hirtin, und ihrer
weiblich-zarten Leber kann man von drei Herrinnengedecken (Pils plus Kurzer)
ausgehen, wenn nicht einem Liter Abendmahlsschoppen. Sie sei über
sich selbst erschrocken, ließ Bischöfin Käßmann
in einer ersten Stellungnahme verbreiten.
Er wiederum sei himmelhoch jauchzend und zu Tode
betrübt, ließ Georg Schorsch Hackl (Rodellegende)
wissen.
Der totgerodelte Georgier stimmt natürlich düster,
aber Gold für Deutschland reißt es wieder raus.
Wo steht eigentlich, dass man auf so einem Curlingstein
nicht sitzend mitgleiten darf?
Und also fügt sich alles? Hackl, Käßmann,
der Suppenbuchkasper und ich werden ein Curlingteam!
Hackl rodelt die Steine an den gewünschten Ort,
mein Veranstalter klaut die der Gegner, Käßi und ich spendieren
und lassen spendieren!
Ich fürchte, das reicht nicht.
Denn: Man müsse innovativ sein. Man könne
das Radel nicht immer neu erfinden, aber man müsse ...,
hier rang er um Worte, der erfahrene deutsche Biathlet im ARD-Porträt
und sagte dann: ... halt innovativ sein!
Seine blutjunge, recht eingeschüchterte Freundin
ergänzte: Er sei anstrengend, er fordere viel, aber er tue ihr damit
gut.
Dann absolvierten beide den ersten Gleitschirmflug
ihres Lebens, um den es war in Sachen Innovation gegangen.
Man kriegt halt doch nicht alles zusammen und auch
sie steht zum Zeichen meines Scheiterns allein am Schluss: Die Käseglocke.
PS: In der ayurvedischen Medizin ist Spargelpulver
schon lange DIE Potenzhoffnung: einfach in Milch auflösen und einen
Monat lang trinken. Bild-Online, du bist mir über.

20.02.2010
Verschwörungen überall
Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in
seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert,
auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage
Heute geht es um zwei Schicksalsfragen der Menschheit:
Paranoia & Dummheit.
Bilde ich mir es nur ein, oder weht uns der Zeitgeist
eine anwachsende Zahl von Verschwörungstheoretikern vor die Füße?
Es ist doch etwas salonfähiger geworden, auch jenseits radikaler
Positionen, besser gesagt: diesseits, finstere Ränke zu vermuten?
Ja, es gab so was immer, aber zwischendurch war es etwas weniger geworden.
Möglicherweise nach dem Mauerfall setzte ein gewisses Vertrauen in
so etwas wie Wahrheit ein das musste schief gehen. Aber muss es
dann auch gleich wieder in so düsteren Dialektikabusus geraten?
Also: Die Amerikaner haben die Twin-Towers selbst
in die Luft gejagt, um Grund für Kriege zu haben und einem bis dato
schlagflüssig dahindämmernden Präsidentendepp eine Beschäftigung
zu geben? Man muss sie nicht alle lieben, den Letzterwähnten gleich
gar nicht, um die offizielle Version für doch um ein Vielfaches wahrscheinlicher
zu halten. Mögen wir nicht alles wissen im Groben wissen wir
schon , dass da ein paar parfümierte Herren mit Teppichmessern
unterwegs waren.
Es fällt mir weiter auf, dass mittlerweile auch
ursprünglich für zurechnungsfähig gehaltene Zeitgenossen
aus dem Bekanntenkreis (nicht Freundeskreis) schon auch mal wieder laut
darüber nachdenken, dass die Juden doch immer und überall unbeliebt
waren, dass sie ja gerade so im Finanzsektor
Finanzkrise
Wer da wohl die Finger im Spiel hat, und ob der wohl Kirchensteuer zahlt?
Nicht wahr, man meint ja nur!
So weit so widerlich.
Und selbst gehört und doch sehr dumm: Deutschland
hat deshalb kein Tempolimit, weil die Politik so dem Bürger eine
Triebabfuhr spendiert, ohne diese er längst auf die Barrikaden ginge.
Aber klar doch, wenn irgendwelche Geschwindigkeitswichser
ausgebremst würden, brächten sie endlich massenhaft zum Ausdruck,
dass die leeren Rentenkassen noch gar nix mit Überalterung zu tun
haben, weil nämlich derzeit die geburtenstarken Jahrgänge am
Schaffen und Zahlen sind, dass Sozialabbau wunderbar gelingt, wenn man
den Leuten nur genug Angst macht. Unsere Potenzpiloten sind einfach zu
entspannt nach ihrer Raserei, um sich in den politischen Diskurs zu mengen.
Wir wollen anscheinend alles glauben, nur nicht das,
was wir tagtäglich erleben: dass die wahre Weltmacht DUMMHEIT heißt
und allüberall quillt und gedeiht. Es sei deutlich gesagt: Auch unter
meiner darob schmerzhaft bedrückten Schädeldecke.
Wir denken immer noch, eine planvolle, finstere Bosheit
sei am Werk, wo doch einfach nichts am Werk ist, einfach blödes Zeug
passiert. Deppen hochgespült werden und deppige Maßnahmen ergreifen,
um oben zu bleiben.
In Heidelberg gibt es einen zentral gelegenen Platz,
benannt nach dem großen Bismarck. Um ihn zu überqueren, braucht
man zehn Minuten, nicht weil auch er groß wäre, sondern weil
man sein Leben schnell dahingeben kann, wenn man auch nur eine der geschätzten
fünfzehn verschiedenen Bus- und Bahnlinien, die ihn leider ebenfalls
pausenlos überqueren, übersähe.
Der Platz war im Mittelalter ein Hafenbecken, schon
das hat scheinbar nicht funktioniert. Man schüttete auf, legte trocken,
siehe da, die Straßen fluchteten nicht seitdem baut man ihn
um. Und es ist also über Hunderte von Jahren noch nicht einmal gelungen,
in einer nicht allzu großen Stadt eine ebene Fläche überquerbar
zu machen.
Mir fiele beim besten Willen nicht ein, welchen Nutzen
Freimaurer, Juden, weitere übliche Verdächtige aus diesem Mist
ziehen wollten.
Wiewohl! Die Tatsache, dass etwas keinen vordergründigen
Sinn hat, ist natürlich für den Schurken die beste Tarnung!
Beim Bismarckplatz kriege ich es nicht hin, aber wie wäre das?
Der Vatikan ist gar nicht katholisch! Sicher, je
eben, ja, siehe oben, die Tarnung ist scheinbar perfekt: Es riecht nach
Inkontinenzwindeln und heimlich gekipptem Cognac, die umherirrenden Kasparen
verkünden schlimmes Zeug, der ein oder andere Ministrant büßt
die Fähigkeit schmerzfrei zu sitzen ein aber Kohle machen
die Herren, denen man mehrheitlich nicht mehr zutraute, einem Automaten
einen Fahrschein zu entlocken Kohle machen die Herren satt.
Was ist passiert? Schon vor dem zweiten Weltkrieg
haben Juden den Vatikan unterwandert! Jawohl! Ratzinger soll ja laut Biografie
im dann (von Russland und Polen und Belgien eigentlich begonnenen) Weltenbrand
gekämpft haben. Sieht dieser faselnde Geißbock denn aus wie
einer, der eine Knarre bedienen kann? Eben. ER WURDE AUSGETAUSCHT! Der
echte Ratzinger ruht auf dem Grunde eines masurischen Sees! Stattdessen
zieht ein greiser Agent des Mossad die römischen Strippen!
Beweise? Die verräterische Ausfälligkeit
Benediktens gegen Moslems, kurz nach Amtsantritt, die auffällige
Annäherung bereits seines kartoffelköpfigen Vorgängers
an die offiziellen Juden sowie die Schweinegrippe, denn, gerade weil die
Schweinegrippe so an sich nichts mit dem Vatikan zu tun hat wobei,
oho!
Ich glaube tatsächlich, dass die Schweinegrippe
eine von der Pharmaindustrie gehypte Sache zum Zwecke großen Geldmachens
ist. Mithin bin ich also auch Verschwörungstheoretiker. Scheiße.
(ABER: Klosterfrau Melissengeist klingelts da nicht? Jaja,
altes Heilmittel bei GRIPPE! Muss man mehr erklären? KLOSTERfrau!)
Geht schon so Richtung Kollege D. Brown.
Also wer schreibt den Scheiß? Ich habe keine
Lust.
Lieber überlege ich, ob Öttinger sich in
Brüssel weiland deshalb besoffen hat, hierbei eine Spaßbrille
aus Tee-Eiern trug, weil er EU-Kommissar werden wollte! Und wusste
so gänzlich ohne Ausstrahlung, Wissen und Geisteskräfte
er würde das nur werden, wenn er der gestrengen Preußin in
Berlin einfach zu widerlich würde.
Ich bin mir fast sicher, dass Sigmar Gabriel eigentlich
ein zur Askese neigender Mensch mit niedrigem Grundumsatz ist und spachteln
kann wie ein Eber, ohne zuzunehmen aber er hat früh gespürt,
dass seine Zeit kommen wird, dass seine Partei irgendwann, nach den Jahren
unter Zuchtknuten sehniger Feldwebel, einen Knuddelkurt an der Spitze
braucht, eine Art großes Kuscheltier, zu dem es die Menschen hinzieht:
um ihn in die Backen zu zwicken, ihn an den drallen Ohrlöffeln zu
ziehen, ihn liebevoll zu pieksen und dann, vor lauter Behaglichkeit, ihn
zu wählen. Sigmar Gabriel besteht zu fünfzig Prozent aus Botox.
Ich weiß allerdings, dass wir, besser gesagt
unsere amerikanischen Kumpels, auf dem Mond waren. Warum? Wenn nicht,
hätte einer ausgepackt, ganz bestimmt. Bei der Fülle von Alkoholikern,
ausgebrannten Figuren, Scheidungsleichen, die solch ein Vertuschungsprojekt
notwendigerweise erzeugte, ist eine solche Lügendisziplin schlicht
nicht zu erwarten. Das wäre ja so, als wären Krimiautoren in
Wirklichkeit ein frustrierter Haufen, der es leid ist, nicht ernst genommen
zu werden, dubiosen Nachwuchs aus Volkshochschulkursen abzuwehren, von
Lektoren und Verlagen ausgenutzt und vom Feuilleton verachtet zu werden.
Wäre das so, würde doch bestimmt mal einer von den vielen Alkoholikern,
ausgebrannten Figuren, Scheidungsleichen, die sich im Geschäft tummeln,
auf den Tisch hauen. Macht aber keiner.
Also. Krimiautoren sind fröhliche, schlichte
Schreibgemüter, Heißa!
Obwohl: Es gibt da ein Foto von der ersten Mondlandung,
wenn man da die rechte untere Ecke stark vergrößert und dann
röntgt, sieht man die Ahnung eines Schweizer Gardisten. Und der hat
die Hose offen. Man sieht, dass er beschnitten ist! Manche Experten meinen,
es könne sich um Urs Salommon handeln, einem Juden Schweizer Herkunft,
der (offiziell!) zwar beim Skifahren ums Leben kam, sicher aber mit seinem
Bruder Beat davor (und wer weiß? Auch danach?) das Alphornduo Magic
Twins bildete.
Twins!
Obacht!

06.02.2010
Humbadumpfballera
Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in
seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert,
auf dass die Funken sprühen. Das passiert regelmäßig alle
14 Tage
Heute beschäftigt er sich mit letzten Dingen, also
mit der Frage: Was ist ein Krimi?
Als mein Sohn noch klein war, war wohl irgendwas
Neuronales noch nicht hundertprozentig verknotet jedenfalls konnte
man ihn auch dann ansprechen, wenn er schlief und erhielt so manche interessante
Antwort. Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht, denn ich bin
immer vor ihm im Bett und es empfiehlt sich nicht, den sportlichen Einsneunziger
morgens vor 16 Uhr in seiner Kemenate aufzusuchen, man könnte ihn
versehentlich wecken und erlitte dann das Schicksal von Roy, dem von Siegfried
und Roy, dem der weiße Tiger ins Hirn gebissen hat.
In jenen fernen Zeiten, als ich noch stärker
war, fragte ich ihn einmal: Kennst du den Sinn des Lebens?
Der schlafende Sechsjährige nickte.
Wie lautet er?
Awelligll-löff-löff-grunz.
Es wäre auch ein bisschen einfach gewesen.
Was hätte er wohl geantwortet, hätte ich
ihn gefragt: Was ist ein Krimi?
Vermutlich: Humbadumpfballera.
Und hätte damit, als Kommentar zur Frage, vollkommen
recht gehabt. Wir wissen ja bei vielem nicht, was es ist, und kommen mit
den schwammigen Begriffen dennoch klar: Wir wissen beispielsweise nicht
genau, wann ein sprachliches Agieren anfängt, ein Gespräch zu
sein. Die strenge Definition wäre: Wenn einer redet und jemand hört
zu.
Mithin wäre das Kommando: Feuer!
im Rahmen einer Exekution ein Gespräch.
Etwas weiter gefasst: Einer sagt was, jemand antwortet:
Arschloch! Wichser!
Oder auch: Zahlen, bitte! Ja.
Stellt irgendwie auch nicht so ganz zufrieden.
Wir wissen weiterhin nicht, was ein Text ist. Ab
zwei Sätzen?
Dann wäre dieses sprachliche Gebilde, das Sie
gerade lesen, da es nur aus einem Satz besteht und freilich neben seiner
selbstreferenziellen Daseinsberechtigung auch noch darüber belehrt,
dass wir noch nicht einmal wissen, wie Papst Benedikt in den Ruf des scharfsinnigen
Intellektuellen gelangt ist, der er doch eher wie ein seniler bayrischer
Dorffriseur rüberkommt und leider auch agiert, kein Text.
Die radikale Gegenposition, wäre: Alles ist
Text. So wir keine in die Jahre gekommene, eitle französische Philosophielaffen
oder deren alberne deutsche Kostgänger sind, bleibt das auch dünn.
(Und wie ist eigentlich Günther Öttinger
überhaupt irgendwas geworden? Und Guido?)
In Sachen Krimi ist es halt leider grade so verworren.
Muss in einer Geschichte ein Verbrechen geschehen,
einfach irgendeines, damit wir sie als Krimi lesen? Mir fällt auf
Anhieb kaum ein Buch ein, in dem so gar nichts Ungesetzliches geschieht.
Zumindest die Granden der deutschen Gegenwartsliteratur zählten samt
und sonders zumindest mit einzelnen Titeln ihres Lebenswerks zu uns Krimiautoren,
könnten, ja müssten in die Krimischreibervereinigung Syndikat
eintreten, ihren Jahresbeitrag in kleinen, nicht nummerierten Scheinen
entrichten
Stopp, stopp, von des deutschen Krimischreibers humoriger
Selbstkastration hatten wir es ja schon mal.
Ists Krimi ab Mord? Wohl kaum. Ein Buch, das
sich mit der mühseligen Ermittlung einer Münzfälscherbande
abarbeitete, wäre dann keiner. Grassens Im Krebsgang aber sehr wohl.
Braucht es einen Ermittler? Wenn überhaupt,
so spielen ermittelnde Figuren in Patricia Highsmiths Ripleyromanen eine
denkbar subalterne, verzichtbare Rolle. Auch bei Agatha Christies Last
Weekend wird nix ermittelt, aber alles umgebracht. Und es gibt noch mehr
Beispiele, aber ich habe jetzt eigentlich keine Lust mehr, welche zu suchen.
Es bleibt wohl bei: Humbadumpfballera. Oder aber
raffiniert, ja talmudisch: Ein Krimi ist ein Buch, auf dem Krimi steht,
weswegen es dann auch gekauft wird, und deshalb steht Krimi drauf.
Ach, wie schön wäre die Welt, gäbe
es neben der Etikettierung Krimi eine noch abwertendere, die
da hieße: Rauni. (Für die Doofen: Für alles
was raunend, tiefgängerisch und wolkig daherkommt.)
Peter Handke legt mit seinem neuen Buch Serbisches
Requiem einen soliden Rauni vor, wie ihn seine Fans lieben nichts
wirklich Neues, aber das, was er kann!
Ein Altmeister des ausgefeilten Raunis, Siegfried
Lenz, meldet sich nochmals zu Wort unterhaltsam, kultiviert
eben beste Unterhaltung!
In seinem Kurzkrimi Kinder und Wölfe gerät
Carlo Schäfer ein ums andere Mal in die Gefahr ins Trivialgenre Rauni
abzugleiten
Alles in Allem: Feuchtgebiete eröffnet dem Rauni
eine neue Dimension, man möchte fast sagen, versöhnt zwei
freilich reichlich triviale Genres: Den Rauni und den Schweini!
Bliebe jetzt, um die Sache rund zu machen, noch irgendwas
Literarisches, um auch noch Poldi unterzubringen?
Mir fällt momentan nichts Rechtes ein, es sei
denn wir verständigten uns, dass Poldi, die eher putzige
Form des literarischen Verrisses darstellte. Also nicht die Tiraden des
greisen R.-R., sondern was eher Niedliches, dem dann auch phonologisch
entgegengekommen sei, weg mit dem harten [t] in poltern, hin
zu eben Poldi:
Für die Grammatikfehler (der Genitiv
war öfter dem Dativ sein Tod) mache ich den Lektor verantwortlich,
er hätte sie zumindest bemerken und korrigieren müssen. Wie
es dieser talentlose Autor geschafft hat, mehrere Bücher verlegen
zu lassen (bis hin zu Sonderausgaben) und diese auch noch zu verkaufen,
ist mir ein Rätsel. Ein quälend langweiliger sog. deutscher
Kriminalroman. Das muss man nun wirklich nicht lesen.
Da ich in der Nähe von Heidelberg wohne, fand ich es reizvoll
in diesem Buch bekannte Orte wieder zu finden. Soweit kam es aber gar
nicht, da der Schreibstil des Autors unerträglich ist. Es liest sich
einfach nicht flüssig, man stolpert immer wieder über merkwürdige
Stellen. Das kann bei experimenteller Literatur interessant sein, aber
in Krimis lenkt es von der Handlung ab, stört einfach nur und ist
ärgerlich
Leider schafft es der Autor nicht, die nötige Tiefe zu
erreichen, um seine gesteckten Ziele glaubwürdig zu erreichen. Bei
vielen Passagen fragt sich der Leser, was sie sollen. Warum z.B. beschreibt
der Autor, wie die deutsche Jungstaatsanwältin mit türkischen
Eltern, die natürlich stets mit Vorurteilen zu kämpfen hat,
beim Masturbieren im Wohnzimmer von dem jungen Mädchen 'erwischt'
wird, deren Mutter Alkoholikerin ist und um die sich sich die Staatsanwältin
daher kümmert ... ? Peinlich.
Doch, doch, mal mindestens diese drei (scheu in ihrer
originalen Diktion und Orthographie belassenen) Amazonrezensionen meines
Erstlings Im falschen Licht zwingen ihn geradezu mäeutisch ans Licht:
den Poldi.
Und dass diese ganzen i-endenden Wörter eklig
sind, darüber müssen wir uns ja gar nicht verständigen.
Der Sportreporter Jürgen Ehmig nannte einst das deutsche Tischtennisdoppel
Rosskopf und Fetzner Speedy und Rossi. Jetzt ist
er im Knast. Recht so.
Zum Schluss was Schönes:
Ein dicker Mann sieht mir zu, wie ich an der Bushaltestelle
ein Brötchen esse. Er sagt: Guten Appetit! Ich danke.
Er betrachtet mein Brötchen und sagt: Man
brauchts halt manchmal für den seelischen Ausgleich.
Ich liebe ihn.

23.01.2010
Frühwerke
Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in
seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert,
auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage
Heute bekommen wir einen erschütternden Einblick
in eine seiner früheren Schaffensperioden.
Neue Serie: Frühwerke, die niemand verlegen
wollte! Dabei sind die Frühwerke gar nicht so schlecht! Zumindest
nicht alle! Ein Beispiel? Aber gern:
I. Aus meinem Roman: Captain DJ:
»[
] In der Dusche befühle ich hasserfüllt
meinen abgelebten Körper. Nein, die große Party ist das nicht,
dieses Leben. Es ist mir egal. Ich bin Radiocop, kein Job für Menschen
mit Gefühlen.
Jetzt klingelt das Telefon. Entweder einer meiner
Partner hat seine Schmutzwäsche in meinem Auto vergessen, oder der
Urlaub findet mal wieder ein rasches Ende. -RRRiiiiing- Oder die Zeugen
Jehovas brauchen einen Irren für die Bahnhofstür.
Ich nehme ab und bin eine halbe Stunde später
in der Zentrale.
Schmand ist eine Art Boss von mir. Zumindest ist
er für mich zuständig und weisungsberechtigt, wenn ich in der
Zentrale bin. Draußen, im Einsatz, ist jeder von uns auf sich gestellt.
Wir sind die Radiocops und haben einen mächtigen Feind: Die MUSIKANTEN
mit ihrem Gott SILBERSTAHL. Keiner darf von unserer Arbeit wissen, aber
wenn es uns nicht gäbe, hätte man auf der ganzen Welt Seppelhosen
an.
Ich hole tief Luft und betrete das Büro. Auf
dem Boden liegen tote Fliegen. Die Wände sind getüncht, da des
Herrn Duft Tapeten löst. Einziger Schmuck ist ein Poster von Mutter
Theresa, der Schmand in einer einsamen aber sicherlich doch fröhlichen
Stunde eine rektal eingefügte Karotte hingepinselt hat.
Schmand wischt sich Schleim vom Kinn und streicht
ihn hinters Ohr:
DJ, du siehst blass aus, -brüps- soll
ich dich ohrfeigen?
Warst du mit nem Geier essen?
Sei nett, DJ, ich hab ein Magenleiden. Wie
wars in Sydney mein Junge? Du sollst ja kräftig aufgemischt
haben -ö-
Ich denke, wir haben da eine Zeit lang Ruhe,
SILBERSTAHLs Leute haben kein Schlupfloch mehr, die müssen wieder
mit Blockflöten anfangen.
Schmands Körper wird von einer Zuckung beschäftigt,
er erbricht etwas Rotbraunes. Nicht viel, aber so heftig, dass er es nicht
ganz abfangen kann und ein Teil der ekligen Masse in einen aufgeschlagen
Aktenordner tropft.
Schmand schließt den Ordner und führt
völlig gefasst unser gutes Gespräch weiter:
Wir sind da nicht so sicher, SILBERSTAHL trifft
sich anscheinend zurzeit mit dem WALZERKÖNIG und teilt den ozeanischen
Markt auf, als ob nichts geschehen wäre
Hör mal, wir haben dreizehn unterirdische
Jodelschulen plattgemacht, 61 krachlederne Hosen vernichtet, eine hat
Zenit sogar gegessen
Ruhig, Junge, nicht so empfindlich oder -grchüps-
ich atme in deine Richtung. War kein Vorwurf, wirklich nicht, ihr Jungs
seid da ganz auf euch gestellt, vollkommen allein, da ist es natürlich
auch möglich
Ich hasse Schmand. Ich hasse ihn, weil er stinkt.
Ich hasse ihn, weil mein Leben stinkt. Ich hasse ihn, um nicht einzuschlafen.
Worauf willst du hinaus?
Naja, wenn ihr drei einen Monat in Sydney die
Haie gekrault habt, können wir das schließlich nicht überprüfen
Hör zu: Mein Team und ich, wir halten
jetzt schon seit Jahren die Stellung. Wir haben uns durch die Pariser
Kloaken gekämpft, in London haben sie mir durchs Ohrläppchen
geschossen und meinem Partner Aldi Quecksilber ins Badewasser gekippt.
Die Erinnerung treibt mir Tränen unter die Achsel.
In Rom haben SILBERSTAHLs Leute uns in Frauenkleidern ausgesetzt
und in Dresden hatte unser dritter Mann ein kleines Treffen mit acht jungen
Glatzköpfen und seine einzige Waffe war eine Spritzpistole voll Essig
Zenit ist ein harter Bursche
Radiocops sind harte Burschen. Um die Welt
vor den MUSIKANTEN zu bewahren, nehmen sie alles auf sich. Aber es gibt
auch für uns den Punkt, wo wir verzweifeln. Wenn man nach Hause kommt
und grade mal zwei Stubenfliegen zärtlich winken. Man ist so einsam,
dass man sich über Prospekte für Heizdecken freut. Und weil
es nicht genügt, dass wir so populär sind wie die Prellball-Nationalmannschaft,
weniger Freunde haben als ein Leprakranker mit Schulden und so viel verdienen
wie jemand, der sich auf den Handel mit leeren Feuerlöschern spezialisiert
hat, gibt es ja noch unseren zuständigen Abteilungsleiter, der unsere
Arbeit einzuschätzen weiß, uns Lob und Anerkennung spendet
Junge, ich habs doch nicht böse
gemeint, ich liebe euch kleinen Schnüffler, ehrlich, wie meine Söhne,
von denen hat jeder seine Zeitung zum Zudecken
DJ, ich muss euch
leider euren Urlaub vermiesen
Wann gehts los?
In -üüüüü- drei Stunden.
Wohin?
New York City. SILBERSTAHLs Leute haben zwei
Schuhplattler in die örtlichen Rapcharts gebracht, n alter
Freund von dir scheint drin zu stecken, soll ein ausgeschlafener Witwer
sein, schwer wie n Traktor. Hat letzte Woche leider jemand Schreckliches
zu Besuch gehabt.
Dirty Groove, auf ihn hätte ich meine Prostata
gewettet. Na, dann werd ich mal mein Team zusammentrommeln
DJ, Herzchen, längst passiert, wir warten
alle nur noch auf dich
Ach ja, die Sache in Taiwan neulich hat
den Oberen gefallen, du bist jetzt Captain.
Und was heißt das?
Du hast Anrecht auf eine Portokasse und kriegst
dafür kein Weihnachtsgeld
komm, wer will von dir schon ein
Geschenk
Schmand
?
Ja, Süßer?
Wer ist unser Boss?
Keine Antwort DJ, das weißt du
Machs gut, du Lauser, werd an dich denken -rüäch-. -kötzel,
kötzel-
Mein kleiner finnischer Kampfgenosse Zenit hat den
Flug großenteils verschlossen vor sich hin hinbrütend verbracht.
Als wir auf unser Gepäck warten, fragt er schließlich:
DJ, was ändert sich eigentlich, wenn du
jetzt Captain bist?
So, wie ich das verstanden habe, gar nichts.
Ein Beruf, an dem man zerbrechen kann,
sagt Aldi traurig.
Leider redet er immer, als sei er auf der Abendschule,
aber man gewöhnt sich daran. Schlimmer ist, dass er sich für
einen verkappten Dichter hält, denn seine Poesie ist grausig. Aber
er ist ein ausgezeichneter Radiocop, wie auch Zenit in gewisser Hinsicht,
wir sind Partner. Mein Team, meine Familie, meine einzigen Freunde. Es
stimmt schon, das mit dem Zerbrechen.
Zenit trägt alle drei Koffer:
Haben wir schon ein Hotel?
Radiocops wohnen im Lizzard.
Ist das gut?
Beschissen, aber garantiert seppelfrei.
Unter solch wichtigen Reden wühlen wir uns durch
die Gepäckhalle. Mir macht ein alter, schlechtvernarbter Bruch der
Harnröhre zu schaffen, ein Zeichen für nichts. Es tut einfach
weh.
Wissen Sie noch, Kapitän, das letzte Mal,
als wir hier waren? Der Auftrag in Long Island
Weiße Häuser, vornehme Leute, strahlend
blauer Himmel, wohlerzogene Kinder, endlose Strände und fünf
heimliche HERZBUBENclubs.
Das muss lange her sein, vor meiner Zeit
Wie alt bin ich eigentlich?
Ich schätze Zenit auf vier, aber behalte es
für mich.
Noch ahnt man nicht die Stadt, man fühlt sich
wie in einer Raumstation mit antiseptischen Zombies, die lichtjahrelang
Rolltreppe fahren, aber ich weiß Bescheid: Wir kommen nicht irgendwo
an. New York, Melting Pot, drei Morde pro Sekunde, fünf Massaker
am Tag, mehr weißes Pulver als Schnee in Davos. Wahnsinn, Blut und
Niedergang. Ich freue mich.
Taxi! Lizzard Hotel, South Bronx.
Der Fahrer bewegt sich etwas ungelenk, als er unsere
Koffer verlädt, aber ich muss mich ja nicht verlieben. Erst mal ins
Hotel, eventuell ein Nickerchen und dann mal schauen, ob wir ein klein
wenig was bewirken können. Halb so wild, den Urlaub hole ich nach,
vielleicht ist es ja dann nicht mehr so heiß, vielleicht vergrößert
sich inzwischen meine Wohnung
Kapitän, der Lenker dieses Fahrzeugs fährt
falsch
Ja, eben, hier ist doch Linksverkehr!!
Ich ignoriere Zenits dümmlichen Irrtum: Verdammt,
du hast recht, Aldi, da gehts nach Brooklyn.
Sehen Sie nur, die Tätowierung in seinem
Genick
Ein blutendes Edelweiß, das Zeichen von SILBERSTAHL,
eine Falle aber einer gegen drei?
Ey, du Straßenkasper, halt sofort an
, schreit Zenit und durchwühlt seine Reisetasche nach
irgendeinem Knüppel. Es riecht zunehmend seltsam, ich schaue Aldi
an:
Zenits Lebertran?
Betäubungsgas!
Unsere Knarren sind im doppelten Boden meines Koffers
und der ist im Kofferraum, das ist prima. Ich verliere wütend das
Bewusstsein. Ich sehe noch, wie Aldis Kopf nach vorne fällt und Zenit
dem Fahrer seinen Waschbeutel übers Gesicht zieht. Dann wird es schwarz
um mich.
Wo sind wir
mein Kopf
?
Im Hotel.
Zenit, du verdammter Finne, wie hast du das
gemacht?
Ich hab nicht mehr geatmet und hab
dann dem Idioten den Kopf abgebissen
war nicht schwer
Aldi liegt im Bett nebenan. Der Kleine muss uns beide
und das Gepäck getragen haben. Viel erstaunlicher ist, dass er die
Meldeformalitäten an der Rezeption bewältigt hat. Außerdem
hat er uns ausgezogen und zugedeckt und er hat einem Menschen den
Kopf abgebissen. [
]«
Herrschaften, das ist Jahre her! Wenn das nicht visionär
war, dann ist dieser Link gar nicht existent!
Sehe leider gerade, dass er tatsächlich nicht
richtig existent ist.
Auch egal.
Youtube
In diesem Sinne.

09.01.2010
"Dieses blöde 46!"
Folgen Sie CARLO SCHÄFER in seine Krimischmiede,
in der er alle 14 Tage auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert, auf
dass die Funken sprühen. Heute: Carlo feiert Geburtstag ...
Vor einer Woche, am 2. 1., wurde ich 46 Jahre alt.
Das ist so richtig Scheiße. Das Datum hat ohnehin nie etwas getaugt
und jetzt werden die Zahlen auch immer dumpfer und vorläufig nichtssagender
(weder alt noch jung), demnächst dann aber nur allzu beredt (alt).
Ich habe mir jegliche Feierlichkeit verbeten, um das Billanzieren der
bisher verbrachten Erdenzeit kommt man, komme zumindest ich (in Wahrheit
ja romantische, zarte Seele) nicht herum.
1964 Geburt. Au!.
1965 Umzug nach Pforzheim kein Kommentar.
1966 Erste Erinnerungen: Papa bringt den Milchschoppen
ans Gitterbett, Milchschoppen ist zu heiß. Deutschland verliert
gegen England. (Echt! Ich weiß es noch!)
1967 Ich werde drei. Meine Schwester sagt:
Dieses blöde drei! Ich weiß nichts zu entgegnen.
Oma Paula hat einen Herzschrittmacher in I-Phone-Größe. Die
fromme Frau lässt ihn mich ein ums andere Mal ertasten, weil sie
völlige Asexualität unterstellt. Sie irrt kaum, aber beim Schaukeln
die Beine zu spreizen verursacht ein eigenartig jauchziges Gefühl.
1968 Ich werde vier, sage meiner Schwester:
Jetzt kannst du nicht mehr sagen Dieses blöde drei!
Sie sagt: Dieses blöde vier! Auch dem kann ich nichts
entgegnen.
1969 Feststellung, dass ich schlecht sehe.
Erste Brille und viele hilfreiche Tipps. Wenn du hinfällst,
zerbricht die Brille, die Splitter zerschneiden deine Augen und du wirst
blind! Ho, Ho, Hojimin! für Lied gehalten und auf
der Straße gesungen.
1970 Einschulung. Erste Prügelei des
bis dato etwas kasparhauserigen Lebens. Große Freude am Niederringen
und Verhauen. Fünf im dritten Diktat, Mutter heult.
1971 Oma Paula (inzwischen mit geringfügig
kleinerem Nachfolgemodell, das ich noch immer durch ihre gewaltige Leiblichkeit
hindurch erfühlen darf), isst Fleischfonduestück direkt von
der fetttriefenden Gabel und häutet sich beträchtlich die Lippen.
Im Fernsehen Lederstrumpf, Angst vor Huronen eigentlich bis heute.
1972 Olympia in München. Sympathie für
den ganz dicken amerikanischen Ringer und das deutsche Hockeyteam. Anfertigung
einer Strichliste für alle Tage bis zum Abitur.
1973 Jahreszahl hässlich empfunden, irgendwie
dick, klobig, nichtssagend. Ölkrise spannend! In Sachen Krieg für
Israel Daumen gedrückt.
1974 Fanatisches Verfolgen der WM. Hass auf
DDR. Unbeschreibliches und so wohl nie wiedergekehrtes Glücksgefühl
nach Niederzwingung der Oranjes im Finale. Gymnasium. Angst.
1975 Eigentlich nichts, allenfalls gleichgültig
wahrgenommene Tendenz zu Spontanerektionen, verwundert und gelangweilt
aufgeklärt geworden. Mittlerweile 11 Dioptrien. Stolz drauf.
1976 Hoeneß verschießt.
1977 Heftig, tierhaft, täglich zwei Mal
wichsen von jetzt auf nachher. Sex im Schädel. Immer. Immer.
Immer.
1978 Partys mit Stehbluesschwerpunkt. Zahllose
bittere Blamagen. Darf Oma nicht mehr abtasten, will das auch nicht.
1979 Wichsen.
1980 Erste Freundin, Mitwirkung in Schülerband.
In beiden Tätigkeitsfeldern ist nachgerade erheblicher Dilettantismus
einzuräumen. Kondomkauf: Ich brauche Kondome. Was haben Sie
denn da?
1981 Zweite Freundin, Fahrschule.
1982 Fahrprüfung durchgefallen, dann
doch bestanden, Mandeln raus, Freundin läuft nicht rund, jetzt volljährig.
Rauchen.
1983 Abi 83
1984 Studienbeginn. Hilflosigkeit und Größenwahn
halten sich die Waage und stabilisieren also den Alltag.
1985 s. 1984.
1986 Versuch das Rauchen zu lassen. Lächerlich
misslungen.
1987 s. 1984, zusätzlich Bier.
1988 Beginn einer neun Jahre währenden
Beziehung, Beginn eines neunjährigen, sinnlosen Leidens.
1989 Beziehung verschlechtert sich bereits
jetzt, Hautausschläge.
1990 Nach Jahren der heimlichen Versuche jetzt
etwas veröffentlichen wollen. Schlechte Texte, sehr, sehr schlechte
Texte. Deutschland Weltmeister Filmriss.
1991 Nun doch Berufsabschlussnähe. Keine
Lust zu arbeiten.
1992 Berufsabschluss geschickt wieder etwas
nach hinten geschaufelt. Beziehung wirklich nur noch Lachnummer, Hautausschläge
werden trotzdem besser.
1993 Ladendiebstahl (Bundstifte), Staatsexamen.
Heirat! (Gut gemacht!)
1994 Nun eben doch arbeiten: Kollegen: Ein
Trinker, ein sexsüchtiger Zwerg, eine Diebin und eine wahnsinnige
Ex-Rennfahrerin. Hat eigentlich Spaß gemacht.
1995 Schulden, schlechte Ehe.
1996 s. 1995 + 1987 + 1984
1997 Scheidung, zwischenzeitlicher Bankrott,
seltsam gute Stimmung.
1998 Jetzt mal was Positives: Neue Familie
und die hält!
1999 Zunehmende Abneigung gegen Wohnsituation.
Beginn eines sinnlosen, neunjährigen Leidens.
2000 Dummes Jahr + Hörsturz.
2001 Erstes Buch in der Mache. Euphorie.
2002 Buch auf dem Markt: Euphorie lässt
nach.
2003 Zweites Buch. Beförderung. Hautausschläge
kehren zurück.
2004 Drittes Buch.
2005 Burnout
2006 Viertes Buch, WM war Klasse.
2007 Fünftes, sechstes, siebtes Buch
+ 2005
2008 Umzug auf Baustelle, kleinere, überlastungsbedingte
Widerlichkeiten innerhalb der Familie.
2009 Je nun.
Wenn man sich das so durchliest, im Geiste hinzufügt,
dass Vieles und natürlich das Allerschlimmste, Dümmste, Peinlichste
und Peinigendste noch weggelassen ist, dann darf man schon mal ein bisschen
Grübeln, ob die reine Lebensverlängerung um jeden Preis, das
einem allüberall entgegen geblökte Bleiben Sie
gesund! sich so leicht, gar recht begründen lässt.
Selbstbefleckung, WM, Getränke sowie ein totaler
Zusammenbruch des bisherigen Lebensentwurfs sind nach Durchsicht der Liste
ganz offensichtlich die Highlights meiner bisherigen Erdentage. Das ist
jetzt schon ernüchternd genug, will man das wirklich noch potenziell
denkbare 7080 Jahre vor sich zugeben?
Allerdings: Ein paar Bücher sollens schon
noch werden! Und im Sommer ist WM! Und wie ich so den Rettungshubschrauber
durch den blauen Winterhimmel pflügend etwas von der Autobahn Gekratztes
in die Uniklinik bringen sehe, spüre ich auch wieder, dass das Leben,
die Welt natürlich auch, Schönes und Schönstes bereithält!
Ohnehin geht es ja jetzt mit Mappus im Südweststadt voran!
Also wage ich zum Ausklang einen visionären
Zahlendreher:
2028 Vierundsechzigster Geburtstag! Zur Feier
des Tages raus in die frische Gottesnatur! Kunstherz ist im Bollerwagen
immer mit dabei! Glas Wein mit Gattin, man kann auch mal im Wachkoma einen
draufmachen! Sohn gratuliert brieflich, da Telefon im Gefängnis defekt.
Senile Schwester kabelt: Dieses blöde 64!
Krimi bekommen, weggeschmissen, glücklich.
19.12.2009
Weihnachten bei Carlo
Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in
seine Krimischmiede, in der er alle 14 Tage auf dem Wahnsinn der Welt
herumhämmert, auf dass die Funken sprühen. Aber heute ist alles
anders: Bald ist Weihnachten, legen Sie schon mal das Taschentuch bereit,
denn Carlos Weihnachtsgeschichte ist soooo schön
Die Weihnachtszeit ist und bleibt die schönste
Zeit des Jahres. Jeder weiß es und jeder ist in den Wochen und Tagen
vor dem Fest in einer frohen, seligen Erwartung, die sich dann während
des Festes in ein tiefes strömendes Glück verwandelt, das weit
über die Festtage hinausträgt.
Das gute Essen, die vielen freundlichen Gespräche,
der Pulverschnee, der uns erlaubt, knuffige Schneemänner zu bauen
und eines Tages, da werd ichs mich trauen:
Zwei Schneemänner, der eine fickt den anderen Doggystyle mit einem
riesigen Rettich.
Aber davon wollte ich ja gar nicht reden!
Sondern von meinem herrlichen Fußballteam!
Von Großartigen Männern aus verschiedenen Berufen, sogar der
ein oder andere Ausländer beispielsweise Jim Stiletto aus
New York, Jeff Humerbauer aus Bayern und Amerika, der fabelhafte Schiffskapitän
Lech Kwisikowski, um nur die drei zu nennen.
Auch in der herrlichen Vorweihnachtszeit können
und wollen wir Männer nicht von unserem heiligen Montagabend lassen!
Das Wochenende gehört der Familie, natürlich. Da wird der Frau
beim Plätzchenbacken geholfen, logisch! Dem Kind werden Geschichten
vorgelesen und man singt stundenlang darüber hinaus gibt es
ja auch Männerarbeit: Konstruktionspläne für das Lebkuchenhaus,
Fällen des Baumes, und Schlitten, Schlittschuhe, Skier wollen ja
auch auf Vordermann gebracht werden! Aber am Montag, nein, am Montag,
da spielen wir Fußball. Froh und glücklich, dass
1. es diesen fabelhaften Sport gibt.
2. wir so gut und
3. miteinander so innig befreundet sind.
4. wir wunderschöne, verständnisvolle und dabei noch attraktive
Superfrauen ausnahmsweise n i c h t um uns haben. (Oft ist dann aber
hoho nach der Heimkehr noch eine dritte Halbzeit fällig
hehehe)
Heute sind wir alle da. Der Ball huscht munter durch
die Reihen! Eben spitzelt der enorme Schwabe Oswald Ranft den Ball über
die Linie, schon hämmert sein Opponent Uli Quetsch den Ball ins Tor.
Zwischendurch ruft Andi Maier-Eichwald: Bald ist Weihnachten!
Und wir nicken alle. Und lachen alle. Da gelingt mir eine Finte wie selten
sieh einer an, zum ersten Mal seit langem ist es mir gelungen,
Gisbert Schönthaler zu tunneln einen fixen jungen Burschen!
Wir müssen beide herzlich lachen und reichen uns die Hände!
Jetzt kann Weihnachten ja kommen!, scherze
ich und da geht die Tür zu unserer (preiswert von einem freundlichen
Gymnasium gemieteten) Halle auf und da steht, man glaubt es kaum: Barack
Obama.
Herr Präsident, sagt Silvio Pasquale,
einer, den ich in der Auflistung der Ausländer vergessen habe, verzeih
Pasi! Wo du doch mit deinen fantasievollen Kindertheaterstücken nicht
nur zur Weihnachtszeit Kinderaugen zu leuchtenden Augen von Kindern machst.
(Wobei ganz schön viele Ausländer tummeln sich da schon
in unserem Team
)
Mister President!, übersetzt hilfsbereit Wilhelm Wein,
der im Privatleben eine Bohrinsel baut, Kamerad Gulliver nickt.
Es geht schon, sagt unser neuer Freund
Barack. Meine Deutsch ist gar nicht so schlechte!
Es ist ausgezeichnet!, lobt ihn Markus Fels, von seiner unermüdlichen
Abwehrarbeit noch ganz außer Atem.
Ich lieben Weihnachten, sagt Barack.
Besonders den deutschen, so ich bin inkognito hier. Und habe euch
spielen gesehen das Soccer. Darf ich mitspielen?
Und ob er darf! Nun man merkt schon, dass der amerikanische
Präsident noch nie einer Taktikschulung unseres wandelnden
Lexikons Hansjörg Mäher beigewohnt hat aber er
kann mithalten. Einmal gelingt ihm sogar ein ansehnlicher Seitfallzieher,
den Gisbert so eben noch von der Linie kratzen
kann.
Da ertönt ein kräftiges: Frohe Weihnachten!
Und wieder geht die Tür auf. Erstaunt halten wir inne und trauen
unseren Augen kaum: Osama Bin Laden betritt freundlich die Halle. So
ein Zufall!, sagt er. Auch sein Deutsch ist ausgezeichnet. Barack
ist auch hier!
Osama, du alter Halunke, ruft Barack und droht lächelnd
mit dem Zeigefinger. Sei du mal froh, dass bald die Weihnachten
ist!
Und du erst!, lacht Osama. Mit dir habe ich noch ein
Hühnchen zu rupfen!
Aber nicht an Weihnachten!, sagen wir.
Nicht an Weihnachten!, stimmt uns Osama zu. Noch Platz
für einen geschickten Angreifer?
Herrlich geht das Spiel weiter: Osama und Barack
harmonieren ausgezeichnet und es gelingt ihnen, eine veritable Flügelzange
zu bilden, die den Ball ein ums andere Mal brenzlig vors gegnerische Tor
trägt!
Dann aber eine Schrecksekunde Barack fällt
mit dem Kopf hart gegen die nur mit Holz vertäfelte Hallenwand. Vorausgegangen
ist ein (absolut fairer) Zweikampf mit Uli und Andi (also eigentlich ein
Dreikampf). Barack ist bewusstlos! Oh, weh!
Wir machen uns solche Vorwürfe!, rufen Uli und Andi.
Macht euch keine Vorwürfe! Nicht an Weihnachten!, rufen
alle anderen.
Und Osama ruft: Es war ein absolut fairer Kampf um den Ball!
Besorgt kniet Oswald vor dem zusammen gekrümmten, ohnmächtigen
Friedensnobelpreisträger nieder.
Er scheint von innen zu leuchten!, sagt er andächtig.
Und er sieht ganz unschuldig aus! Wie ein Kind!
Hat er gesagt, in welchem Hotel er wohnt?, fragt Wilhelm.
Damit wir ihn dorthin bringen können?
Vorhin, nach dem schönen Pass in den freien Raum von Uli
Danke!, sagt Uli.
Hat er erwähnt, dass er keinen Platz in einer Herbe gefunden
hat
Bis jetzt
O mein Gott!, Markus begreift, wir alle
begreifen in diesem Moment!
Ist er vielleicht
, Gulliver wagt den Satz nicht zu
vollenden.
Osama lächelt und entnimmt seinem Kaftan Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Wo sind denn die anderen zwei?, frage ich perplex.
Guantanomo, Osamas Gesicht nimmt einen traurigen Ausdruck
an.
ER wird sie befreien, flüstert Humerbauer und Stiletto
sagt: Yes Sir!
Barack erholt sich schnell und schon ist die Spielzeit
vorbei. Draußen hat es zu schneien begonnen. Als amerikanischer
Präsident hat Barack wenig Zeit und verabschiedet sich, knufft Osama
freundschaftlich und sagt: Warte du nur! Wir müssen fragen
dich schon noch ein paar Sachen!
Aber erst nach Weihnachten, mahnt Osama lachend.
Erst nach Weihnachten.
Und wie nett! Osama hat noch ein bisschen Zeit und begleitet uns in unsere
Stammpizzeria.
Du isst doch kein Schweinefleisch?, fragt Lech während
des Essens.
Normalerweise nicht, nein!, bestätigt Osama. Befindet
sich denn auf meiner leckeren Pizza Schinken Schweinefleisch?
Schinken IST Schweinfleisch!, rufen wir alle und halten uns
die Bäuche vor Lachen, am lautesten lacht Osama selbst über
sein kleines Missgeschick. Und spendiert dann noch eine Runde Ouzo. Frohe
Weihnachten, Freunde!, ruft er und erhebt das Glas. Frohe
Weihnachten!, rufen wir. Und ich denke: Die Weihnachtszeit ist und
bleibt die schönste Zeit des Jahres
(usque ad infinitum!)

05.12.2009
Superkrimiplot
Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in
seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert,
auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage
Es ist jetzt 14 Uhr und vier Minuten, und ich schreibe
jetzt so derartig Ruck-Zuck einen Superkrimiplot, dass das Volk mal sehen
soll, wer in diesen Dingen deutscher Meister, aber mindestens
Schon
14 Uhr sechs, los gehts:
Hauptfigur: Kommissar Buabespitz, Mutter Deutsche,
verschollener Vater Inder (oder Indianer? Inder Tamile, also ruseschwarz)!
Lebt in Tübingen, hat auch schwäbisches Lokalkolorit, was unheimlich
lustig ist, weil er ja als Halbtamile immer noch ganz dunkel ist, und
man stelle sich mal vor, da ist also einer, so ein Schokoboy und bestellt
sich Maultaschen in der Brühe, das ist lustig, liebenswert, jawoll,
so wirds gemacht!
Er ist geschieden und hat eine Tochter, die er liebt,
aber unproblematisch ist es nicht, das Verhältnis, denn die Tochter
nimmt die Uni zu leicht, das Leben zu schwer und bisexuell ist sie auch
noch, da hat er nix dagegen, aber er macht sich Sorgen, die macht er sich
schon immer, und in diesem Fall sind er und seine Ex, die als Kinderärztin,
als Professorin für Kinderheilkunde in Stuttgart arbeitet, da sind
sie sich einig und können miteinander reden, sind schon noch Freunde,
sowieso, wie sich eine Professorin mal in einen Bullen von der FH verknallt
hat wissen wir nicht, sagen wir nicht. Und sein Hobby ist die Taubenzucht,
und die Tauben, die lässt er fliegen und dann kommen sie wieder und
das ist ein Symbol für alles Mögliche. SO!
Der Fall: Auf einem Acker bei Tübingen, null
Recherche, einfach Acker, reicht(!), wird eines Morgens, Mittags, Abends
(?), NACHTS von einem Mann, der mit dem Hund noch mal raus wollte, kurz
vor dem Essen, der Mann, also der Hund und dann der Mann entdecken eine
Leiche. UND SELTSAM!!!! (Ginggong 14.15 Uhr) Die Leiche (schöne Frau,
ganz schöne Frau!) hat zwar Kleider an (schade!), aber alle Etiketten
sind rausgeschnibbelt, nix deutet auf irgendwas, kein Ausweis, aber hallo!
Sie hat eine operierte Hasenscharte. Das ist ein Fall für Mahatma,
meinen die Kollegen, der Chef meints auch, der Chef, manchmal hat
er Probleme mit Mahatma, doch, doch, aber ein Unmensch ist er nicht und
den ein oder anderen Trollinger zusammen, den hat man dann doch auch schon
mal genossen, warum nicht?
Fall für Mahatma also, denn der hat Instinkt
(Osten, Weisheit, Yoga, Buddha), zumal die Rechtsmedizin, die findet auch
nichts, nur die Todesursache und was war die Todesursache? Aber hallo!
Eine Penicillinallergie! Warum das? Und wieso keine Etiketten? Und niemand
vermisst, gar nicht, o je! Mahatma grübelt und macht und denkt und
tut, zwischendurch Maultaschen (HAHAHAHAHAHAHA!)
Idee: Die Ex, die hat doch über Hasenscharten
promoviert, das war doch so, das ist ja wunderbar, her damit! Ex kommt,
kuckt, sagt: das war keine übliche Technik, keine normale OP-Technik.
OHA! Aber sehr gut, prima gemacht, erstaunlich, sowasnochniegesehen
Tochter kommt ebenfalls, verrückt, Zufall aber auch: Wirklich erfreulich
aber auch, kehrt zurück aus Berlin, um Schneiderlehre zu machen!
Mädchen wird vernünftig, Eltern kommen sich näher, Superspitzenklasse!
Fremder Mann taucht auf in Tübingen, Mann aus
der Nähe Heidelbergs, aber gebürtiger Isländer
(Eynar!
Da ist er wieder! Seit 19.9.2009 nicht gesehen! Alles ist für alles
gut
)
Also Eynar, ungepflegt, unsympathisch, will Leiche
sehen. Soooo gehts nicht! Nicht jeder kann da jede Leiche sehen,
wo kommen wir da hin? Mahatma macht sich Käsespätzle (HIHI!
Inder + Spätzle, hihihi), denkt nach findet die nächsten
200 Seiten lang raus, dass er richtig gedacht hat: OP nicht vom Arzt +
falsche Medizin (keine Tötungsabsicht) + plus anonyme Auslegung der
Leiche ohne Etiketten = KELLERKIND KAMPUSCHPRINZIP FRITZLFALL!!!
Aber wer? Nochmal die Narbe
Sauber genäht,
sauber genäht ... EIN SCHNEIDER! Aber welcher, gibt so viele
(Sogar die Tochter lernt ja bei einem, aber der ist ja nett und alt und
bekannt in der Stadt und gut und. Neinneineinnein ...)
Schlüsselmann: Eynar! Befragt und Hopp, gleich
kommts, nur kurz: Jetzt ists 15.15 und ich war auch noch Kaffee
holen, trinken, dann pinkeln, sowie Frikadelle gekauft, probiert, weggeschmissen
Jetzt die Lösung:
Eynar war 1990 Gastprofessor in Heidelberg, da wurde
ihm sein winziges hasengeschartetes Töchterchen geraubt, schwupp,
weg war sie! Frau stirbt an gebrochenem Herzen, er wird halber Narrisch,
Karriere im Arsch usw. Und nun liest er von dem Fall, der Polizei traut
er nicht mehr, nur Mahatma Isländer + Inder, das passt irgendwie,
warum, egal
Also: Mahatma legt Trollingerunde ein (HAHA!), schmuselt
mit Ex-Frau, wird aber erst in Band 3 wieder was, erfährt von Tochter
telefonisch, nebenbei, noch grad zum Schluss, dass Lehrmeister Schneider
Oswald Schmitt ursprünglich, HALLALLI! Aus HD (Heidelberg!)
Aber jetzt: Nix wie hin, Tochter grad noch
gerettet! Ja, Sklavin war krank, ja, Hasenscharte selbst geflickt, ja
19 Jahre versklavt, ja, pfui und abermals pfui!
Schluss Eynar dankt, geht jetzt heim nach
Island, hat jetzt Ruhe, Frieden, wäscht sich wieder. Will nur noch
angeln und ob denn der Mahatma ihn dort mal besucht, der meint, warum
nicht? Ist er doch mit Schokobacken sowieso immer fremd, quasi heimatlos.
Frau fährt wieder nach Stuttgart.
Tochter wieder nach Berlin.
Chef und Mahatma gehen spazieren, herrlicher Herbsttag, großartig
und schlimm zugleich:
Die Welt.
Die Tauben fliegen weg, die Tauben kommen zurück.
OM.
Hat jetzt doch ein bisschen länger gedauert,
ist zwanzig vor vier. Der Nebel (ja, es ist halt heuer dauernd neblig!)
qualmt geradezu durchs Tal.
Ich muss noch einkaufen und bin sowieso ganz schön am Arsch und brauch
noch ein paar Zeilen, um auf mein selbstauferlegtes Kolumnenmaß
zu kommen, also jetzt nicht mehr ganz so viele und die fangen immerhin
auch schon an. Wie die füllen?
Wie nur?
SO?
So.
Oder so.
Oder einfach mal eine kürzere Kolumne schreiben.
Warum eigentlich nicht.
Drauf geschissen!
ENDE
OM
OM
ENDE
ENDE
OM
OM

21.11.2009
Zug hält nicht überall
Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in
seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert,
auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage
Eine kurze S-Bahnfahrt und man ist für den Tag
auch für diesen erledigt. Bei mir braucht es aber heute
auch nicht viel, zu hämmernd war die Migräne am Samstag, zu
trübe der Himmel am Sonntag, zu dumm die Welt nun in der Woch.
Und dann auch noch Öttinger weg! Mein Ötti! Teesiebgaukler und
Antifaschist! Der Kennedy des Südwesten!
Einfach weg!
Stattdessen: Mappus. Ein ochsengesichtiger Pforzheimer,
der Erste von dortige seit Uwe Hübner (ZDF-Hitparade) und Rene Weller
(diverse JVAs), der sich anschickt, meine Heimatstadt berühmt zu
machen.
Nun also! Die heutige Vernichtung: Es genügt
die grinsende Eiterfresse eines Schnauzbärtigen, der auf dem Plakat
der im Heidelberger Hauptbahnhof befindlichen Bank fragt: Kann ich
hier sekundenschnell Geld verschicken? Ein gelbes: JA!
steht darunter offensichtlich die Antwort des Instituts, die beim
Schnauzmann Jubel auslöst.
Warum, so frage ich mich, ist es so schön Geld zu verschicken, sekundenschnell?
Was heißt Geld verschicken? Gemeint kann doch eigentlich
nur sein: Überweisen.
Traut diese rätselhafte Bahnhofsbank ihrer Klientel nicht das allerkleinste
Wissen um Bänkerisch-Fachterminologisches mehr zu?
Wohl nicht. Und im Grunde tut sie ja recht daran.
Bankkunden sind Vollidioten, sonst wären sie seit letztem Jahr keine
mehr, mich halten nur die Schulden bei der Stange.
Und wie ich so erbittert und zergrübelt zum
Bus taumle, fällt mir eine Information aus dem VRN (Verkehrsverbund
Rhein-Neckar) aus den mittleren 90ern wieder ein. Bei einer bestimmten
Sorte Regionalzug stand da immer auf der Hinweistafel zu lesen: Zug
hält nicht überall. Es entzieht sich meiner Kenntnis,
ob dieser Hammersatz noch immer in Gebrauch ist ich glaub
mal schon.
Zug hält nicht überall. Das
ist ein Kunstwerk.
Ein Satz, der immer richtig ist und zugleich keinerlei Information birgt.
Denn kein Zug hält überall! Einer, der es versuchte, würde
auf der Stelle kein Zug mehr sein, denn um überall zu halten, darf
er überhaupt nicht fahren, sonst wäre das überall
im Arsch!
Achill und die Schildkröte ineinander quasi verbissen!
Und wenn er eben ein Zug ist, der nicht überall hält, unser
Zug, so wissen wir also nur: Dass er mal fährt und mal hält!
Ein Zug ist ein Zug!
Scheiß Bundesbahn! Bin grade so schön
am Ausrufezeichen tippen! Und daher und wenn es schon um Züge geht
und weil der Titel Krimischmiede gerechtfertigt sein will:
Mord im Orient Express ist ein haarsträubender Nonsens,
eine Plotkatastrophe! Ein Unfug sondergleichen!
So!!!
Und was mach ich jetzt?
Lesen:
RNZ-online: Polizeibericht I: Alkoholgeruch
wurde bei einem 21-jährigen VW-Fahrer in der Ringstraße festgestellt.
Der Mann wurde am Samstagmorgen gegen 3.30 Uhr durch eine Polizeistreife
kontrolliert. Nachdem der Alkoholtest einen Wert von fast 2 Promille ergab,
musste der junge Mann mit auf die Dienststelle, wo ihm Blut und der Führerschein
genommen wurde.
Schon hart: So ganz ohne Blut nach Hause taumeln,
denk ich mir und komme gar nicht so recht weiter damit, denn Folgendes
verstört mich in Wikipedia: Zwischendurch hatte Edit Wetzel
zwei Jahre lang Tischtennis zugunsten des Tennissports aufgegeben, fand
dann aber wieder zum Tischtennis zurück.
Heijeijei, das ist ja grade nochmal gut gegangen,
puh ... Nicht alles verläuft so glimpflich! Noch mal Wikipedia: Bis
2000 wurden die Amigos bei ihren Live-Auftritten von Witold Piwonski,
der seit 15 Jahren Mitglied der Gruppe war, am Keyboard begleitet. Nach
einem schweren Schlaganfall, infolgedessen er im Wachkoma lag und 2008
verstarb, war dies jedoch nicht mehr möglich.
Das ist sehr traurig für die tollen Amigos, leuchtet aber ein. Der
Tod spielt kein Keybord.
Hey!
Der Tod spielt kein Keyboard! Das wäre
doch ein Super-Krimititel für sagen wir den Kollegen
Burger? Oder gleich eine Anthologie von Gmeiner draus gemacht mit Riesenzielgruppe:
Toten Keybordern?
Ach, nein, kein Scherz über den ohne Namen und de mortuis nihil nisi
bene!
Suchen wir lieber Trost beim sensationellen Erfinder
und ungeschlagenen Champion des Familienstellens, Berti Hellinger: Lichtblick
heute: Vergessen vollendet. Ein großes Wort fürwahr.
Warum? Hab ich vergessen.
Dafür fällt mir wieder ein, dass Barbara
Rütting, die enorme Barbara Bagavgita Rütting, zum zweiten Mal
(!) die Grünen verlassen hat! Oweh! Was nun? Und warum das Ganze?
http://www.barbara-ruetting.de/: Die Zustimmung zum Afghanistankrieg
sowie auch andere grüne Entscheidungen habe ich noch zähneknirschend
ausgehalten, aber das Erschlagen des Fisches durch Renate Künast
hat nun sozusagen das Fass zum Überlaufen gebracht.
HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!!!!!!!!!!!!!!!!!
(Und das Fass war also nur noch der letzte Tropfen
auf den heißen Stein, der ein starkes Stück ist, das gleich
dreizehn schlägt? So ähnlich?) HOHOHOHO! Oder auch gleich: HARF!
HARF! (Th. Wörtche). Da fällt mir vor lauter Freude der
Aphorismus des damaligen Friedhofsgärtnerkollegen Peter S. (Pforzheim)
aus dem Jahre 1984 (Orwelljahr!)ein:
Ein guter Ficker wird immer dicker.
Bravo! Ein Satz wie Donner und Brandung! Ach, das waren noch Zeiten, als
ich Hilfsgärtner war! Seitdem weiß ich z. B., dass Friedhofsschaffer
hinter Grabsteinen diskret die Hecke ausdünnen, so dass man dort
gut und nicht minder diskret hinbrunzen kann. Zum Abschied haben sie mir
tatsächlich einen Schädel geschenkt, den meine Mutter aber zum
Restmüll tat, weil die Katze immer an ihn ran wollte. Ehrlich wahr!
Jetzt nur noch rasch darauf hingewiesen, dass es
schon zum zweiten Mal um Krimi ging, allerdings auch um Pforzheim und
ja, auch Mappus wird noch einmal wiederkehren und schon bin ich
wieder ernst:
T-Online: Hinter Niedergeschlagenheit kann
eine Depression stecken!
Teufel auch! Dachte ichs halb! Und ahne: So man niedergeschlagen
ist, kann man sich quasi deprimiert, ausgeknockt, schwer down usw. fühlen.
Recht eigentlich könnte also auch eine solche hammerharte Niedergeschlagenheit
hinter der Depression ... und wir haben schon die zweite Paradoxie, wird
es bitte bemerkt? Eine scheinbar chaotische Kolumne ist durchkomponiert,
dass es nur so kracht. (2xPforzheim+2xkriminell+2xparadox) = ?
MAPPUS, der da schreibt: Es sind diese Menschen,
die unser Land in Gang halten und nach vorne bringen: Busfahrer und Krankenschwestern,
Polizisten und Lehrer, Handwerker und Kaufleute, Arbeiter, Angestellte,
Unternehmer und viele andere.
Es sind also alle Menschen, die unser Land in Gang
halten (brumm, brumm) und nach vorne bringen (hui, hui). Das tut gut.
Die Seele beruhigt sich, die Affekte kühlen ab, der Tag wird licht
und leicht, und wir können zur schönsten Nebensache der Welt
kommen. Fußball.
Welt online: Erlöser des Tages: Erlöser des Tages:
Daniel van Buyten
Und erneut, genialisch intertextuell herbeigezwungen: Dualismus, Dialektik,
Doppelerlöser, Doppelspitze, Doppelpack, Double, (dumm?)!
Finaliter: Focus online: Babbel und Basler bangen um ihren
Jobs
Hieße schöner: Bange Ballbarden ballaballa?
PS:
RNZ-online, Polizeibericht II: Festgenommen wurde am Sonntagabend
in Kirchheim ein 51-jähriger Ire.
Selber schuld.

07.11.2009
Die Amigos
Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in
seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert,
auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage
Aber dann, aber dann,
kommt der Schattenmann!
Tief hängt der Himmel im Tal. Ist Herbst. Der
Sommer war sehr groß, mindestens neun Meter. Wer jetzt kein Haus
hat? Weiß ich nicht.
Ach, ich weiß so vieles nicht
Ich weiß nicht, warum Guido Barack
Westerwelle in den elf Jahren, während derer er in aller Ruhe darauf
warten konnte, Außenminister zu werden, nichts, wirklich gar nichts
zu tun hatte, keine Privatstunden bei einem hübschen Englischlehrer
genommen hat. War doch klar, dass die Briten frech werden! Die haben keine
FDP. Die gönnen uns diese wahnsinnig tolle FDP nicht!
Ich weiß auch nicht, warum beruflich
begegnet man sich manchmal in einer nahen Kantine die weltberühmten
Heidelberger Ärzte zu ihren bemerkenswert ungesund zusammengestellten
Mahlzeiten ihren lächerlichen weißen Kittel anbehalten. Vielleicht
ist er einfach praktisch, um die Sabberschnute abzuwischen? Aber direkt
neben dem eingetrockneten Abszessspritzer? Knapp unter syphilitischen
Blutplacken und genau da, wo man sich den Mundstuhl der 111-Jährigen
hingeschmotzt hat?
Ich weiß aber vor allem nicht, warum der Weltenlenker
dieses Gaunerpaar nicht mit einem gnädigen Blitzschlag von der Erde
fegt: www.die-amigos.de.
Zwei kotzehässliche Dumpfbacken in billigstem
Heiratsschwindleroutfit stürmen nun schon seit Jahren die Charts,
obwohl die Medienwelt sie in bemerkenswertem, ja hoffnungsvoll stimmendem
Konsens ignoriert. Und ich Vollesel bin ihnen zumindest textlich auch
schon verfallen:
Aber dann, aber dann,
kommt der Schattenmann!
Dieser Zweizeiler hat sich mir nach einmaligem, fassungslosem
Betrachten einer nächtlichen Dauerwerbesendung für das bisherige
Schandwerk der zwei mittelhessischen Tagdiebe in die Schläfenlappen
tätowiert wie nicht ein Goethewort.
Dabei kann ich selber schöne Zweizeiler machen:
Dieser Körper ist mein Haus,
nur die Leber zieht bald aus.
Daneben gibt es Dinge, die ich gar nicht wissen will:
Münteferings Lieblingswitz, Schweinis Gedanken über ein Leben
nach dem Tod, warum Roberto Blanco CSU-Mitglied ist und wie das wohl so
wäre, müsste man dabei zuschauen, wie sich Kerner und Eva Herman
versöhnten, hierbei eine Flasche öffneten, nichts vertrügen,
ganz schnell aneinander ins Rumschrauben verfielen, dann wuchtig aufeinander
stiegen und sie riefe dann: Baptist, nein! Aber zu spät
Und sicher nichts wissen will ich von sämtlichen literarturkritischen
Auslassungen, Phantasmen, Glossolieen und schieren Tollheiten des wilden
Wahlhessen R.-R.
Womit wir an diesem trüben Tag bei Dingen wären,
die ich weiß nämlich welche Buchveröffentlichungen
ich noch erleben will:
Mario Barth: Ick un meene Olle Schriften
aus dem Nachlass des Frühvollendeten.
Klaus und Ludmilla Wowereit: Straight Geschichte
einer Heilung.
Wolfgang Schäuble: Achsenbruch Mein kurzer
Jakobsweg.
Frank Schirrmacher: Meine Rezepte Vom Schleimsüppchen
bis zum Hirnsalat.
Günther Grass: Aber dann, aber dann, kommt der
Schattenmann.
Matthias Mattussek: Ich! Cool, kultik, katholisch.
Thomas Wörtche: Die Läuterung Mein
Leben als wiedergeborener Christ.
Lothar Matthäus: Die aristotelische Aussagenlogik
im Lichte des französischen Poststrukturalismus. Versuch einer Dekonstruktion.
Günther Jauch: Förderschule Biografie
der jungen Jahre.
Carlo Schäfer: Problemlos Nichtraucher, trotzdem
30 Kilo weg, sehr reich geworden und den Nobelpreis gewonnen mein
verrücktes Jahr 2010.
Der Regen hat aufgehört, mein halbwüchsiger
Sohn hat mir verziehen, dass ich ihm wutentbrannt den ungespülten
Topf aufs Bett gestellt habe, eine Elster macht sich links von meinem
Fenster an einem unterlegenen Geschöpf zu schaffen und wie sagte
der Winzer, bei dem man unlängst in der Pfalz einkaufte: Isch
kanns nimmer. Gemeint war die Abwicklung einer Kreditkartenzahlung.
Außerdem meinte er noch, der Alkohol ginge(!) in die Trauben, das
sei verrückt.
Und wir ahnen, es ist wahr: Der Schattenmann kommt.
Und nur so zum Schluss: Wenn den unerzogenen Realschüler
und Ex-Bibelforscher, Frechdachs, Dummkopf und Bobbelesabgelegtebesteiger
Pocher mal ein paar albanische Jungs mit Tagesfreizeit und überschüssiger
Kraft in den Schwitzkasten nähmen, ihn tüchtig, aber wirklich
tüchtig durchbläuten, das wäre so schön. Bereits die
betörende Vorstellung will sich noch mit der verehrten Leserschaft
geteilt wissen.

24.10.2009
Schlagersänger der Literatur
Folgen Sie auch heute wieder CARLO SCHÄFER in
seine Krimischmiede, in der er auf dem Wahnsinn der Welt herumhämmert,
auf dass die Funken sprühen. Das passiert mit schöner Regelmäßigkeit
alle 14 Tage
Ja, es nervt schon, dass der Krimi nicht dieselbe
Wertschätzung erfährt wie beispielsweise dieser Abenteuerroman
für die reifere Jugend mit den Herren Gauss und Humboldt. Aber wir
sind schon auch selber schuld. In vorauseilendem Gehorsam betonen Kollegen
auf ihren Sites, dass sie selbstverständlich nur unterhalten wollen,
(was immer hier nur und unterhalten heißen
mag), Romane mit Tiefgang möchten andere schreiben. (Was auch immer
Tiefgang sein möge).
Wir sammeln uns in Clubs mit lustigen Namen, wir
ziehen uns wie Privatdetektive an, vor allem aber wir machen alles,
wirklich alles mit. Als die Schlagersänger der Literatur lassen wir
uns willig in jedes Subgenre drücken, suchen geradezu deren heimelige
Enge. Bloß nix riskieren, wir bleiben schön unter uns, dann
verreißt uns höchstens der Wörtche. Ranicki wär
schlimmer.
Schlagersäger müssen ja bekanntlich keine
Genies sein, daher nehmen wir uns auch die ein oder andere gedankliche
Auszeit ist ja normal schreiben aber währenddessen
weiter das ist dann oft sehr schlecht.
Es hat großen Spaß gemacht, Beispiele
für alles dieses zu ersinnen:
Zunächst was die Leon kann, kann ich
auch:
Comissario di Bendetto ging in seine Lieblingsbar auf der Piazza
di San Bertolo und bestellte ein Kännchen Kaffee.
Oder wie wäre es mit einem Pariskrimi deutscher
Zunge? Der zieht bestimmt, man muss nur die kulturellen Eigenheiten unseres
Erbfeindes kunstvoll in die Handlung weben:
Inspector Neuville war müde, aber er musste
noch dringend zum Supermarkt. Er kaufte nur das Nötigste: Ein Baguette,
ein Stück Käse, eine Flasche Rotwein, drei Schachteln Gaulloises
ohne Filter. Zuhause schlief er auf dem Sofa ein und hatte die Baskenmütze
noch auf.
Treiben wir unser Unwesen dann doch vielleicht lieber
daheim. Sind vielleicht noch ein paar Regionalkrimileerstellen zu vergeben?
Wohl nicht. Aber ich probiers mal:
Obermeister Staib biss in die Laugenbrezel
von der Bäckerei Schwanz aus der Zerrenerstraße und blickte
vom seit der alliierten Bombardierung sogenannten Monte Scherbelino über
die Dächer seiner Heimatstadt Pforzheim.
Woisch, wandte er sich an seinen Kollegen Bischof. Es
isch koi brudal schöne Stadt, aber Hoimad isch Hoimad. Aber au in
de Hoimad bassiere schlämme Sache!
Laut Ausweis war das Opfer aus Karlsruhe, sagte Bischof.
Saib kniff die Augen zusammen. Das sind dreiundzwanzig Kilometer.
Ich mag Fälle nicht, die einen so großen Radius haben.
Und für Schreibschwachmaten am anderen Ende
der Republik:
Kommissar Hempelmann schmerzte die Narbe, die
er sich letztes Jahr beim Segeln auf der Förde zugezogen hatte, damals
noch als Wunde. Das hieß, dass es beim Regen bleiben würde.
Nichts ging für Hempelmann über eine verhangene Regennacht im
winterlichen Hochhausstadtteil Kiel-Mettenhof. Höchstens ein Pils
und ein Krabbenbrötchen in der Forstbaumschule aber nein.
Ein Mörder war unterwegs und verbreitete Angst und Schrecken von
Laboe bis Kronshagen. Seufzend ging der gebürtige Kieler nochmals
die Akten durch. Sein Chef betrat den Raum.
Moin, moin!, rief Hempelmann.
Moin, moin!, antwortete Dr. Doose, dessen Familie aus Flensburg
stammte, womit ihn Hemepelmann mitunter aufzog und neckte.
Es geht aber noch widerlicher. Wenn schon alle Regionen
ihren Ermittler haben, dann wählen wir eben einen anderen Bezugsrahmen
für Zielgruppengeschreibe. Essen und Trinken tut ja wohl jeder und
an Sponsoren wäre auch kein Mangel. Hier unterstützen uns Käsebauer
Hagehof und Winzer Tulm:
Kommissar Kern schlug seinem Assistenten Giebel
auf die Schulter. Herrlich, wie das Korn steht, nicht wahr? Der
Hagebauer füttert seine Rinder im Winter nur mit diesem Korn, und
das schmeckt man dem Käse einfach an, wenn ich das mal so sagen darf!
Käse vom Hagehof. Da schmecken selbst die Löcher!
Giebel nickte: Und dann noch ein Riesling dazu! Die meisten Leute
denken ja bei Käse immer an Rotwein!
Blödsinn!, rief Kern und machte eine wegwerfende Handbewegung.
Aber es muss der richtige Riesling sein!
Ein Pfälzer Riesling, am besten vom Weingut Tulm!, ergänzte
Giebel.
Richtig!, bekräftigte Kern. Wann läuft das
Ultimatum des gefährlichen Kinderschänders ab?
Giebel schaute zur Uhr: In zwei Minuten.
Schließlich, damit unser Damenpublikum gut
schläft, ersinnen wir Protagonisten, die nicht diese unschönen
Eigenschaften haben, wie man sie noch immer in zu vielen Krimis findet:
Geschieden, betrunken, zynisch, unglücklich so sollen unsere
Helden nicht sein, es reicht, dass wir das sind:
Kommissar Niklas Buck betrachtete zufrieden
seine manikürten Fingernägel und strich sich über den nicht
vorhandenen Bauch. Der Täter schlachtet also immer Kinder im
Alter von drei Jahren ab?
Ja, bestätigte sein gutaussehender Mitarbeiter und Halbtürke
Cem Istambul. Genau das Alter Ihrer sympathischen Drillinge!
Ja, das ist mir ja noch gar nicht aufgefallen!, lachte Buck
und schlug seinem Mitarbeiter anerkennend auf die Schulter. Donnerwetter!,
sagte er dann. Du hast ja wirklich Muckis, Tschemmy.
Sie haben sich aber auch gut gehalten!, erwiderte Istambul.
Eine schöne, kluge Frau, die besten Kinder der Welt, ein Haus
am See mit eigenem Badezugang und ein lustiger Cockerspaniel, alles das
hält jung! Er zwinkerte seinem Kollegen, den er nie spüren
ließ, dass er eigentlich der Chef war, also er Buck, verschwörerisch
zu. Tag und Nacht hält das jung!
Olala, rief Istambul und zwinkerte nun seinerseits Buck zu.
Na, dann machen wir mal Feierabend, rief Buck und erhob sich
schwungvoll. Wir werden die Bestie schon noch kriegen.
Morgen ist auch noch ein Tag, bekräftigte Istambul.
Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Sex, und dann haben
wir einen unterhaltsamen Krimi geschrieben!
Hier drei Varianten, je nach sonstiger Ausrichtung unseres Meisterunterhaltungsohnetiefgangwerks:
Zunächst sinnlich, Zielgruppe Hennafraktion
und jung gebliebene Studienräte:
Im Nu kniete sie nackt bis auf einen fluoriszierenden
Tanga vor mir und öffnete meine Hose.
Das geht nicht, sagte ich keuchend. Wir haben einen
Fall zu lösen.
Jetzt nicht, ihre Stimme klang wie das Schnurren einer trägen
Katze. Nicht in der Mittagspause. Mbas hag Eid mbs nachchch.
(=Das hat Zeit bis nachher.)
Jetzt schweinisch, Zielgruppe Ferkel jeden Alters,
vor allem Studenten und nymphomane Grundschullehrerinnen:
Im Nu kniete sie nackt vor mir auf dem schmutzigen
Büroboden und schluckte meinen Schwanz. Ich löste mich, trat
mich aus der Uniform, packte sie an Titte und Backe, warf sie auf das
alte Sofa und nahm sie von hinten, bis wir beide nur noch ein schwitzender,
schleimiger, blutiger Haufen erschöpften Fleisches waren.
Oder doch am besten, sichersten und ja auch am schönsten
- romantisch:
Scheu wand sie sich aus ihrem Büstenalter,
und ihre Apfelbrüste ließen meinen Atem stocken.
Es geht nicht, hörte ich mich sagen. Ich habe Frau
und Kind! Sanft bedeckte ich ihre entblößten Milchhöfe
mit zwei dottergelben Post-Its.
Ich weiß, sagte sie in rührendem Ernst. Aber
beide liegen seit 20 Jahren im Koma.
Und dennoch leben sie, gab ich zu bedenken. Und wir
sind immer noch auf der Suche nach dem Täter.
Sie haben sicher recht, Herr Oberkommissar, bekannte sie errötend
und löste eines der gelben Zettelchen von ihrer Brust. Nehmen
Sie das, Arthur. Mein Duft ist an der Gummierung!
Und so nahm und aß ich diese keusche Hostie der Lust, die mir fast
die Sinne raubte.
THE END

10.10.2009
Eingepellte Narren
Wie kommen Sie denn auf Ihre Ideen?,
fragen die Wohlmeinenden nach Lesungen, die anderen fragen zornig, woher
ich so viele schmutzige Wörter kenne. Es handelt sich um morphologische
Exotika wie Arschloch, Wichser, Drecksau
unfassbar, dass man die versteht und gleichzeitig Abitur hat! Wenden
wir uns also lieber den Wohlmeinenden zu. Deren Frage liegt ein Missverständnis
zugrunde: Der Schreiber als hermetischer Welterschaffer? Nix da, der Schreiber
ist wohl eher schwach darin begabt, hermetisch zu sein und also dazu verurteilt,
aus dem ganzen Müll, der ihm ins Leben plumpst, etwas zu machen.
Anders gesagt: Oft habe ich keine Ideen, sondern bekomme zu meinem Bedauern
und fortwährenden Leid welche aufgedrängt. Ein Beispiel? Aber
gerne:
Der Blick meines Freundes flackert, seine Wangen sind hohl, seine Haut
schimmert fahl wie ein Fischbauch. Offensichtlich ist er krank. Schweinegrippe?
Rasch wird klar: Pandemie stimmt, die Krankheit nicht. Es ist schlimmer
als vermutet.
Ich bin so fertig!, heult mein Freund.
Ich fahre Rad in einer Staffel beim HEIDELBERGMAN. Hab
grade trainiert, wimmert er. Triathlon, ergänzt
er noch senil. Auch er also: Verloren! Triathlon: Eine Meute in Neoprenanzüge
gepresster Menschen findet sich im bereits schwülen Morgengrauen
ein und sieht ein bisschen aus wie ein Bochumer Avantgardeballett aus
den 80ern. Ein Schuss ertönt und alle schwimmen flussabwärts.
Hierbei wird getunkt und getreten und wohl auch ersäuft, dass es
eine Art hat.
Die im Fluss befindlichen Salmonellen werden ignoriert
völlig zurecht. Bis die eingepellten Narren ihre Anzüglein
vollscheißen, sind sie ja nicht mehr im Wettbewerb. Denn längst
haben sie unter neuerlichem Gedränge und Geschiebe
an die Radfahrer übergeben, dieses einfach nur noch tragisch zahlreiche
Terrorpack, das sich seit Jan Ulrich oder dem letzten Hausarztbesuch auf
scheißteueren Rädern über die Bundesstraßen quält
und mit der letzten Luft Autofahrer beschimpft, ohne deren Existenz sie
allerdings gar nicht sein könnten. Jeder Schotterweg risse ihre Heliumpneus
in tausend Fetzen, triebe ihnen Karbongestänge in die Eingeweide.
Schlussendlich die Läufer: Grade vom letzten
Halbmarathon genesene Gelenkkranke beiderlei Geschlechts. Nicht selten
vor lauter Gesundheit am Sport versterbend.
Was er sich von seiner Teilnahme erhoffe, frage ich meinen Freund.
Er dürfe nicht aus der Wertung fallen. Sonst war alles nichts, der
Schwimmer und die Läuferin wären dann praktisch durch ihn ums
Finisher-Trikot gebracht, um die Erinnerungsplakette, um die ehrenvolle
Speicherung im Internet ...
Ich kenne die Läuferin, sie ist seine Frau.
Ein schönes Bild: Mein Freund eiert zu spät zur letzten Übergabe,
womöglich aus tausend Wunden blutend, weil er bergab noch einmal
alles riskiert hat, und erhält von seiner Liebsten wortlos eine schallende
Ohrfeige, weil es mit dem 370. Platz nun nichts wird. Mein Freund nickt
traurig, genauso würde das dann sein.
Bald darauf treffe ich seine Frau. Sie ist in Sorge,
er nehme das alles zu ernst, fresse nur noch Leinsamen, pflege weit über
das erotisch Erträgliche hinaus sein Gesäß mit Pferdefett
und er dope wohl auch schon, zumindest nähme er ein Präparat
der Uni Freiburg und wolle darüber nicht sprechen.
Ich will nur nicht Letzte werden, das ist alles,
sagt sie. Ansonsten nehme ich das ganz locker.
Und wenn du Letzte wirst? Als Antwort ertönt ein einziges
trockenes Schluchzen, den restlichen Weinkrampf verkneift sie sich tapfer.
(Es handelt sich wohlgemerkt um kluge, liebenswerte, weitgehend gar gute
Menschen im fünften Lebensjahrzehnt!)
Ich habe meinen Freund neulich zu Gast gehabt. Er
hat am Salat geknabbert, eine Nudel geküsst, dem Fleisch zugewinkt,
das Weinglas behaucht. Die Woche darauf wurde er Vorletzter.
Und also möchte man gerne mal einen Krimi schreiben,
wo der Sport in seiner heutigen gesellschaftlichen Wertschätzung
als der klebrige Religionsersatz geehrt wird, der er ist. Wo man nach
250 Seiten einfach die Walkingstöcke wegwirft, sich für sein
buntes, atmungsaktives Radlershirt zünftig schämt, mal wieder
über was anderes als die Pulsfrequenzen und Zeiten redet und vor
allem Massenveranstaltungen des Bodyismus abschwört. Man stirbt dann
vielleicht früher, geschenkt, aber man hat noch ein bisschen Würde
bis dahin.
Das Opfer, der Mörder, die Ermittler, der falsche
Verdächtige, die junge Russin, mit der der Kommissar seine Frau betrügt,
sie alle wären dumm wie Affenscheiße und begeisterte Ausdauersportler,
Finisher-T-Shirtträger, Pasta-zur-Unzeit-wg.-Training-Fresser.
Der Fall würde aufgrund der Blödigkeit
des Personals übrigens auch nicht gelöst, stattdessen wird der
Leser mit hundert Seiten Scheinshowdown während eines Volkstriathlons
gequält und alleine gelassen. Schließlich kauft der Leser das
Buch ja gar nicht, sondern macht Sport.
Also ist es keine gute Idee.

19.09.2009
Mit dem Bus in die Stadt
Der Tag sollte einem Anthologiebeitrag für den
Pendragon-Verlag gehören, dem herausgebenden großen Frank Göhre
zur Freude. Und stattdessen? Nichts. Verschleuderte Stunden, ins All geblasen.
Und warum? Nun: Zunächst sind schon morgens die Kippen alle. Und
verschärfend das Auto hat die Frau, womit der ganz
normale Stangenkauf an der Tankstelle im Nachbarort vereitelt ist. Also
mit dem Bus in die Stadt.
Gegenüber ein schmutziger Mann, Typ vereinsamter
isländischer Provinzbewohner: Zerzauster Bart, lieblose Kleidung,
dumpfer Trangeruch.
Zwei, drei Haltestellen lang stelle ich mir sein
Leben vor. Sein Wellblechhaus, doppellagig mit versifften Perserteppichen
ausgelegt, eine Standuhr von der Mutter, die mit einem Eskimo durchgebrannt
ist, auf einer Press-Spankommode. Die Uhr aber steht seit Jahren, dem
Alten fehlt die Kraft, sie zum einäugigen Uhrmacher Thorwaldson zu
bringen, der drunten am Fjord lebt und unguten Kontakt zu Ponys pflegt.
Manchmal sitzt Eynar so, denke ich, soll der Stinker mal heißen
vor der Uhr und weint und frisst einen rohen Schafskopf.
Als ich mir mein verkommenes Gegenüber soweit
zurechtfantasiert habe, holt der Alte die Bildzeitung raus. Dagegen kommt
meine schöne Polarkreiselegie nicht an. Da sitzt leider einfach nur
ein stinkender kurpfälzer Depp. Eynar heißt er jetzt trotzdem.
Der Bus hält auf offener Strecke. Fünf
Arbeiter umstehen andächtig ein großes, frisch und akkurat
quadratisch ausgehobenes Loch in der Straße. Ein sechster steht
drin und schaut raus. Den Verkehr regelt eine Ampel, sie ist rot. Der
Busfahrer sagt ruhig und sachlich: Arschlöcher. Alle miteinander.
Eynar ändert die Sitzhaltung. Er hat eine Verkrustung
auf dem Hosenstall, die mal als Pissfleck angefangen hat.
An der Strecke liegt auch Heidelbergs Gefängnis.
Ein altes ostisches Ehepaar steigt ein: Er böse und verwittert, sie
zusammengeschrumpft und schmerzverzerrt. So sehen also die Eltern von
rumänischen Autodieben aus.
Bismarckplatz, aussteigen.
Die Erkenntnis, die einzige des Tages: Wenn ich schon
in der Stadt bin, kann ich auch Wein einkaufen! Fünf Liter, ist schließlich
Wochenende. Also nach dem Zigarettenkauf in die Straßenbahn zu Wein
Abt.
In der Straßenbahn steht ein üppiges von
Piercings quasi in Scheiben geschnittenes Mädchen und schüttelt
lustlos den Kinderwagen, beinhaltend ihr Uneheliches, während sie
linkshändig telefonierend den Vater zur Sau macht. Wir fahren über
den Neckar, ich schaue aufs Schloss. Dann fick dich doch, Alter!
Fick dich einfach selber. Bis gleich dann. Die junge Mutter beendet
ihr Gespräch. Es ging sicher um ein Tatoomotiv für Baby Marvin.
Kann man Häftlingsnummern eigentlich frühzeitig vorbestellen?
Hoffentlich ist der Gatte mit dem Selbstfick fertig, bis sie heimkommt,
sowas ist ja nichts für ein Kind.
Herr Abt ist traurig, wie eigentlich immer. Er erinnert
mich an ein Murmeltier, sein Allgäuerisch passt hierzu vorzüglich.
Heidelberg verroddet, begründet er seine seelische Düsternis
und senkt dann die Stimme: Die Bürgermeischder han ihre eigene
Clubs, geheime Clubs, die kriagets net mit!
Kann ich eine Tüte haben?, frage ich.
Er fragt zurück: Habt ihrs ausbrobiert, obs neigeht?
Es geht nei (hinein), natürlich, und wieso
ihr? Ich bezahle und gehe.
Ich hole noch schnell Kontoauszüge und stelle
fest, dass der Wein streng genommen der Badischen Beamtenbank gehört,
die Zigaretten auch, das Haus sowieso und vermutlich auch ich.
Auf der Rückfahrt fällt ein bis dato gnädig
unbemerktes Westerwelle Wahlplakat ins Auge. Alt ist er geworden, der
schneidige Neoliberale mit plötzlicher Nähe zur Bergpredigt.
Es stand zu lesen, er habe nach eigener Aussage eben früher nicht
gewusst, wie viel Ungerechtigkeit es gibt, habe aber dazugelernt und sei
nun für soziale Dinge offen wie ein trainiertes Rektum. Vermutlich
stimmt das sogar und heißt dann aber auch: In meiner Birne
wär noch Platz für ein Straußenei, wählt mich
einfach trotzdem, ich freu mich doch so drüber.
Zuhause: Null Ideen. Nix. Neuronenpampe.
Doch jetzt, vielleicht doch, jaja: Täter taubblind,
Ermittler nach Schlaganfall locked in, Zeuge im Wachkoma. Eine Idee, gewiss,
freilich eine miserable, zumal Frank Göhre wirklich nett ist.
Kurzer Gang nach draußen, frische Luft plus
Rauchen, vielleicht hilfts? In der Straße wird was an den
Gasleitungen gemacht. Es sind große Schilder aufgestellt, die eindringlich
davor warnen, zu rauchen. Ich lösche meine Zigarette sofort, dann
sehe ich: Direkt neben einem der Schilder steht ein erschöpfter Arbeiter
und raucht.
Ich gehe wieder rein. Der Tag ist rum.
Eynar wäscht sich mit dem Tau seiner Lieblingsbrennnessel,
legt sein Nachthemd aus grobem Leinen auf die Pritsche und meißelt
sich mit einem Walfischzahn und einem Lavabrocken geduldig die Hose auf.
Denkt: Das wird schon alles!
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